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19. Januar 2016

Rote Armee Fraktion : Rätselhafte RAF-Spuren

Im Tatfahrzeug sichergestellte DNA-Spuren passen zu den drei seit Jahrzehnten untergetauchten Ex-RAF-Terroristen Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg.  Foto: dpa

Nach Jahrzehnten im Untergrund hinterlassen drei gesuchte Terroristen der linksextremen "Rote-Armee-Fraktion" frische Spuren hinterlassen. Sie sollen im Juni schwer bewaffnet einen Geldtransporter in Niedersachsen überfallen haben.

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Die Meldung des NDR kam wie der Blitz aus heiterem Himmel: „Spuren nach Raubüberfall bei Bremen weisen zur RAF.“ Bald sickerten Namen durch. Demnach sollen die seit Jahrzehnten flüchtigen Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg am 6. Juni vorigen Jahres auf dem Parkplatz eines Verbrauchermarkts in Stuhr nahe Bremen auf einen Geldtransporter geschossen haben. Erbeutet wurde allerdings nichts, da sie die Tür des Transporters nicht öffnen konnten. Die Staatsanwaltschaft Verden ließ später verlauten, vermutlich seien die drei Ende 2015 auch Urheber eines Überfalls auf einen Geldtransporter in Wolfsburg gewesen.

Was hat das zu bedeuten? Der RAF-Experte Butz Peters sagt: „Dass jetzt eine vierte Generation losmarschieren will, glaube ich nicht.“ Eher handele es sich um „so eine Art Altersvorsorge“. Die drei Flüchtigen der Jahrgänge 1958, 1957 und 1968 bräuchten Geld für ihr weiteres Leben in der Illegalität. Klette, Staub und Garweg sind unter den RAF-Terroristen jedenfalls, nach allem was bekannt ist, weniger bedeutend. Morde werden ihnen nicht zur Last gelegt.

Auch die Staatsanwaltschaft ist sich relativ sicher: „Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat vom 06.06.2015 gibt es bislang nicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Tat allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte.“

Die Rote Armee Fraktion ging Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre aus den militanten Teilen der 68er-Bewegung hervor. Die bekanntesten Namen waren Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Als Anführer der sogenannten dritten Generation, die für mehrere Morde in den 1980er Jahren verantwortlich gemacht wird, gelten Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams. Letzterer wurde 1993 auf dem Bahnhof der mecklenburgischen Stadt Bad Kleinen bei dem Versuch, ihn zu verhaften, erschossen. Bei Hogefeld gelang die Festnahme. Sie wurde verurteilt und kam 2011 frei. Klette und Staub hatten zu beiden Kontakt.

Die undatierten Handouts des BKA zeigen die gesuchten Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Wilhelm Staub. Foto: BKA

Klette wird verdächtigt, 1991 auf die Bonner US-Botschaft geschossen zu haben – mit 250 Projektilen über den Rhein hinweg. Damals fand man von ihr ein Haar im Fluchtwagen. Gemeinsam mit Staub, mit dem sie zumindest zeitweilig auch privat liiert gewesen sein soll, und Garweg verübte Klette dann 1993 offenbar einen Sprengstoffanschlag auf die neue Justizvollzugsanstalt im hessischen Weiterstadt.

Altersvorsorge, Teil eins

Dies war eine Reaktion auf Prozesse gegen RAF-Mitglieder aus der einstigen DDR. Überdies stehe der „Abschiebeknast“, und das klingt hochaktuell, „für die rassistische staatliche Flüchtlingspolitik“, hieß es. 1993 wurde das Asylrecht verschärft. Schließlich sollen die drei 1999 in Duisburg einen Geldtransporter attackiert und dabei eine Million D-Mark erbeutet haben – Altersvorsorge Teil eins, sozusagen. Das Vorgehen ähnelte dem in Stuhr und Wolfsburg. Dabei gehören Raubüberfälle seit jeher zum Rüstzeug von Terroristen, um das eigene materielle Überleben zu sichern. Auch der rechtsextreme „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) beging 15 solcher Taten.

Klette, Staub und Garweg sind seit über 20 Jahren untergetaucht, was den Ermittlungsbehörden nicht zur Ehre gereicht. Und es gibt von ihnen keine heiße Spur.

Wie sie das gemacht haben, ist auch dem RAF-Experten Peters schleierhaft. „Das ist ein riesengroßes Rätsel“, sagt er, „praktisch das größte Rätsel, das die dritte Generation der RAF hinterlassen hat.“ Von den RAF-Mitgliedern, die 1984 in den Untergrund gegangen sind und 1998 ihre Auflösung erklärt haben, habe man praktisch überhaupt nichts gefunden, so der Autor weiter. „Keine konspirative Wohnung, ganz, ganz wenige Autos nur – also man weiß nicht, wie diese dritte Generation gelebt hat.“ (dpa/afp/mdc)

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