Noch ist es „nur“ eine automatische Sonde, doch das Projekt ist sensationell. Die Raumsonde Phobos-Grunt soll nicht nur zum Roten Planeten fliegen, sondern auf seinem Mond Phobos weich landen, Bodenproben aufnehmen und damit zur Erde zurückkehren.
Mit der Mission Phobos-Grunt erfolgt nach anderthalb Jahrzehnten Pause der Neustart des russischen Programms zur Erforschung des Planetensystems. Nach einem Fehlschlag 1996 waren der staatlichen Raumfahrtagentur Roskosmos die Gelder für solche Programme fast ein Jahrzehnt lang vollständig gestrichen worden. Erst 2005 ging es – mit magerem Budget – weiter. Auch die zunächst schon für 2009 geplante Mars-Mission kann jetzt nur stattfinden, weil die Trägerrakete gleichzeitig einen chinesischen Satelliten ins All befördert und Peking gutes Geld dafür bezahlt.
Maxim Martynow, der Chefkonstrukteur der Sonde Phobos-Grunt, reagierte deshalb auch ungehalten, als er dieser Tage in einem Internet-Chat gefragt wurde, ob Russland nicht ein internationales Konsortium für einen bemannten Marsflug organisieren sollte. Offen räumte er ein, dass in seinem Konstrukteursbüro Mangel an hochqualifizierten Spezialisten bestehe. Es herrsche „eine Situation wie nach dem Krieg“: Die Hälfte seiner Leute sei einiges über 60 Jahre alt, die andere Hälfte unter 30. Die einen seien über den Zenit ihrer Kreativität hinaus, die anderen noch unerfahren. So gehe es auch weiter lediglich um Grundlagenforschung und nicht um die tatsächliche Erschließung des interplanetaren Raumes. Die Erschließung von Ressourcen im Weltraum werde mit Sicherheit auch nicht auf dem Mars beginnen, sondern auf dem Mond.
Herbe Rückschläge
Der seit gut einem halben Jahr amtierende Chef von Roskosmos, Wladimir Popowkin, wurde unlängst vor russischen Abgeordneten noch deutlicher. Absoluten Vorrang habe alles, „was für das Funktionieren unseres Landes nützlich ist“, sagte er. Dann zählte er auf: Telekommunikation, satellitengestützte Navigation, geologische Fernerkundung der Erde, Meteorologie, Kartographie, Geodäsie. Ob es denn keine Ambitionen gebe, wurde Popowkin in einem Fernseh-Interview gefragt. Er antwortete trocken: „Unser gegenwärtiges Programm ist durchaus ambitiös, was seine Ziele angeht – aber nicht, was seine Ausgaben betrifft. Wir müssen im Rahmen der Mittel leben, die der Staat heute hat und uns zur Verfügung stellt.“
Popowkin war im Frühjahr nach dem mit gewaltigem patriotischen Pathos begangenen Gagarin-Jubiläum aus dem Verteidigungsministerium an die Spitze von Roskosmos gewechselt. Der Armeegeneral und vormalige Chef der russischen Raketentruppen sollte die dringend nötige Reform der Behörde und die Modernisierung des Raumfahrtprogramms vorantreiben. Im Sommer musste er herbe Rückschläge hinnehmen: Nach 135 erfolgreichen Starts stürzte ein Versorgungstransporter vom Typ Sojus ab. Kurz zuvor hatte Russland einen Nachrichtensatelliten verloren, davor gab es schon einen Fehlschlag mit dem Navigationssystem Glosnass. Die Pannen, allesamt mit jahrzehntealter Technologie, häuften sich.
Von einer System-Krise mag sein Stellvertreter Witali Dawydow dennoch nicht sprechen. Es gebe lediglich organisatorische Probleme. Russlands Noch-Präsident Dmitri Medwedew hatte die Raumfahrt immerhin als eine seiner fünf Säulen für eine Modernisierung Russlands bestimmt. Es wird sich zeigen, ob sein Vorgänger und Nachfolger Wladimir Putin das ebenso sieht.
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