kalaydo.de Anzeigen

Vorkasse-Tarifen: Rösler will Vorkasse

Der Gesundheitsminister Philipp Rösler hofft auf geringere Kosten, wenn Patienten den Arzt zunächst selber bezahlen müssen. Die entsprechende Regelung soll schneller als geplant umgesetzt werden.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler stellt sich Journalisten.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler stellt sich Journalisten.
Foto: dpa
Berlin –  

Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgerufene „Herbst der Entscheidungen“ wird sich auch in der Gesundheitspolitik niederschlagen. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kündigte am Mittwoch an, seine Pläne für die Ausweitung von Vorkasse-Tarifen in der gesetzlichen Krankenversicherung schneller als geplant umzusetzen. Die Änderungen sollen möglichst noch in die Finanzreform eingearbeitet werden, die bereits im Bundestag beraten wird und zum 1. Januar 2011 in Kraft tritt.

Bei den Vorkasse-Tarifen – auch Kostenerstattung genannt – erhalten Patienten beim Arzt oder in der Apotheke eine Rechnung, die sie zunächst selbst bezahlen. Dann reichen sie sie bei der Kasse ein, die den Betrag erstattet. Das ist das gängige Prinzip in der privaten Krankenversicherung. Auch bei den gesetzlichen Kassen gibt es bereits Tarife mit Kostenerstattung. Allerdings nutzen nur 0,2 Prozent der Versicherten diese Möglichkeit, weil es erhebliche Beschränkungen gibt: So müssen sich die Versicherten für drei Jahre an einen derartigen Tarif binden. Außerdem ziehen die Kassen bis zu zehn Prozent des Rechnungsbetrags für den erhöhten Verwaltungsaufwand ab.

„Das war eine bewusste politische Entscheidung, die unter SPD-Ägide getroffen wurde, um Erstattungstarife möglichst unattraktiv zu machen. Diese Nachteile wollen wir beseitigen“, sagte Rösler der Financial Times Deutschland. Er will die Bindungsfrist abschaffen und sieht zudem vor, dass die Kassen künftig den vollen Betrag erstatten müssen, also ohne Abzug von Verwaltungskosten. Vorkasse-Tarife sollen aber freiwillig bleiben.

Das Prinzip der Kostenerstattung ist stark umstritten. Die Opposition argumentiert, Geringverdiener hätten gar nicht die Mittel, um Rechnungen vorab zu bezahlen. Sie würden mit Blick auf die Kosten davon abgehalten, rechtzeitig zum Arzt zu gehen.

Anhänger des Verfahrens erhoffen sich gerade ein höheres Kostenbewusstsein der Patienten sowie mehr Transparenz. Sie plädieren gleichzeitig für Tarife, bei denen Beiträge zurückerstattet werden, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen wurden. Solche Tarife lassen sich sinnvoll nur mit der Kostenerstattung kombinieren.

Gesetzliche sind dagegen

Die gesetzlichen Kassen sind strikt gegen eine Abkehr vom heute praktizierten Sachleistungsprinzip. Sie befürchten, dass ihre Instrumente der Kostensteuerung sonst ins Leere laufen. Die setzen zum Beispiel bei den Arzthonoraren an. Wenn Versicherte den Arzt zunächst selbst bezahlen, entfällt diese Steuerungsmöglichkeit. Außerdem machen die Kassen geltend, dass es mehr kostet, einzelne Rechnungen zu erstatten.

Rösler betrachtet die Vorkasse-Tarife nicht nur als Mittel zur Kostensenkung. Er verfolgt vielmehr das Ziel, gesetzliche und private Versicherungen einander anzunähern. „Wo sich die Menschen versichern, bei welchem Unternehmen, mit welcher Rechtsform und zu welchen Konditionen, sollte auf lange Sicht Sache des Versicherten sein, der selbst weiß, was die beste Wahl für ihn ist“, sagte er. Das sei allerdings nicht einmal unter Schwarz-Gelb in dieser Legislaturperiode umsetzbar.

Ziel bleibe für ihn aber das FDP-Modell aus dem Wahlkampf 2009: „Die reine Lehre der FDP sieht so aus, dass wir die heutige Versicherungspflicht abschaffen und jeden Menschen verpflichten, sich zu einem Basisschutz bei egal welchem Versicherungsunternehmen zu versichern.“

Autor:  Timot Szent-Ivanyi
Datum:  29 | 9 | 2010
Kommentare:  45
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!