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Russischer Botschafter: Leichte Verstimmung

Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenev, kritisiert die deutschen Medien und deutsche Politiker scharf.

Berlin. Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenev, hat die deutschen Medien und deutsche Politiker scharf kritisiert. Zu Beginn der Kaukasus-Krise sei in den deutschen Medien "antirussische Stimmungsmache" zu beobachten gewesen, sagte er der Frankfurter Rundschau. Kotenev zeigte sich befremdet darüber, "auch wenn wir wussten, dass Generalverdacht gegen unser Land hier eine Tradition ist". Das habe leider auch einige Politiker angesteckt.

Zugleich warb Kotenev vor den 10. deutsch-russischen Regierungskonsultationen in St. Petersburg an diesem Donnerstag für umfassende Zusammenarbeit im Rahmen einer strategischen Partnerschaft. "Es ist ein gefährlicher Trugschluss, wenn man glaubt, globale Herausforderungen, mit denen sowohl Russland als auch Deutschland und die Europäische Union im Allgemeinen konfrontiert sind, seien besser gegeneinander als miteinander zu meistern", sagte der Botschafter.

"Als zwei bevölkerungsreichste Nationen in Europa mit der besonderen Verantwortung für die Zukunft des Kontinents sind wir zu einer solchen Partnerschaft gerade zu prädestiniert." Kotenev verwies darauf, dass laut den jüngsten Meinungsumfragen 51 Prozent der Russen besonders enge Beziehungen zu Deutschland wünschten. Die Aussöhnung sei ein kostbares Gut, das nicht leichtfertig geopfert werden dürfe, sagte der Botschafter.

Die Wirtschaft sei "zu einer Art Motor unserer Beziehungen geworden". Die Bundesrepublik sei längst Russlands wichtigster Handelspartner. Russland werde umgekehrt für den deutschen Außenhandel immer wichtiger. "Unsere Volkswirtschaften können einander wunderbar ergänzen." Auch während der Kaukasus-Krise habe die wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht nachgelassen. "Ich unterhalte Kontakte zu vielen deutschen Unternehmern und mir ist keiner bekannt, der ein bisher geplantes Vorhaben in Russland einzustellen oder seine Investitionen zurückzuziehen gedenkt."

Mit Blick auf Verzögerungen beim Bau der Ostsee-Pipeline für Gas sagte Kotenev: "Alle Analysen belegen, dass der Bedarf an Erdgas in der EU in den kommenden Jahrzehnten zunehmen wird. Da ist die Schaffung von zusätzlichen Versorgungsrouten gerade für EU-Europäer das Gebot der Stunde." Wer das Vorhaben torpedieren wolle, unter welchem Vorwand auch immer, "der möchte vor allem der europäischen Wirtschaft schaden".

Autor:  SIBYLLE QUENETT
Datum:  2 | 10 | 2008
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