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Politik
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12. Juli 2011

Rechte Studentenverbindungen: Der Burschenputsch

 Von Felix Helbig und Volker Schmidt
Die Burschenschaften streiten über die richtige Abstammung.  Foto: dpa

Nach dem Streit über einen „Ariernachweis“ wollen rechte Verbindungen die Macht im größten und ältesten Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) übernehmen und planen dazu offenbar einen Putsch.

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Wer ist Bursche?

Die Deutsche Burschenschaft umfasst 120 Mitgliedsbünde mit etwa 1300 studentischen Aktiven und mehr als 10000 sogenannten Alten Herren. Die politische Haltung reicht meist von konservativ bis rechts, allerdings gibt es auch sozialdemokratische Burschenschaften.

Mit dem Bekenntnis zum Burschensein scheint es allerdings nicht so weit her. So wurden für eine entsprechende Untersuchung des Dachverbands 53 Brüder angeschrieben, die politische Mandate auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene innehaben. Antworten erhielt der Verband nur von 15 Politikern. Sie erklärten mehrheitlich, ihre Mitgliedschaft lieber zu verschweigen. (big)

Burschenschaften verstehen sich als verschworene Bünde, ihre Mitglieder versprechen einander Treue und Geschlossenheit, nur selten dringt etwas nach draußen. Seit der Auseinandersetzung über einen „Ariernachweis“ zur Aufnahme neuer Mitglieder auf dem jüngsten Burschentag im Juni in Eisenach steht es jedoch nicht mehr allzu gut um das Conventsgeheimnis.

Nach ihrer Niederlage streben erzkonservative Verbindungen danach, die Macht zu übernehmen im mit 120 Mitgliedsbünden größten und ältesten Dachverband, der Deutschen Burschenschaft (DB). Dokumente, die der FR vorliegen, belegen, dass dem Verband ein Putsch droht.

Demnach arbeiten in der extrem rechten Burschenschaftlichen Gemeinschaft zusammengeschlossene Verbindungen, die sich in dieser Woche zu einem Festkommers in München treffen, an einer Strategie, um auf dem Burschentag 2012 alle Verbandsämter zu übernehmen. Das Konfliktthema ist weiter dasselbe: Es geht um die politische Ausrichtung der Deutschen Burschenschaft. Und um die Frage, welcher Abstammung man sein muss, um Verbindungsbruder zu werden.

Entzündet hatte sich der Streit vor einigen Wochen an einem Mitglied der Burschenschaft Hansea zu Mannheim: Der junge Mann ist in Mannheim geboren, ist nach eigener Auskunft „stolz, als Wehrdienstleistender meinem Vaterland gedient zu haben“ und „stolz, Deutscher zu sein“. Geht es jedoch nach der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, hätte er niemals in der Hansea aufgenommen werden dürfen. Denn seine Eltern stammen aus China.

Den rechten Bundesbrüdern ist das unannehmbar. Schon in Eisenach legte die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn Anträge vor, die den Ausschluss der Hansea aus der DB forderten und die Abstammung als Aufnahmekriterium präzisieren sollten.

In der Begründung hieß es: „Beispielsweise weist eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie auf die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht deutsche Abstammung hin.“

Unter gemäßigteren Burschen sorgte das für einigen Widerstand. Ein Rechtsgutachten des Verbands, das die Abstammung ebenfalls als „maßgeblich“ zur Aufnahme von Mitgliedern bezeichnet hatte, wurde flugs aufgehoben und durch eine modifizierte Variante ersetzt, nach der allerdings die Aufnahme von Bewerbern mit nicht-deutschstämmigen Eltern weiterhin in letzter Instanz vom Verband überprüft werden muss. Die Raczeks zogen ihren Antrag am Ende zurück.

So etwas soll nicht wieder passieren. Laut einem Strategiepapier, das der FR vorliegt, arbeitet die Karlsruher Burschenschaft Tuiskonia gemeinsam mit den Raczeks daran, die Führung im Verband an sich zu reißen („…übernehmen wir halt den Laden…“). Dafür müsse man nach einer „kurzen Analyse“, was diesmal falsch gelaufen sei, eine „Roadmap“ bis zum nächsten Burschentag erstellen, heißt es darin. So brauche es eine „konsequente Focusierung auf unsere Ziele“, ein „Schattenkabinett“ und ein „Soll-Tätigkeitsprofil für jedes Amt“.

Nötig sei auch eine „klare Strategie“, wie sich die Burschenschaftliche Gemeinschaft verhalte, wenn der umstrittene Mannheimer Verbindungsbruder 2012 für ein Verbandsamt kandidiere. „Da wir ja erlebt haben, dass der linke Mob die Diskussion gar nicht annimmt, (...) müssen wir davon ausgehen, dass wir 2012 (...) alle Ämter besetzen müssen/werden.“ Mit dem „linken Mob“ sind anscheinend die Gemäßigteren unter den Burschen gemeint.

Ein Vertreter der Raczeks erklärt auf FR-Anfrage knapp, dass keiner der genannten Verbände „in irgendeiner Weise“ beabsichtige, die Deutsche Burschenschaft „zu spalten oder auf eine Spaltung hinzuwirken“. Die Karlsruher Tuiskonia reagiert nicht auf eine Anfrage. Der Sprecher der Deutschen Burschenschaft, Michael Schmidt, sagt, ihm seien „keine Überlegungen bekannt“, die zu einem Putsch im Verband führen könnten. An Spekulationen beteilige sich die Deutsche Burschenschaft nicht. „Wir warten das ab und reagieren dann darauf.“

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