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20. November 2014

Rechtsextremismus-Studie: Latent rechts

 Von Merle Sievers
Gelebter Sozialdarwinismus: Demo in Berlin-Köpenick gegen eine neue Flüchtlingsunterkunft.  Foto: dpa

Offener Rechtsextremismus nimmt ab, doch subtile Ausgrenzung Schwacher wächst. Das belegt nun eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Demnach haben mehr als 40 Prozent der Deutschen Vorbehalte gegen Flüchtlinge. Insbesondere die AfD kanalisiert rechtsextreme Einstellungen.

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Berlin –  

Die meisten Asylbewerber werden in ihrem Heimatland gar nicht wirklich verfolgt.“ Ansichten wie diese sind in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet: Trotz Bürgerkrieg in Syrien, Terror der IS-Miliz und Diskriminierung in den Herkunftsstaaten halten 15 Prozent der Deutschen die meisten Flüchtlinge für Sozialschmarotzer, weitere 27 Prozent stimmen der These teilweise zu. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor, die für die Studie „Fragile Mitte – Feindselige Zustände“ unternommen wurde. Sie wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Die Grundaussage der 170 Seiten umfassenden Analyse eher positiv: Allgemeine rechtsextreme Einstellungen haben in den vergangenen Jahren deutlich an Zustimmung verloren. 2012 waren noch neun Prozent der Menschen offen rechtsextrem eingestellt, 2014 ist dieser Wert auf 2,4 Prozent gesunken.

Viele der Befragten beziehen heute deutlicher Stellung gegen diskriminierende Aussagen als vor ein paar Jahren. Dass Juden in Deutschland zu viel Einfluss haben, lehnten 2004 nur 43 Prozent voll und 34 Prozent eher ab. Heute haben 63 Prozent eine klar ablehnende Haltung zu der Aussage, 23 Prozent sind tendenziell ablehnend. Eine große Mehrheit unterstützt auch die berufliche Emanzipation der Frau: Fast 90 Prozent finden, dass Frauen ihre Karriere nicht gegenüber der eines Mannes zurückstellen sollten.

Arbeitslose kämpfen mit Vorurteilen

Andreas Zick, Direktor des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld und Mitautor der Studie, sieht trotzdem keinen Grund zur Entwarnung – im Gegenteil. Seiner Ansicht nach verlagern sich die rechtsextremen Ansichten der Menschen von offenen hin zu subtileren Formen. So sind viele Deutsche darauf bedacht, ihre sogenannten Etablierten-Vorrechte zu wahren – Motto: „Wer hier neu ist, sollte sich erst mal mit weniger zufrieden geben.“ Dieser Forderung stimmen immerhin knapp 60 Prozent der Bevölkerung zu.

Auch Arbeitslose haben mit Vorurteilen zu kämpfen: Knapp 50 Prozent der Befragten werten Langzeitarbeitslose ab, ähnlich viele sind es bei Obdachlosen.

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Die Studie verzeichnet ferner einen deutlichen Trend zum sogenannten „marktförmigen Extremismus“: der Einstellung, dass Wettbewerb und Fortschritt allgemein wichtiger sind als Solidarität. Dieses extreme Effizienzdenken, das immerhin 21 Prozent voll vertreten, hängt eng mit rechtsextremen Ideen zusammen. Viele der Befürworter sehen ihren Lebensstandard durch die Euro-Krise bedroht und neigen dazu, sozialdarwinistischen und menschenfeindlichen Aussagen zuzustimmen. Die Alternative für Deutschland (AfD) scheint diese beiden Aspekte gut zu kanalisieren: 40 Prozent der Befürworter des marktförmigen Extremismus sympathisieren mit der Partei.


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Auch wenn die Mehrheit der Deutschen rechtsextreme Einstellungen vehement ablehnt, offenbart die Umfrage Unsicherheiten: „Auf diese Unsicherheiten zielen die radikalen Lager am Rande der Gesellschaft mit Aktionen wie etwa der HoGeSa-Demonstration am Kölner Hauptbahnhof ab. Da versuchen die wenigen Extremen, die breite Masse zu provozieren, und zwar an den Stellen, an denen sie fragil ist“, “, so Studienautor Zick. „Die Normen der Mitte werden brüchig.“

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