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Politik
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25. August 2014

Rechtsextremismus: „Wir könnten viel mehr machen“

 Von 

Berater in Sachsen betreuten 2013 mehr als 200 Opfer rechter Gewalttäter.

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Sind 300 000 Euro im Jahr genug, um Opfer rechter Gewalt in Sachsen zu betreuen? Nein, sagt Robert Kusche, Geschäftsführer der RAA Opferberatung im Freistaat. Seit zwölf Jahren gibt es die Initiative, sieben Männer und Frauen arbeiten in den Büros in Dresden, Leipzig und Chemnitz, die meisten in Teilzeit, für mehr volle Stellen fehlen die Mittel. 34 000 Euro musste das Projekt seit 2011 einsparen. Jetzt sind es noch die besagten 300 000 Euro im Jahr und die reichen hinten und vorne nicht, sagt Kusche.

„Wir könnten viel mehr machen, wenn wir mehr Geld hätten.“ Gerne würde der Politikwissenschaftler mehr Leute einstellen oder ein viertes Büro aufmachen, zum Beispiel in Görlitz, um auch das Erzgebirge besser abdecken zu können. „Der Bedarf ist da.“ Stattdessen mussten sie in den letzten Jahren die Stunden der Mitarbeiter zurückfahren.

Mehr als 200 Opfer rechter Gewalt wurden von der Initiative im vergangenen Jahr betreut. Dass Betroffene direkt in den Büros anrufen, ist eher die Ausnahme. Die Initiative vertritt einen aufsuchenden Ansatz, das heißt, sie pflegen Kontakte zu anderen Gruppen, verfolgen Polizeimitteilungen und recherchieren Fälle.

Wenn Opfer, deren Angehörige oder Zeugen rechter Gewalt die angebotene Hilfe annehmen, begleiten RAA-Mitarbeiter sie zum Arzt oder zur Polizei, unterstützen beim Gang vors Gericht, vermitteln Anwälte und Übersetzer, helfen bei Entschädigungsanträgen. Vor allem aber hören sie den Opfern zu, lassen sie von ihren traumatischen Erlebnissen erzählen und zeigen ihnen, dass sie ihnen glauben und auf ihrer Seite sind. „Wir sind keine Therapeuten“, räumt Kusche ein. Aber er und seine Mitarbeiter kennen die Symptome nach einer Gewalttat, die Schlafstörungen, die Angstzustände. In schweren Fällen suchen sie auch Therapeuten.

Probleme auf dem Land

Als in Chemnitz drei Libyer in einer Diskothek von sieben Rechten zusammengeschlagen wurden, einer davon so brutal, dass er für zwei Wochen im Krankenhaus lag, war das so ein schwerer Fall. Oder der Türke in Zwickau, der nach einem Angriff von Rechten im Koma lag und bei dem nicht klar war, wie schwer die Folgeschäden sein würden.

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Es braucht nicht viel, um Opfer zu werden. Eine andere Hautfarbe, ein HipHop-Outfit, oder einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. „Das müssen nicht mal Leute sein, die aktiv in der Antifa-Szene sind“, erklärt Kusche. Schwierig wird es für Jugendliche auf dem Land, die ihren rechten Peinigern kaum ausweichen können. „Die wissen genau, wo die Nazis sitzen. Wir hatten einen Fall, da ist der junge Mann nicht mehr in den Judoclub gefahren, weil er dafür am Bahnhof vorbei musste und wusste, dass er da angepöbelt würde.“ In solchen Fällen empfiehlt die Opferberatung, an die Öffentlichkeit zu gehen, Vorfälle anzuzeigen.


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Manchmal geben auch die Opferberater auf. „Es gibt Extremfälle, da bleibt einem eigentlich nur noch der Rat, wegzuziehen.“ Weil die Bedrohung so groß ist und nicht jeder einer solchen Situation standhalten kann. „Das ist das Harte an unserer Arbeit. Denn so sehr ein Umzug aus individuellen Gründen verständlich ist, für eine Gesellschaft ist das unerträglich, wenn die Täter sich als Sieger fühlen können.“

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