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27. Februar 2016

Russland: Gedenken an Kreml-Kritiker Nemzow

Gedenken an Boris Nemzow.  Foto: dpa

Russlands Opposition erinnert an ihren erschossenen Anführer Boris Nemzow. Doch der Trauermarsch zum Jahrestag ist auch ein Test: Wie viele Menschen in der Metropole Moskau können die Kreml-Gegner vor der Parlamentswahl mobilisieren?

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Moskau –  

Ein Jahr nach der Ermordung des Regierungskritikers Boris Nemzow haben Tausende Anhänger der russischen Opposition einen Gedenkmarsch durch Moskau abgehalten. Zugleich forderten sie am Samstag ein Ablösung von Präsident Wladimir Putin.

Die Polizei, die mit einem starken Aufgebot im Einsatz war, sprach von 7500 Teilnehmern. Russische Medien und Augenzeugen setzten die Zahl wesentlich höher bei 20 000 an. Der frühere Ministerpräsident Michail Kasjanow, Spitzenkandidat der Opposition für die kommende Parlamentswahl, marschierte an der Spitze des Zuges mit.

Der ehemalige russische Vizeregierungschef Nemzow war am 27. Februar 2015 in Sichtweite des Kremls erschossen worden. In über 50 anderen Städten in Russland und im Ausland wurde ebenfalls des Reformpolitikers gedacht.

„Boris Nemzow darf auf keinen Fall vergessen werden“, sagte die Moskauerin Jelena Filemonowa. Von der Parlamentswahl im Herbst erwartete sie keine Veränderung: Die Stimmung in der Bevölkerung sei zu niedergeschlagen.

„Wir vergessen und vergeben nicht“, riefen die Demonstranten. Einige trugen Plakate mit der Aufschrift: „Ich fürchte mich nicht“. Viele führten russische Fahnen mit, an denen ein Trauerflor hing. Sie wollten damit Vorwürfe der Staatsführung entkräften, die Kritiker als Vaterlandsverräter oder „fünfte Kolonne“ abtut.

Für den Marsch in Moskau hatten die Behörden nur eine Route genehmigt, die nicht am Tatort vorbeiführt. Allerdings wollten viele Teilnehmer nach der Kundgebung Blumen auf der Brücke über den Fluss Moskwa niederlegen, auf der Nemzow erschossen worden war. Die Bluttat vor einem Jahr hatte international Entsetzen ausgelöst. Obwohl mehrere Verdächtige aus der Nordkaukasus Tschetschenien in Untersuchungshaft sitzen, gelten die Hintergründe als ungeklärt.

Tochter macht Putin verantwortlich

Nemzows Tochter Schanna forderte, „dass der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow vor Gericht aussagen muss und dass es eine internationale Kontrolle der Ermittlungen gibt“. Kadyrow habe Oppositionelle wie ihren Vater als Verräter beschimpft. Für das politische Klima in Russland machte die Tochter in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ Präsident Putin verantwortlich.

Kadyrow sagte am Samstag: „Nemzow bedeutet mir überhaupt nichts, er hat mich nicht gestört. Das war nicht mein Niveau.“

Nemzow war unter Präsident Boris Jelzin in den 1990er Jahren einer der jungen, liberalen Reformer und Privatisierer, die in der Bevölkerung aber auch für die massenhafte Verarmung verantwortlich gemacht werden. Als Putin eigene Vertraute in die Regierung brachte, wurde der charismatische Nemzow zur zentralen Figur in der zerstrittenen Opposition. „Ich bin hier, um eines großartigen Menschen zu gedenken“, sagte der 16-jährige Moskauer Maxim. (dpa)

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