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25. August 2014

Rechtsextremismus: Nichts für Kurzatmige

 Von 
Wahlerfolg der DVU: Ein Schock ging durchs Land.  Foto: imago stock&people

Seit 15 Jahren betreibt der Verein Miteinander in Sachsen-Anhalt politische Bildung.

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Den Startschuss gab ausgerechnet die DVU. Völlig überraschend für alle war die rechtsextreme Partei bei der sachsen-anhaltischen Landtagswahl im Juni 1998 auf 12,9 Prozent gekommen. Aus dem Nichts aufgetaucht und gleich zweistellig gewonnen. „So viele Menschen wählten DVU, damit hat damals kein Mensch gerechnet“, erinnert sich Pascal Begrich. „Alle waren wie vor den Kopf gestoßen.“ Ein Schock ging durchs Land. Eine Folge war dann die Gründung des Vereins Miteinander in Magdeburg, dessen Geschäftsführer Begrich heute ist.

Ein Verein, der sich fortan der politischen Bildung und der Bekämpfung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit widmete. Aufs Land gehen, Bürgermeister und Schulleiter in den Kleinstädten und Dörfern beraten, sich um die Opfer rechter Gewalt kümmern – das war und ist die Idee des heute fünfzehnjährigen Vereins. 19 Mitarbeiter hat Miteinander, verteilt auf die Städte Magdeburg, Halle und Salzwedel. Gut eine Million Euro Unterstützung erhält der Verein aus Bundes- und Landesgeld.

Fragt man nach Erfolgen der Arbeit, erzählt Begrich gerne über Salzwedel, eine Stadt im Norden des Landes, in der es echte Probleme mit Neonazi-Kameradschaften, Neonazis bei der Feuerwehr oder einer gemischten Szene aus Motorradclubs und Rechtsextremen gab. „Die Neonazis sind heute ein deutlich geringeres Problem in Salzwedel“, sagt Begrich. Seit 2002 sei Miteinander dort aktiv. Ein Netzwerk aus Jugend- und Sozialarbeit sei entstanden, die Stadt biete bunte und vielfältige Angebote für junge Menschen. „Es hat sich wirklich gelohnt“, so Begrich. Er wisse auch, dass sich der Rechtsextremismus in nächster Zeit nicht in Luft auflösen werde. Aber es gehe darum, Gegenangebote zu schaffen, die Demokraten zu stärken und nicht ganze Gegenden einfach abzuschreiben. Wie nötig das alles ist, zeigen die Zahlen der Opferberatung des Vereins: 2012 betreute Miteinander Opfer von 118 Straftaten, Menschen, die angegriffen, bedroht und verprügelt wurden. 2013 waren es 141 Fälle. „Es wird ja nicht weniger“, meint Begrich.

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Immer wieder dagegenhalten

Der spektakulärste Betreuungsfall war ein 34-jähriger Dönerbudenbetreiber aus Bernburg, der im vergangenen Herbst von zehn Neonazis aus Schönebeck zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden war. Der Betreiber des „Ali Baba“ hatte seine Freundin verteidigen wollen, die von den Neonazis angegangen und als „Türkenschlampe“ beschimpft worden war. Der Mann wäre um ein Haar gestorben. Auf ihm wurde herumgetrampelt, er erlitt einen Schädelbruch und lag lange Zeit im künstlichen Koma. Das Gericht verurteilte fünf der Täter zu Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren wegen versuchten Totschlags, der Rest kam frei.

Solange noch so etwas passiere, sagt Begrich, so lange brauche es die Opferberatung und den Verein Miteinander. „Man braucht einen langen Atem“, sagt er. Schnelle und sichtbare Erfolge, das sei schwierig. „Wir können nur dagegenhalten.“
Und das neue Programm der Bundesregierung „Demokratie leben“? Begrich ist leicht skeptisch. Immer mehr Arbeit bei nicht ausreichend Geld, meint er: „Wie soll man das denn alles bewerkstelligen?“

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