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24. August 2012

Religionsunterricht: Koran für Kinder

 Von Steven Geyer
Mouhanad Khorchide, Religionspädagoge und Schulbuch-Herausgeber.

Erstmals ist die islamische Religionslehre reguläres Schulfach an Grundschulen - noch mangelt es es an Personal und Lehrplänen.

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Der Start, den die rot-grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen gerade stolz verkündet, läuft in der Praxis etwas holprig: Erstmals ist die islamische Religionslehre reguläres Schulfach an Grundschulen, doch der Unterricht beginnt diese Woche erst einmal noch ohne festen Lehrplan, mit zu wenig speziell geschultem Personal und wird nur an 44 der 3 038 Grundschulen des Landes angeboten. Für eins aber ist gesorgt: die neuen Schulbücher. Zu verdanken ist das nicht zuletzt Mouhanad Khorchide. Der Professor, der seit 2010 an der Uni Münster künftige islamische Religionslehrer ausbildet, hat mit anderen Experten und der muslimischen Gemeinde das erste Lehrbuch für bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht entwickelt.

Das brachte drei Herausforderungen mit sich, erzählt der 40-Jährige. Zum einen unterscheidet sich die Islamlehre von bisheriger Islamkunde darin, dass nicht nur über den Islam informiert wird, sondern der Koran selbst gelehrt wird – so wie in christlicher Religionslehre die Bibel. „Aber der Koran ist nicht so leicht in ein Deutsch zu übersetzen, das so junge Schüler verstehen“, sagt er.

Sein Team aus sechs Autoren – Islamkundelehrer und Pädagogen – habe aber sowohl die Koranzitate, als auch die Lehrinhalte sorgfältig und im Austausch mit den muslimischen Verbänden ausgewählt. „Wir wollten, dass die Community das Buch trägt.“ Das tut sie – von freien Übersetzungen wie „Ich danke dir, Gott“ statt „Gelobt sei Gott“ bis zum christlichen Kanon im Buch. „Der Inhalt passte perfekt“, sagt Khorchide. „Wir hatten da keinerlei Berührungsängste.“

Die ersten Reaktionen auf das Buch voller bunter Illustrationen, die den Alltag des kleinen Deutschtürken Bilal und der jungen Deutschägypterin Sarah begleiten, kamen von den Lehrern. „Sie sind begeistert“, sagt Khorchide. Vor allem über die fröhliche Gestaltung und die Nähe zur deutschen Lebenswelt: Auf der Straße laufen muslimische Frauen mit und ohne Kopftuch, die Familienszenen zeigen ein modernes religiöses Leben. So lernte es Khorchide auch selbst kennen: Er wurde als Kind palästinensischer Eltern im Libanon geboren, wuchs aber in Saudi-Arabien auf. Früh fiel ihm der Unterschied auf zwischen der strengen Islamauslegung der Saudis und dem innigen, aber toleranten Verhältnis, das seine Eltern zur Religion hatten. „Sie sind im Libanon aufgewachsen, wo Muslime und Christen miteinander leben“, erzählt er. Sein Vater ging auf eine christliche Schule, sein Onkel heiratete eine Christin, er selbst wurde zum Studieren nach Wien geschickt.

Er wählte Soziologie, später islamische Theologie – und predigte bald auf Deutsch als Wiener Imam. Mit den Studenten in Münster setzt er sich darüber auseinander, was tatsächlich im Koran steht und was Auslegung ist. Einiges davon findet sich auch in den Begleitbüchern für Lehrer zum Schulbuch. Für die Grundschulkinder, sagt er, sei das aber noch zu früh. „Das heben wir uns für Schüler ab der fünften Klasse auf.“

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