Hamburg. Nach der Rehabilitierung des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson steigt der Druck auf Papst Benedikt XVI. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen distanzierte sich am Montag von der Entscheidung des Vatikans und sprach von "schlampiger Arbeit". "Einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, ist immer eine schlechte Entscheidung", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Der Schaden sei groß.
Thissen äußerte offen Kritik am Vorgehen des Vatikans: "Es hätte geklärt werden müssen, was die Meinung Williamsons ist. Es hätte auf jeden Fall besser recherchiert werden müssen", betonte der Erzbischof. Hier sei schlampig gearbeitet worden.
Eigentlich habe der Papst die Kluft zu den Traditionalisten überbrücken wollen, sagte Thissen. "Der Papst hat immer dieses Hauptziel vor Augen: die Einheit. Der Schaden, dass ein Holocaust-Leugner unter den Rehabilitierten ist, ist groß." Es sei "furchtbar", dass das Bemühen des Papstes mit den "unsäglichen Äußerungen des Bischofs Williamson" zusammenfalle.
Thissen ergänzte: "Man hätte sich nicht nur ein Bild machen können, sondern müssen. Ob der Papst direkt oder seine Mitarbeiter, darüber kann man streiten." Über das weitere Vorgehen im Fall der rehabilitierten Holocaust-Leugners sagte der Erzbischof: "Dass in Hinblick auf Williamson nachgearbeitet werden muss, halte ich für sicher." Das Verhältnis zu den Juden und zur Ökumene habe durch die Entscheidung des Papstes "faktisch Schaden erlitten", erklärte Thissen. Das werde der Papst merken. "Das ist ganz klar ein Vertrauensverlust." Wenn er dem Oberhaupt der Katholiken einen Rat geben würde, dann diesen: "Lieber Papst Benedikt, guck, was Du für Mitarbeiter hast, damit Du immer gut beraten bist", sagte Thissen.
"Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung"
Zuvor hatte sich bereits der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, von der Papst-Entscheidung distanziert. Die Einheit der Kirche sei ein hohes Gut, aber nicht mit einer Leugnung grundlegender Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu vereinbaren, hatte er am Sonntag erklärt. Die Vatikan-Entscheidung habe "bei vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung hervorgerufen".
Der Medienbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Lutz Nehk, attestierte dem Vatikan am Montag ein Kommunikationsproblem. "Das Kommunikationsproblem ist ein ganz großes Problem für die Kirche geworden, nämlich ein Glaubwürdigkeitsproblem", sagt Nehk am Montag im Programm von N24. Die vatikanischen Behörden hätten offensichtlich nicht die Informationen eingeholt, die sie hätten einholen müssen. Nun müsse der Papst sagen: "'Das ist nicht die Position der Kirche. Die Kommunikation mit den Juden geht weiter'."
Zentralrat verlangt Stellungnahme des Papstes
Der Zentralrat der Juden hält die katholisch-jüdischen Beziehungen durch die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners und Traditionalistenbischofs Richard Williamson in die Kirche für nachhaltig gestört - und verlangt eine Klarstellung von Papst Benedikt XVI. "Wir sind der Auffassung, dass der Papst konkretisieren muss, was er gesagt hat", sagte Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer dem Sender N24.
Die Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons stelle all das in Frage, was im Vatikan bisher geäußert wurde, "alle Erklärungen, die die Verbindungen zur jüdischen Gemeinschaft verbessert haben", kritisierte Kramer. "Wir stehen jetzt im Prinzip vor einem Scherbenhaufen. Oder wir fragen uns, ob wir vor einem Scherbenhaufen stehen - das muss der Papst klarstellen", verlangte er. (ap/ddp)
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