Zuletzt hatte er die Gemeinde Faßberg in Aufruhr versetzt, der Rechtsanwalt und Rechtsextremist Jürgen Rieger. Es war sein altes Spiel: Diesmal wollte er das marode "Landhaus Gerhus" für eine knappe Million Euro kaufen. Ein "Schulungszentrum", so hieß es, plane Rieger in der Nähe von Celle - oder doch eher eine braune Kommandozentrale? Oder ging es nur darum, den Preis in die Höhe zu treiben?
Dass Rieger bei der Versteigerung am 16. Dezember noch mitbieten wird, ist unwahrscheinlich: Der 63-Jährige, einer der verbohrtesten Neonazis Deutschlands, liegt im Sterben. Womöglich ist er sogar schon tot. Am vergangenen Samstag klagte Rieger auf einer NPD-Vorstandssitzung in Berlin über Unwohlsein. In einem Neuköllner Krankenhaus attestierten die Ärzte einen Schlaganfall; Rieger, hieß es, liege im Koma. Nach FR-Informationen wurden die Geräte abgeschaltet. Eine Aussicht auf Heilung besteht nicht mehr.
Seither wurde sein Tod mehrfach gemeldet und wieder dementiert. Auf der Homepage von Riegers kruder "Artgemeinschaft" tauchte eine Todesrune auf. Am Dienstagabend meldete sich in einem Neonazi-Forum der Rieger-Vertraute Thorsten de Vries zu Wort: "Es ist richtig, dass Kamerad Jürgen Rieger an einem Schlaganfall gestorben ist." Eine offizielle Bestätigung gab es bis zum Mittwochabend nicht.
Wahrscheinlich ist, dass Rieger, selbst wenn er noch leben sollte, nicht mehr als Strippenzieher des organisierten Rechtsextremismus zurückkehren wird. Das ist ein empfindlicher Schlag für Deutschlands Rassisten und Antisemiten, die einander im Internet sogleich mit Verschwörungstheorien übertrafen und "Rache" ankündigten.
Rieger, Vorsitzender der Hamburger NPD und seit 2008 auch Vizechef der Bundespartei, war über Jahrzehnte eine der dominierenden Figuren am äußeren rechten Rand. Der mehrfach verurteilte Holocaustleugner verfügte über exzellente Kontakte in die militante Kameradschaftsszene und zu führenden Neonazis in Skandinavien.
Er verteidigte seit 1975 etliche hochrangige Extremisten, darunter Michael Kühnen, Horst Mahler und Ernst Zündel. Eine Schlüsselfigur für die braune Szene war er aber vor allem deshalb, weil er über beträchtliche Geldmittel verfügte und die leckgeschlagene NPD damit zuletzt über Wasser hielt.
Woher Rieger das Geld hatte und um wie viel es sich handelt, ist unbekannt. Der fanatische Rassenideologe sprach stets nur davon, dass es sich um Erbschaften von Altnazis handele, die er in einem merkwürdigen Stiftungsgeflecht verbarg.
In den letzten Jahren bot er im Osten und Norden Deutschlands auf diverse Immobilien - ob ernsthaft oder zum Schein, war nie ganz klar. Sicher ist, dass er mehrere, zum Teil wertvolle Gebäude in Schleswig-Holstein, Thüringen, Mecklenburg und Schweden besitzt.
Als die NPD wegen falscher Rechenschaftsberichte in Zahlungsschwierigkeiten geriet, gewährte Rieger seiner Partei ein Darlehen in Höhe von 500.000 Euro.
Die Nachricht von Riegers nahem Tod ist für die NPD daher von großer Bedeutung. Die Partei, die bei der Bundestagswahl mit 1,5 Prozent kläglich scheiterte, ist hoch verschuldet, weitere solvente Gönner sind nicht in Sicht. Unter den Extremisten machte daher am Mittwoch die bange Frage die Runde, wen Rieger als Erbe seines Vermögens eingesetzt haben könnte. So weit bekannt, sind seine nächsten Angehörigen nicht in der rechten Szene aktiv.
Das wiederum könnte für Rieger selbst ein Glücksfall sein, wie jemand in einem rechtsextremen Internetforum schrieb: "Falls er den Schlaganfall überleben sollte, ist ihm nur zu wünschen, dass seine Familie seine Einstellung über Behinderte nicht teilt."
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