Die Gefahr, die dem Sport durch Rechtsextremisten droht, wird sträflich unterschätzt. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt die Studie „Rechtsextremismus im Sport“. Aufgrund seines hohen gesellschaftlichen Renommees ist der organisierte Sport in Vereinen und Verbänden der Untersuchung zufolge ein Ziel für menschenverachtendes Gedankengut. Die meisten Sportverbände sähen aber keine Veranlassung, sich für ihre Arbeit näher mit dem Thema Rechtsextremismus zu beschäftigen.
Der Befund der Studie aus dem Jahr 2009 ist nach wie vor aktuell. Im Auftrag des Bundesinnenministeriums hatten Fachleute um den Hannoveraner Sportwissenschaftler Gunter A. Pilz untersucht, wie es in deutschen Sportvereinen und Verbänden um das Thema Rechtsextremismus bestellt ist.
Nach Ansicht der Wissenschaftler neigen Vereine dazu, rechtsextremistische Vorkommnisse als „Ausrutscher“ zu verniedlichen. Die wenigsten betroffenen Organisationen hätten sich Hilfe von außen gesucht, sondern versucht, die Angelegenheit intern zu regeln, um zu verhindern, dass der Vorfall publik wird.
Das Problem:
Nadja Drygalla war zunächst Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern. Diese musste sie verlassen, als ihre Beziehung zum NPD-Funktionär Michael Fischer bekannt wurde. Sie wurde anschließend vorgeschlagen für eine Förderung durch die Bundeswehr - ob sie diese bekommen kann, ist nach dem Eklat bei den Olympischen Spielen umstritten.
Wie Drygalla sind die meisten Spitzensportler in Deutschland trotz ihres Bekanntheitsgrads auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Denn kaum ein Athlet kann allein von Wettkampfprämien leben.
Rechtsextremismus trete im Sport in ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Extremisten würden teils eigene Vereine gründen, teils als Übungsleiter oder Trainer in bestehende Vereine einsickern. Vereinzelt würden auch rechtsextremistische Sportler gezielt Wettbewerbe zur eigenen Propaganda missbrauchen. Ziel sei es bei all diesem Engagement, Sympathien und Sympathisanten zu gewinnen und, vielleicht noch wichtiger, die eigene menschenverachtende Ideologie als eine ganz normale Meinung zu präsentieren.
Die Fachleute führen eine ganze Reihe von strukturellen Gründen an, die Vereine veranlassten, das Thema zu verharmlosen. So seien insbesondere kleinere Vereine auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, um ihren Übungsbetrieb überhaupt aufrechterhalten zu können. Der ein oder andere rassistische Spruch eines Trainers werde dafür bewusst überhört. Andere Vereine verträten die Auffassung, das Politische müsse vom Sportlichen getrennt gesehen werden. Und sicherlich gebe es auch Vereine, die extremistischem Gedankengut grundsätzlich nahe stünden.
Unklar sei, wie groß der Einfluss rechtsextremistischer Gruppen im deutschen Sport tatsächlich ist und wie gefährlich diese Tendenz sei. Klar sei hingegen, dass mit gezielten vorbeugenden Schritten vergleichsweise einfach verhindert werden kann, dass ein Verein von Extremisten unterwandert wird. So schlagen die Wissenschaftler unter anderem Änderungen der Vereinssatzungen vor, die sich klar gegen Rassismus und Rechtsextremismus wenden.
Für die Nutzung von Vereinsanlagen sollten Verträge konzipiert werden, die ein Bekenntnis zu den Werten des Sportes und der Völkerverständigung enthielten und Rechtsextremismus ächteten. Ähnliche Formulierungen seien denkbar für die Teilnahme an Wettbewerben. Sollte ein Sportler gegen diese Vorschriften verstoßen, könne er von der Veranstaltungen ausgeschlossen werden.
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Foto: screenshotÜbergeordnete Sportverbände sollten bei neu gegründeten Vereinen genau hinschauen und rechtsextremistische Zusammenschlüsse bewusst nicht in den Verband aufnehmen und damit vom Spielbetrieb ausschließen.
Neben diesen Schritten sei es aber am wichtigsten, bilanzieren die Autoren der Studie, überhaupt Sensibilität für dieses Thema zu schaffen. Schließlich hatte es nicht mal ein Drittel der angeschriebenen Verbände für nötig gehalten, den Fragebogen für die Studie überhaupt zu beantworten.
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