Die stufenweise Einführung der Rente mit 67 – offiziell: die Anhebung der Altersgrenze für die Regelaltersrente – beginnt.
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Die stufenweise Einführung der Rente mit 67 – offiziell: die Anhebung der Altersgrenze für die Regelaltersrente – beginnt.
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Zum Start der Rente mit 67 geht CSU-Wendehals Seehofer auf Distanz und fordert plötzlich eine "breite öffentliche Debatte". Auch die SPD dringt auf eine Verschiebung der Reform.
Plötzlich will es niemand gewesen sein. CSU-Chef Horst Seehofer nicht, der pünktlich zum Inkrafttreten eine „breite öffentliche Debatte“ über das Vorhaben fordert. Die SPD nicht, die auf eine Verschiebung dringt. Die Gewerkschaften und die Sozialverbände, die das Projekt von Anfang an bekämpften, schon gar nicht.
Immerhin hält CDU-Kanzlerin Angela Merkel an der Rente mit 67 fest. Jedenfalls im stillen Kämmerlein. In ihrer Neujahrsansprache erwähnte sie den Start der unpopulären Mammutreform am 1. Januar aber mit keinem Wort.
Vor fünf Jahren hatte das noch anders geklungen. Damals lobte sogar der ehemalige SPD-Vizekanzler Franz Müntefering, nun werde „die Kontur einer verlässlichen Alterssicherung“ deutlich.
Bei der Abstimmung im Bundestag stimmte die Große Koalition 2007 fast geschlossen für die Reform: Nur 15 Abgeordnete vom linken SPD-Flügel verweigerten ihre Zustimmung.
Das ändert sich 2012
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Glühbirnen
2009 verschwand die 100-Watt-Glühbirne, 2010 das 75-Watt-Modell, 2011 die 60-Watt-Birne - und vom 1. September 2012 an werden auch 40-Watt-Birnen nicht mehr produziert. Altbestände dürfen noch verkauft werden.
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Effizientere Geräte
Schon seit dem 20. Dezember müssen Fernseher ein EU-Effizienz-Siegel tragen mit den bekannten Klassen von A bis G tragen. Wie absurd das System inzwischen ist, zeigt sich Mitte 2012. Dann dürfen zum Beispiel nur noch Kühlschränke verkauft werden, die 20 Prozent weniger Energie verbrauchen als Effizienzklasse A, die schlechteste Klasse ist dann A+, die beste A+++. Schon lange wird gefordert, die neuen Geräte auf A bis G zu verteilen.
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Solarstrom
Wer sich im neuen Jahr eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach schraubt, bekommt ab 1. Januar weniger Geld für den ins Netz eingespeisten Strom. Die auf 20 Jahre festgeschriebene Vergütung sinkt um 15 Prozent. Mitte des Jahres könnte es noch mal weniger werden – das hängt davon ab, wie viele Solaranlagen hierzulande insgesamt installiert werden.
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Lebensversicherungen
Wer beabsichtigt, eine Lebensversicherung abzuschließen, wird sich 2012 vermutlich ärgern, denn das Finanzministerium senkt den Rechnungszins für Verträge, die ab 2012 geschlossen werden, auf 1,75 Prozent. Bislang müssen Versicherer den Sparanteil mit mindestens 2,25 Prozent verzinsen. Für Altverträge aus den 90er-Jahren gelten zum Teil noch Garantiezinsen von vier Prozent.
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Unisex-Tarife
Egal ob Kranken-, Renten- oder Kfz-Versicherung: Bei Verträgen, die ab dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen werden, dürfen die Beiträge nicht mehr nach Geschlecht differenziert werden. Ob auch Altverträge betroffen sind, ist bisher noch offen.
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Bußgeld
Geldstrafen über 70 Euro werden innerhalb der EU von 2012 verfolgt und eingetrieben. Wer im EU-Ausland sein Auto falsch parkt oder geblitzt wird, bekommt es mit der Justiz zu tun.
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Umweltzonen
Die Feinstaubgrenze von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter darf nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden, was bislang aber in den meisten Städten nur lax kontrolliert wurde. Im kommenden Jahr werden die Innenstädte von Frankfurt, Stuttgart, Osnabrück und Krefeld die Regel verschärfen. Dort dürfen dann nur noch Autos mit einer grünen Umweltplakette fahren. Auch die Umweltzonen in Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe und Ulm werden verschärft.
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Flensburg
Die Punktezähler in Flensburg lockern ihr Regime. Künftig verlieren Verkehrssünder ihre Punkte in Flensburg automatisch nach drei Jahren. Selbst wenn sie innerhalb dieser Frist noch einmal erwischt wurden. Der Führerscheinentzug droht auch in Zukunft allen, die mehrfach durch rüpelhaftes Verhalten auffallen.
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TÜV-Plaketten
Ab April 2012 entfällt die Rückdatierung der TÜV-Plakette, wenn der Fahrzeughalter den Termin der Hauptuntersuchung um mehr als zwei Monate überschreitet. Dafür wird die Hauptuntersuchung teurer und wird anders gestaltet. Im Prüfbericht gibt es zu festgestellten Mängeln nun detailliertere Hinweise als bisher.
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Kinderbetreuungskosten
Für Eltern ergeben sich ab dem 1. Januar 2012 deutliche Erleichterungen bei der steuerlichen Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten. Künftig kann, wer Kinderbetreuungskosten hat, diese einfach als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.
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Kindergeld und Freibeträge
Für die Gewährung von Kindergeld oder Kinderfreibeträgen wird 2012 auf die Einkommensüberprüfung bei volljährigen Kindern verzichtet. Nach der Neufassung durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 wird ein volljähriges Kind bis 25 Jahren unabhängig von seinen eigenen Einkünften und Bezügen berücksichtigt. Nach Abschluss einer erstmaligen Ausbildung oder eines Erststudiums allerdings nur, wenn es keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, die seine Zeit und Kraft überwiegend in Anspruch nehmen.
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Übertragung von Kinderfreibeträgen
Nach bisheriger Rechtslage kann bei geschiedenen oder getrennt lebenden Eltern der Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen werden, wenn der andere seiner Unterhaltspflicht dem Kind gegenüber nicht nachkommt. Von 2012 an wird diese Möglichkeit auch auf Fälle erweitert, in denen der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit gar nicht unterhaltspflichtig ist.
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Kinderschutz
Das neue Bundeskinderschutzgesetz soll helfen, Kinder besser vor Missbrauch und Vernachlässigung zu bewahren – unter anderem durch speziell geschulte Familienhebammen. Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Daneben sollen verbindliche Standards für die Kinder- und Jugendhilfe Pflicht werden.
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Rente
Die Rente mit 67 gibt es erst ab 2029. Im kommenden Jahr erfolgt aber der erste Schritt dahin: Das Rentenalter wird um einen Monat verlängert. In den kommenden Jahren verlängert sich die Arbeitszeit um jeweils einen weiteren Monat. Wer heute 47 Jahre und jünger ist, wird bis zum 67. Lebensjahr arbeiten müssen, um die volle gesetzliche Rente zu bekommen.
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Riester-Rente:
Riester-Rentenverträge, die ab Januar abgeschlossen werden, dürfen als Auszahlungsbeginn frühestens das 62. Lebensjahr vorsehen (bisher 60. Lebensjahr). Man kann zwar weiterhin mit einem früheren Auszahlungsbeginn "riestern" - Allerdings zahlt der Staat dann nichts drauf. (Im Bild: Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester, SPD)
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Hartz IV
Die Lohn- und Preisentwicklung lässt Regelsätze steigen: Alleinstehende bekommen ab 1. Januar 374 Euro – ein Plus von zehn Euro. Wer mit seinem Partner zusammenlebt, bekommt neun Euro mehr, also 337 Euro.
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Mindestlohn
2012 ist auch die Einführung eines Mindestlohns für Zeitarbeitsfirmen geplant. Er wird im Osten bei 7,01 Euro pro Stunde und im Westen bei 7,89 Euro liegen.
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Arbeitnehmerfreizügigkeit:
Bulgaren und Rumänen erhalten eine Arbeitserlaubnis für Deutschland, wenn sie einen Hochschulabschluss haben oder für eine Berufsausbildung ins Land kommen. Auch Erntehelfer aus diesen beiden Ländern dürfen jobben, wenn sie zu den in Deutschland geltenden Bedingungen eingestellt werden.
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Pflegezeit
Arbeitnehmer können sich künftig zwei Jahre lang um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Sie können ihre Arbeitszeit in dieser Phase um die Hälfte reduzieren, erhalten aber weiterhin 75 Prozent ihres Gehalts. Zum Ausgleich müssen sie nach Ablauf der Pflegezeit wieder voll arbeiten, erhalten aber ebenfalls nur drei Viertel ihres Gehalts – so lange bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist. Eine gesetzliche Verpflichtung hierzu besteht für den Arbeitgeber nicht.
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Krankenversicherung
Zahnersatz wird teurer: Kassenpatienten müssen für Kronen, Brücken und Prothesen mehr bezahlen. Grund ist, dass die Krankenkassen nur die Kosten für die sogenannte Regelversorgung übernehmen. Der Aufschlag gegenüber den bisherigen Gebühren beträgt nach Angaben des Gesundheitsministeriums durchschnittlich sechs Prozent. Andere Schätzungen gehen aber von bis zu 20 Prozent aus.
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Kfz-Steuer
Ab Januar ist ein neuer CO2--Grenzwert entscheidend. Steuerfrei ist dann nur noch ein Kohlendioxid-Ausstoß bis 110 Gramm pro Kilometer. Für jedes Gramm darüber werden zwei Euro fällig. Für Autos, die bis Ende Dezember zugelassen werden, gilt noch ein steuerfreier CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer.
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Energielieferanten
Ab dem 1. April darf ein Strom- und Gasanbieterwechsel höchstens drei Wochen dauern. Ab Februar müssen die Kunden darüber hinaus auch besser informiert werden. In Rechnungen soll vermerkt werden, zu welchen Terminen man kündigen kann, sowie die Telefonnummer der Schlichtungsstelle Energie.
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Linkspartei in der Krise
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"Für 90 Prozent der Beschäftigten eine Kürzung"
Jedes Jahr ein Monat mehr
Jetzt geht’s los: Die stufenweise Einführung der Rente mit 67 – offiziell: die Anhebung der Altersgrenze für die Regelaltersrente – beginnt in diesem Monat. Der Geburtsjahrgang 1947 ist als erster betroffen. Wer im Januar 1947 geboren ist und den vollen Rentensatz beziehen möchte, muss bis zum Februar 2012 arbeiten. Die folgenden Geburtsjahrgänge müssen jeweils noch einen Monat länger arbeiten, der Jahrgang 1958 erhält erst bei einer Verrentung mit 66 Jahren den vollen Satz. Die folgenden Jahrgänge müssen je zwei Monate länger ran. Der besonders geburtenstarke Jahrgang 1964 ist der erste, der erst mit 67 die volle Rente kriegt.
Früher raus, weniger rein: Arbeitnehmer, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, müssen Abschläge in Kauf nehmen. So bekommt ein 1950 geborener Mann rund 8,4 Prozent weniger Rente, wenn er mit 63 Jahren aufhören will. Sonderregeln gelten für Arbeitnehmer, die vor 2007 – also vor der Einführung der Rente mit 67 – Altersteilzeit vereinbart haben. Seine individuelle Rentenhöhe kann man sich auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen lassen (www.deutsche-rentenversicherung-bund.de).
Wunsch und Wirklichkeit: Im europäischen Vergleich ist die deutsche Regelung besonders weitgehend. Nur Großbritannien, Irland und Spanien haben bislang beschlossen, das Rentenalter auf über 65 Jahre anzuheben. Besonders niedrig liegt es mit 60 Jahren in Frankreich. Allerdings bietet sich ein anderes Bild, wenn man das tatsächliche Renteneintrittsalter betrachtet. Hier liegt Deutschland mit gut 62 Jahren im europäischen Mittelfeld. Besonders hoch liegt es mit 65,7 Jahren in Schweden Dort gibt es ein flexibles Modell: Arbeitnehmer haben ab einem Alter von 61 Jahren Recht auf Pension, können aber auch arbeiten, bis sie 67 sind.
Der Abschied vom bisherigen Pensionsalter 65 erfolgt über eine lange Zeit stufenweise: In einem ersten Schritt müssen die Angehörigen des Geburtsjahrgangs 1947 einen Monat länger arbeiten, bevor sie 2012 ohne Abschläge in Rente gehen können. Die Gegner der Reform haben stets argumentiert, tatsächlich gebe es für ältere Beschäftigte keine Jobs.
Also lehnen Gewerkschaften, Linkspartei und Sozialverbände die Anhebung des Ruhestandsalters rundweg ab. „Für 90 Prozent der Beschäftigten ist dies nichts anderes als eine brutale Rentenkürzung“, wettert Linken-Chef Klaus Ernst.
So radikal gibt sich die SPD nicht. Doch haben sich auch die Sozialdemokraten auf der Oppositionsbank von Münteferings Ansatz entfernt. Sie fordern nun eine Aussetzung der Reform, bis die Hälfte der 60- bis 64- Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht. Tatsächlich ist der Anteil zuletzt stark gestiegen. Trotzdem liegt er nur bei 26,4 Prozent.
Die von der SPD geforderte Marke wird kaum in der Gesamtbevölkerung erreicht. Damit beerdigen die Genossen das Vorhaben auf absehbare Zeit – ein Ausweg, den offenbar auch CSU-Mann Seehofer sympathisch findet.
„Das ist Sozialpopulismus“
Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere reichten nicht aus, moniert er nun in der Bild am Sonntag: „Wenn sich das nicht ändert, werden wir über diese Frage eine breite öffentliche Debatte führen müssen. Mit mir ist eine massenhafte Rentenkürzung nicht zu machen.“
Dem halten die Anhänger der Rente mit 67 die demografische Veränderung entgegen. „Die Älteren bleiben auch länger jung“, sagt Münteferings Nachfolgerin Ursula von der Leyen (CDU): Da sei es schlicht „eine Frage der Gerechtigkeit“, dass sie auch etwas länger in die Sozialsysteme einzahlen. Zudem erwarten Experten, dass sich die Beschäftigungschancen der Senioren mit dem Einzug der geburtenschwachen Jahrgänge bald verbessern werden.
Einem Vertreter der jungen Generation in der Union, dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn, platzte nach Seehofers Äußerungen denn auch der Kragen. „Das Infragestellen der Rente mit 67 ist ständig wiederkehrender Sozialpopulismus“, wettert er und warnt, die bürgerliche Koalition solle nicht „eine der größten Errungenschaften der großen Koalition in Frage stellen“.