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Politik
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24. November 2008

Reinhold Messner: "China schadet sich selbst"

Reinhold Messners Reisen haben ihn oft nach Tibet geführt; seither unterstützt er die Tibeter in ihrem Kampf um religiöse und kulturelle Autonomie und kümmert sich um etliche Hilfsprojekte.  Foto: dpa

Der Extrembergsteiger im FR-Interview über mutige Tibeter und die Autorität des Dalai Lama.

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Zur Person

Reinhold Messner, Extrembergsteiger, Abenteurer und Autor, hat als erster Mensch alle 14 Achttausender im Himalaya bestiegen.

Seine Reisen haben ihn oft nach Tibet geführt; seither unterstützt er die Tibeter in ihrem Kampf um religiöse und kulturelle Autonomie und kümmert sich um etliche Hilfsprojekte. Von 1999 bis 2004 vertrat er die italienischen Grünen im Europaparlament.

Herr Messner, versinkt Tibet jetzt in Resignation?

Es ist schon sehr traurig was dort passiert. Die Chinesen wollen nicht mehr verhandeln. Die Regierung überschwemmt Tibet mit Han-Chinesen, die dort angesiedelt werden. China ist noch nicht in der Lage, einen anderen Weg zu gehen, weil es nicht in der Lage ist, auf einem demokratischen Weg seinen Ethnien mehr Autonomie einzuräumen. Aber die Chinesen werden es lernen - sie werden es lernen müssen, mit Hilfe der Weltgemeinschaft.

Wie lange werden die Tibeter auf diese Einsicht der Chinesen warten müssen?

Ich weiß es nicht. Aber es kann lange dauern - vielleicht hundert Jahre. Wir Südtiroler haben die Erfahrung auch gemacht. Wir sind 30 Jahre lang von den Faschisten unterdrückt worden und mussten uns danach wieder aufrichten. Und das waren nur 30 Jahre!

Meine Güte, hundert Jahre?

Wer weiß das schon. China kann auch früher zur Einsicht kommen. Das Land entwickelt sich rasch, möglicherweise setzen sich auch bedingt durch die Wirtschaftsentwicklung demokratische Kräfte durch.

Der Dalai Lama hat sich sein aktives politisches Mandat vom tibetischen Volk bestätigen lassen. Hat er damit seine Autorität beschädigt?


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Überhaupt nicht. Das war ein sehr demokratischer Akt von seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama. Er verdient Anerkennung. Aber der Dalai Lama ist für die Chinesen ein rotes Tuch. Er weiß das, denn er ist ein sehr kluger und erfahrener Mann. Er hat er sich der Unterstützung seines Volk versichert. Und er bleibt das religiöse Oberhaupt der Tibeter.

Er ist inzwischen ein alter Mann. Wird er noch für seine Nachfolge sorgen?

Der neue Dalai Lama wird höchstwahrscheinlich nicht in Tibet gefunden. Damit ihn die Chinesen nicht verschwinden lassen können. Sie wissen ja, was mit dem echten Panchen Lama passiert ist: Er wurde mitsamt seiner Familie von Chinesen entführt.

Welche Autorität wird ein solcher Exil-Dalai Lama genießen?

Jeder Dalai Lama ist tief im Glauben und im Bewusstsein der Tibeter verankert. Das können wir uns im Westen gar nicht vorstellen. Aber er ist für alle Tibeter eine Autorität, selbst wenn er in den USA, in Deutschland oder in Italien lebt.

Wird es keinen Aufruhr in Tibet geben?

Das glaube ich nicht, obwohl die Tibeter sehr mutige Leute sind. Es wird vielleicht einige ungeduldige junge Leute geben, die Anschläge verüben. Das wird China schaden, aber eine wirkliche Autonomie für Tibet nicht bringen.

Wer kann wie helfen?

Alle demokratischen Kräfte der Welt. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mutig eingesetzt. Hoffen wir, dass das auch der neue US-Präsident Barack Obama tun wird. China muss immer wieder hören, dass es so wie jetzt nicht mit seinen Völkern umspringen kann. Denn im Grunde schadet es sich damit selbst. Man hätte den Chinesen die Olympischen Spiele nehmen müssen, um den Tibetern zu helfen, aber dazu waren die Sportfunktionäre leider nicht bereit.

Interview: Katharina Sperber

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