Die UN-Menschenrechtskommission beauftragte Anfang des Jahres ausgerechnet den jüdischen Juristen Richard Goldstone, 70, aus Südafrika damit, der Frage nachzugehen, ob die israelische Armee (und die Hamas) während des Gaza-Kriegs zur Jahreswende Kriegsverbrechen begangen hatten. Sein Bericht, der mit Israel scharf ins Gericht geht, wird am heutigen Mittwoch im UN-Sicherheitsrat debattiert.
Mit schwierigen Aufgaben kennt sich Goldstone aus. Vor 15 Jahren baten ihn die UN , als Chefankläger für das Ex-Jugoslawien-Tribunal zu amtieren. In seiner Heimat hatte der Richter, der in Boksburg bei Johannesburg geboren wurde, 1981 erstmals für Aufsehen gesorgt.
Im Fall einer indischen Südafrikanerin, die gegen ihre im Rahmen der Rassentrennung angeordnete Zwangsumsiedlung vor Gericht gezogen war, urteilte Goldstone: Wenn man die Frau zum Umzug zwänge, müsse man ihr zumindest eine entsprechende Alternative bieten. Damit brachte er eine Säule des Rassistenstaats zum Einsturz; nach dem Urteil war Schluss mit den Zwangsumsiedlungen.
Die größte Herausforderung für den Juristen kam, als ihn Staatspräsident Frederik Willem de Klerk 1991 zum Chef einer "Kommission zur Untersuchung öffentlicher Gewalt und Einschüchterung" berief. Politisch motivierte Gewalttaten und Umtriebe der Sicherheitskräfte drohten damals die Verhandlungen zwischen der weißen Minderheitsregierung und dem ANC zu Fall zu bringen.
Der in seinem Auftreten wenig charismatische, oft unverständlich murmelnde Richter bestätigte zum Schrecken de Klerks, dass Teile der Sicherheitskräfte Massaker vorbereitet hatten, kritisierte aber auch den ANC für dessen Gewaltbereitschaft. Ein ANC-Sprecher nannte Goldstone trotzdem "einen rechtschaffenen Mann"; de Klerk beschrieb ihn als "furchtlosen, zähen, liberalen Richter". Für viele Weiße blieb er aber ein Verräter "weißer" Interessen.
Mit einem ähnlich gelagerten Vorwurf sieht sich der mit 15 Ehrendoktoren ausgezeichnete Jurist jetzt wieder konfrontiert. Konservative israelische Kreise werfen ihm vor, mit seiner Kritik an der israelischen Armee das eigene Nest beschmutzt zu haben. Er sei die Personifizierung des "jüdischen Selbsthasses".
Goldstone hatte gedacht, dass die Juden durch die "schreckliche Erfahrung" ihrer Geschichte für die Verletzungen von Menschenrechten besonders empfindsam seien; so war es ihm im Apartheidstaat selber ergangen, in dem er seine Lebensphilosophie entwickelte: "Meiner Erfahrung nach gibt es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Nur wenn die Opfer wahrgenommen werden, ist Frieden zu finden."
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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