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Rechte Klamotten: Modeverrückter Führerstorch

Ein Stelzvogel bedroht die rechte Kleidermode. Mit T-Shirt-Persiflagen demonstriert ein Schweriner SPD-Landtagsabgeordneter gegen die bei Neonazis beliebte Kleidermarke „Thor Steinar“. Nicht ohne Folgen. Am Mittwoch beginnt in Nürnberg ein Prozess um die Rechte für rechte Klamotten.

        

Storch des Anstoßes: T-Shirt mit Storch-Heinar-Logo.
Storch des Anstoßes: T-Shirt mit Storch-Heinar-Logo.

Die Frakturschrift passt. Der Stahlhelm auch. Das Hitlerbärtchen über dem Storchenschnabel … Moment. Dieses T-Shirt ist nur auf den ersten Blick was für Neonazis. Auf den zweiten Blick ist es Satire. Storch Heinar ist ein „Klamottenprojekt“ der Website Endstation Rechts. Die Firma Mediatex GmbH aus Mittenwalde sieht ihre bei Neonazis beliebte Kleidungsmarke Thor Steinar verunglimpft und klagt gegen den Storch. Heute steht die Verhandlung vor dem Landgericht Nürnberg an.

Storch Heinar ist, so lässt es sich auf seiner Homepage nachlesen, ein „modeverrückter Führerstorch mit schwerer Kindheit, verkanntem Talent etc. pp.“. Deshalb sei er „wild entschlossen, der größte Modezar unter den Adebaren zu sein“ – oder GröMaZ (größter Modedesigner aller Zeiten).

Als T-Shirt-Motiv gibt es den Stelzevogel in mehreren Varianten, dazu seinen Konkurrenten Benito Storcholini und den debilen Rudolf in seinem Flugzeug – eine Anspielung auf den bei Neonazis beliebten Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Ein Ei mit der Umschrift „der Führer hatte nur ein Ei“ nimmt die historisch nicht belegte Behauptung auf, dass Adolf Hitler nur einen Hoden hatte.

Inhaber der Internet-Adresse storchheinar.de ist Mathias Brodkorb, SPD-Landtagsabgeordneter in Schwerin. Als Kenner der rechtsradikalen Szene bringt er auch schon mal Insider-Witze auf T-Shirts unter, etwa den NPD-intern umstrittenen Funktionär Andreas Molau als „liberale Luftpumpe“. Die Hemden kosten gern 18,88 Euro, ein Verweis auf die Zahlencodes der rechten Szene. Die Babykollektion in Bio-Baumwolle heißt „Lebensborn“.

Was hat Brodkorb gegen Thor Steinar? „Es geht um etwas anderes“, sagte er der FR, „ich finde es nicht gut, dass sich zumindest in Ostdeutschland eine Kleidungsmarke zum Erkennungszeichen von Rechtsextremisten entwickelt hat – und so ganze Jugendkulturen symbolisch dominiert, was der Verfassungsschutz von Brandenburg in seinen Berichten ausdrücklich bestätigt.“

Wie die juristisch stets rege Mediatex ihre Klage begründen will, ist offen; ein angekündigter Rückruf auf FR-Anfrage blieb aus. Laut Brodkorb lautet die Klage sowohl auf Verunglimpfung als auch auf Markenrechtsverletzung – dabei habe Mediatex selbst einen Tag nach dem Start von Storch Heinar versucht, den Namen als Marke anzumelden. Da „klingt der Vorwurf der Verunglimpfung nicht ganz glaubwürdig“, sagt Brodkorb, „es sei denn, die Mediatex GmbH würde zugestehen, sich selbst verunglimpfen zu wollen“.

Bei der Markenrechtsverletzung dürfte es vor allem um ein Motiv gehen, das Storch Heinar mit ausgebreiteten Flügeln und Ei unterm Bürzel auf rotem Grund zeigt. Es ähnelt dem Logo von Thor Steinar, einem Andreaskreuz mit zwei Punkten – für germanentümelnde Steinar-Fans eine Gebo-Rune. Die Klage, sagt Brodkorb, setze voraus, „dass man als normaler Mensch ein weißes Kreuz (Thor Steinar) nicht von einem weißen Storch (Storch Heinar) unterscheiden kann“. Der SPD-Abgeordnete bleibt gelassen: „Wir werden sehen, ob sich die Richter dieser Meinung anschließen oder nicht.“

Autor:  Volker Schmidt
Datum:  20 | 7 | 2010
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