Durch die von der Regierung geplanten AKW-Laufzeitverlängerungen werden in Deutschland zwischen 4400 und 4800 Tonnen hochradioaktiver Atommüll zusätzlich anfallen. Das zeigen Berechnungen von Greenpeace sowie Daten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).
Damit werden etwa 512 Castoren zusätzlich zu den 215 Castorbehältern gefüllt, die nach rot-grünem Ausstiegsplan von diesem Sommer an ohnehin entstanden wären. Zudem fallen rund 9200 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall zusätzlich an.
Während die Bundesregierung in ihren Energie-Eckpunkten keine Berechnungen dazu anstellt, kalkuliert die Umweltorganisation Greenpeace den zusätzlichen Atommüll auf 2020 Tonnen nach rot-grünem Atomkonsens plus 3325 Tonnen für die ersten acht Jahre Verlängerung für alle 17 Meiler plus 1473 Tonnen für die jüngeren Meiler. Das BfS äußert sich noch nicht zu den Plänen. Legt man jedoch seine Prognosen für Restlaufzeiten bis etwa 2022 zu Grunde, ist mit 4440 zusätzlichen Tonnen strahlendem Schwermetall in abgebrannten Brennelementen zu rechnen. „Es ist unzumutbar, dass die Produktion des hochgiftigen Mülls in diesem Ausmaß erhöht werden soll, obwohl nach Jahrzehnten weltweit keine Lösung für ein Endlager gefunden ist“, sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl der Frankfurter Rundschau.
Die SPD-Obfrau im Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Endlager Gorleben, Ute Vogt, erklärte: „Norbert Röttgen ist ein Zyniker.“ Während er in Interviews betone, man dürfe den Atommüll „nicht einfach unseren Kindern vor die Füße schütten“, wolle die Regierung, „den nachfolgenden Generationen Tausende Tonnen mehr Atommüll vor die Füße schütten“, so Vogt. „Rund 21000 Tonnen wird Deutschland in den nächsten Jahrzehnten irgendwie und irgendwo entsorgen müssen, denn ein Endlager hat dieses Land nicht.“ Für die Regierung sei das Erkundungsbergwerk in Gorleben „das Alibi für geplante Laufzeitverlängerung“, obwohl „der Standort politisch delegitimiert ist“. Wenn der Untersuchungsausschuss beweise, dass der Schacht „nicht auf wissenschaftlicher Basis, sondern allein durch politischen Druck erkundet wurde, ist Gorleben tot. Dann hat die Regierung noch nicht mal ein Erkundungsbergwerk.“
Tatsächlich verlangt das Atomgesetz für die Genehmigung von AKWs einen „Entsorgungsnachweis“. Seit Jahrzehnten wird diese Regelung über den Umweg eines „Vorsorge-Nachweises“ umgangen. So fragte die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl die aktuelle Regierung, wie oft in AKW-Genehmigungen für den Entsorgungsnachweis bereits auf Gorleben verwiesen wurde. Allein zwischen 1977 und 2008 fanden sich mehr als 90 Fälle – darunter 1988 gar die Behauptung, dass „die Eignung des Salzstocks Gorleben als Endlager für alle Arten radioaktiven Abfalls bestätigt“ sei. Man rechne „mit einer Inbetriebnahme des Bundesendlagers Anfang des nächsten Jahrtausends“. In Sicht ist das nicht.
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