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Rick Warren: Ein evangelikaler Pastor, den auch Linke lieben können

Rick Warren, der bei Obamas Amtseinführung ein Bittgebet spricht, hält nichts vom Sektierertum der christlichen Rechten

Rick Warren ruft in seinen Predigten auch zum Kampf gegen Armut und Klimawandel auf.
Rick Warren ruft in seinen Predigten auch zum Kampf gegen Armut und Klimawandel auf.
Foto: ap

Washington. Als Barack Obama im Dezember den prominenten Evangelikalen Rick Warren bat, bei seiner Amtseinführung vor dem Kapitol die "Invocation" zu sprechen, ein Bittgebet, sorgte das umgehend für Ärger. Befürworter der Homo-Ehe und Frauenrechtlerinnen fühlten sich brüskiert.

Warren hat Abtreibungen indirekt mit dem Holocaust verglichen, er hält gleichgeschlechtliche Beziehungen für unmoralisch, die Evolutionslehre für Unsinn und prophezeit allen, die ihr Leben nicht Jesus Christus verschreiben, ein elendes Ende in der Hölle. Unter dem "wiedergeborenen Christen" George W. Bush hatte die christliche Rechte großen politischen Einfluss. Mit Obama sollte der Spuk ein Ende haben. Warum also gibt der künftige Präsident nun einem wie Warren eine prominente Rolle beim Amtswechsel im Weißen Haus?

Eine Antwort liegt in der vielschichtigen Persönlichkeit des Rick Warren. Denn der zählt nicht nur zu den einflussreichsten Pastoren in den USA. Die Saddleback Church, die Warren 1980 im kalifornischen Lake Forest gegründet hat, ist eine der größten "Megakirchen" des Landes. Rund 25 000 Menschen kommen jeden Sonntag zum Gottesdienst. Bekannt ist Warren indes vor allem als Autor des Bestsellers "The Purpose-Driven Life", eines religiösen Ratgebers, von dem 30 Millionen Exemplare verkauft wurden.

Dass er ein so breites Publikum erreicht, liegt auch daran, dass er nichts von der Kampfrhetorik und dem Sektierertum der christlichen Rechten hält. Mit der mag Warren viele Überzeugungen teilen. Doch wo andere eifern, predigt der 54-jährige Baptist Respekt auch für andere Meinungen. Den Demokraten Obama hatte er schon 2006 in seine Kirche eingeladen, zu einer Veranstaltung über Aids. In der evangelikalen Bewegung zählt Warren zu jenen, die sich über die klassischen Themen Abtreibung und Homosexualität hinaus engagieren wollen: "Mir geht es nicht nur darum, dass das kleine Mädchen geboren wird, sondern auch darum, wie es aufwächst. Lebt es in Armut? Ist es krank, weil seine Mutter Aids hat?" Warren hält Klimawandel, Armut, Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ebenso für christliche Themen.

Umweltschützer und Dritte-Welt-Aktivisten in den USA sehen diese vorsichtige Öffnung der Agenda mit Freude. Der Kolumnist Nicholas Kristof nannte Warren einen "Evangelikalen, den auch Linke lieben können". Warren selbst freilich weist auf ein häufiges Missverständnis hin: Niemand sollte die joviale Art mit Kompromissbereitschaft verwechseln, etwa in Sachen Abtreibung oder Homosexualität.

Den künftigen Präsidenten, der in beiden Fragen andere Überzeugungen vertritt, nennt Warren einen "Freund und Patrioten". Mit ihrer öffentlich zelebrierten Freundschaft wollen beide ein Signal gegen altes Lagerdenken setzen. Dass auch Obama sich nicht so leicht vereinnahmen lässt, hat er inzwischen klar gestellt: Zu den Inaugurations-Feiern lud er auch Gene Robinson ein, den ersten offen homosexuellen Bischof der episkopalischen Kirche der USA. Und zum ersten Mal wird eine Frau das Abschlussgebet sprechen: die Pastorin Sharon Watson.

Autor:  DIETMAR OSTERMANN
Datum:  20 | 1 | 2009
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