Er hat es getan, weil er genau so dachte wie die höchsten Führer der Roten Khmer, weil er dazugehören wollte und weil es sein Leben angenehm machte!" Mit diesen harten Worten schloss am Montag in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh der Rechtsanwalt Karim Khan stellvertretend für einen Teil der 1,7 Millionen Opfer des Pol-Pot-Regimes sein Abschlussplädoyer gegen den 67-jährigen Kaing Guek Eav. Neun Monate, nachdem der erste Kriegsverbrecherprozess seit dem Ende der Roten Khmer nach vielen Verzögerungen startete, hörte Duch, wie der Angeklagte genannt wird, regungslos zu.
Der frühere Chef des Gefängnisses S-21 in einer ehemaligen Schule in Phnom Penh übernahm während seiner Vernehmung die Verantwortung für den Tod von rund 15000 Gefangenen in dem Zuchthaus. Er bestritt aber, jemals selbst zum Knüppel gegriffen zu haben, um Verhaftete zu "zerschmettern". Dieses Wort tauchte immer wieder auf, wenn Duch von den brutalen Hinrichtungsmethoden berichtete. Ganze sieben Gefangene überlebten die Schreckensherrschaft des früheren Lehrers, der als akribischer Bürokrat sorgfältig Buch über eingelieferte Gefangene und ihren Tod führte. "Er hat versucht, seine Rolle zu verniedlichen", warf Karim Khan Duch vor, "aber da sitzt kein Schindler." Der französische Rechtsanwalt, der ebenfalls die Nebenklage vertrat, wandte sich direkt an Duch. "Schauen Sie die Männer und Frauen an, deren Partner und Kinder sie zerschmettern wollten. Menschenleben kann man nicht zerschmettern!"
Das Tribunal setzt sich aus internationalen Richtern der Vereinten Nationen und lokalen kambodschanischen Juristen zusammen. Es wirft Duch "Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Sklaverei, Folter, sexuellen Missbrauch und andere inhumane Vergehen" vor. Neben Duch sitzen vier weitere ehemalige hohe Funktionäre in einem eigens errichteten Gefängnis der UN in Phnom Penh, darunter auch der frühere "Bruder Nummer Zwei" Nuon Chea, einst Stellvertreter des Ende der 90er Jahre verstorbenen Junta-Chefs Pol Pot. Dessen Rote Khmer hatten in den Jahren 1975 bis 1979 rund ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung mit Zwangsarbeit in den Tod getrieben oder schlicht verhungern lassen.
Urteil erst im März
Heute soll es noch rund fünf Millionen Überlebende geben. "Duch verdient das Todesurteil", sagte eine von ihnen, die 75-jährige Soy, die während der Schreckensherrschaft ihren Ehemann und ihre Kinder verlor. Duch droht die lebenslange Höchststrafe. Am Freitag, nach dem Plädoyer der zivilen Nebenkläger und der Anklage, hat er die Gelegenheit zu einer letzten Stellungnahme. Das Urteil wird erst im März erwartet.
Bislang ist unklar, wie es dann weitergeht. Das Gericht, das bislang rund 70 Millionen US-Dollar an internationaler Finanzierung verbrauchte, beantragte für 2010 weitere 140 Millionen, um Verfahren gegen Nuon Chea, den früheren Präsidenten Kieu Samphan, Ex-Außenminister Ieng Sary sowie seine Ehefrau Khieu Tirith eröffnen zu können. Kambodschas Regierung blockiert bislang die Anklage gegen sechs weitere Beschuldigte und will die Verfahren auf die insgesamt fünf Inhaftierten beschränken.
Kritiker bemängeln, dass die Richter die Verantwortung der USA und Chinas an dem Völkermord ausblenden. Beide Staaten hatten das Pol-Pot-Regime gegen das missliebige Vietnam unterstützt. Truppen Hanois waren 1979 in Kambodscha einmarschiert und hatte die Roten Khmer aus Phnom Penh vertrieben. Deren Kämpfer wurden in die Armee Kambodschas eingegliedert.
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