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Politik
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26. August 2008

Rechtsextreme: Wenn der Durchblick Urlaub hat

 Von VOLKER SCHMIDT
Die Torgauer Zeitung druckte jetzt eine komplette Pressemitteilung des NPD-Kreisverbandes Nordsachsen ab  Foto: Sreenshot

In Ostdeutschland wird die rechtsextreme NPD immer mehr zur ganz gewöhnlichen Partei - selbst für Journalisten. Die Torgauer Zeitung druckte eine komplette Pressemitteilung des NPD-Kreisverbandes Nordsachsen ab.

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In Ostdeutschland wird die rechtsextreme NPD immer mehr zur ganz gewöhnlichen Partei - selbst für Journalisten. Die Torgauer Zeitung (TZ) druckte jetzt eine komplette Pressemitteilung des NPD-Kreisverbandes Nordsachsen ab, eingeleitet nur mit der Angabe, sie sei eine Reaktion auf den Artikel "Demokratie kostet Geld", der sich mit den geplanten Kosten für den fusionierten nordsächsischen Kreistag beschäftigte.

Knapp 3000 Anschläge lang durfte der Fraktionsvorsitzende der NPD im Kreistag Nordsachsen, Steffen Heller, verkünden, was er von den Plänen der "Systemparteien" hält - ein Kampfbegriff der NSDAP, aber darauf mussten die Leser der TZ schon selbst kommen. Chefredakteur Thomas Stöber räumt ein, dass eine redaktionelle Auseinandersetzung besser gewesen wäre: "Der Kollege hat das nicht ordentlich bearbeitet, weil ihm da der Einblick fehlt", sagte er der FR. Der für die Rechtsextremen zuständige Redakteur war in Urlaub.

Dass die NPD zu Wort kommt, rechtfertigt Stöber jedoch: "Die zu ignorieren, hat in anderen Regionen dazu geführt, dass sie Jugendclubs und Spielplätze erobert haben." Die TZ habe die NPD in der Vergangenheit schon "so was von bloßgestellt", vor allem, wenn es um Rückgriffe auf Nazi-Ideologie gehe. Bei kommunalpolitischen Themen sei das schwerer, sagt Stöber. Mit den geplanten Aufwandsentschädigungen für Kreistagsabgeordnete hätten die "etablierten Parteien" der NPD "einen Elfmeter aufgelegt". Die Partei sei in der Region "breit verflochten" - "auch unsere Leser sind ein bisschen anders als die der Frankfurter Rundschau". Die TZ, Auflage 11 285 Stück, ist eine Regionalausgabe der Leipziger Volkszeitung, deren Verlag je zur Hälfte dem Axel Springer Verlag und der Madsack-Gruppe gehört.

Immerhin sei nun "eine Diskussion in Gang gekommen", sagt der Chefredakteur. Stimmt: Im Internet-Forum der Zeitung herrscht die Meinung vor, die etablierten Parteien seien "Strolche" und nur auf Macht aus. Wer die NPD angreift, wird gefragt: "hat dir ein rechter deine ex ausgespannt"? Kein Moderator greift ein. Stöber klagt über Mangel an guten Leuten und an Geld. Wie hieß noch der Artikel, auf den die NPD reagierte? "Demokratie kostet Geld."

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