Beim Atomausstieg von Union und FDP gibt es einer Berechnung des Öko-Instituts zufolge jede Menge Fallstricke. Wegen der weiterhin möglichen Übertragung von Reststrommengen von stillgelegten auf noch laufende Meiler werde die Betriebszeit letztlich um knapp 60 Prozent über den im rot-grünen Ausstieg vereinbarten Restlaufzeiten liegen.
«Im Ergebnis müssten in 2020/2021 innerhalb von nur 12 Monaten fast alle länger betriebenen Anlagen - mit einer Leistung von 10.800 MW - vom Netz gehen», heißt es in der Studie, die der dpa vorliegt. «Dies würde mit hoher Wahrscheinlichkeit erhebliche energiewirtschaftliche und netztechnische Probleme mit sich bringen und das endgültige Ausstiegsdatum 2021 gefährden», heißt es in der Studie. Das gelte insbesondere für den süddeutschen Raum. Der Grund liegt in der Übertragung von Strommengen, die noch produziert werden dürfen, von den acht abgeschalteten Anlagen auf die neun verbleibenden AKW. Diese Strommengen werden dann bei den neun Atommeilern wie eine Bugwelle vor sich hergeschoben. Nach Angaben der Organisation lässt sich das verhindern, indem die Reststrommengen um mindestens 35 Prozent gekürzt werden. Die Gesamtlaufzeit jedes Kernkraftwerkes solle zudem um zwei auf 30 Jahre verringert werden.
Die Grünen fordern, dass auf die Reststrommengen-Übertragung von abgeschalteten auf noch laufende Meiler verzichtet wird. Im Atomgesetz von Rot-Grün war 2002 - basierend auf der Konsens- Vereinbarung mit den Konzernen von 2001 - festgelegt worden, dass die Meiler Stück für Stück und nicht geballt zum Ende vom Netz gehen, um Gefahren für Netz und die Versorgung zu minimieren.
Der weltgrößte Erdölexporteur Saudi-Arabien plant bis 2030 den Bau von 16 Kernkraftwerken. Insgesamt sollten 100 Milliarden Dollar investiert werden, sagte Abdul Ghani bin Melaibari vom staatlichen Energiezentrum Kacare der Zeitung „Arab News“. Die ersten beiden AKW würden in zehn Jahren fertiggestellt, erklärte er. Danach würden pro Jahr zwei weitere Reaktoren gebaut. Das Königreich wolle ein Fünftel seines Strombedarfs mit Hilfe der Kernenergie decken. Schätzungen zufolge wird der Energiebedarf Saudi-Arabiens in den kommenden zehn Jahren um bis zu acht Prozent steigen. (rtr)
Die Italiener können mit einer Volksabstimmung über den geplanten Wiedereinstieg Italiens in die Kernenergie entscheiden. Das Kassationsgericht in Rom hat am Mittwoch den Antrag der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi verworfen, das für den 12. und 13. Juni angesetzte Referendum zu kippen. Berlusconis Kabinett hatte nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima Mitte April seine Pläne für einen Wiedereinstieg in die Kernenergie vorläufig auf Eis gelegt. Italien war 1987 per Referendum aus der Kernenergie ausgestiegen. Berlusconi hatte 2009 im Parlament die gesetzliche Basis für einen Wiedereinstieg gelegt. 2013 hätte mit dem Bau des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) des französischen Anbieters Areva begonnen werden sollen. (dpa)
Japan hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge die Gefahr eines Tsunamis für das AKW von Fukushima unterschätzt. In einem dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan vorgelegten IAEA-Bericht hieß es, das Tsunami-Risiko sei nicht nur für Fukushima, sondern auch für andere Atomanlagen falsch eingeschätzt worden. Fukushima war nach dem schweren Erdbeben Anfang März von einer rund 14 Meter hohen Flutwelle überrollt worden. Gesichert war die Anlage mit einer Schutzanlage in Höhe von 5,70 Metern. Experten der Regierung und Wissenschaftler des Betreibers Tepco hatten schon im Vorfeld davor gewarnt, dass dies nicht ausreichen könnte. Das AKW konnte bis heute noch nicht wieder völlig unter Kontrolle gebracht werden. Die IAEA bestätigte in ihrem vorläufigen Fazit vorherige Annahmen, dass der Tsunami als Hauptursache für die Atomkatastrophe gesehen werden müsse. Dem Erdbeben hätten die Reaktoren von Fukushima noch weitgehend standgehalten, hieß es. (rtr)
Zudem birgt die ganze Konstruktion hohe rechtliche Risiken. Denn die Konzerne könnten dagegen klagen, wenn sechs Meiler bis 2021 und drei bis Ende 2022 abgeschaltet werden und eventuell diese noch über zu produzierende Strommengen verfügen.
Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF kritisieren wie auch die Grünen die Abschaltwelle erst ganz zum Schluss scharf. Der WWF forderte die Regierung auf, die neun verbliebenen Kernkraftwerke stufenweise vom Netz zu nehmen, um Probleme zu vermeiden. Tobias Münchmeyer von Greenpeace betonte: «Das, was Merkel als historisches Projekt präsentiert, entpuppt sich als Mogelpackung. Die schwarz-gelben Pläne liegen deutlich hinter dem rot-grünen Atomausstieg.» Merkel ignoriere die Empfehlungen der von ihr eingesetzten Ethikkommission zum Atomausstieg, die sich für eine schrittweise Abschaltung ausgesprochen hatte. (dpa/dapd)
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