Die Teilnehmer der Demonstration zogen mit Plakaten zu einem Platz in der Innenstadt. „Russland ohne Putin“ und „Für freie Wahlen“ war auf den Bannern zu lesen. Trotz klirrender Kälte schienen sich sogar mehr Menschen zu beteiligen als an ähnlichen Demonstrationen im Dezember.
Die Polizei sprach von über 130.000 Demonstranten, damit waren es wohl seit dem Fall des Kommunismus die größten Proteste. Genau einen Monat vor der Präsidentenwahl am 4. März forderte die Opposition eine ehrliche Abstimmung und mehr politische Freiheiten.
"Sie können nicht alle festnehmen"
„So viele sind gekommen, sie können uns nicht alle festnehmen“, sagte der 56-jährige Demonstrant Alexander Selenski. „Das ist ein langsamer Prozess, aber wir glauben, dass er schließlich zu Demokratie und freien Wahlen führen wird.“ Auch Kommunisten und Nationalisten schlossen sich dem Demonstrationszug an.
Die Behörden hatten den Marsch genehmigt, nachdem sie einen Antrag der Organisatoren abgelehnt hatten, sich vor dem Kreml zu versammeln.
Auslöser der Proteste waren Hinweise auf Wahlbetrug zugunsten von Putins Partei bei der Parlamentswahl im Dezember. Der Ministerpräsident, der sich im März zum neuen Präsidenten wählen lassen will, hat Forderungen nach einer Wiederholung der Wahl bisher ignoriert. Zu früheren Demonstrationen kamen ebenfalls über 100.000 Menschen.
Kleinere Gegenkundgebung
Bei einer Gegenkundgebung von Anhängern Putins protestierten vor allem Beschäftigte von Staatsunternehmen sowie Lehrer gegen die Gefahr einer Revolution. „Putin ist super!“ und „Chaos - nein, Putin - ja!“ war auf Transparenten zu lesen.
Die Temperatur lag bei knapp minus 20 Grad Celsius. Die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, Gewerkschafter und Lehrer erklärte, sie seien freiwillig erschienen. Einige räumten allerdings ein, sie seien von den Behörden aufgefordert worden zu kommen.
Das Innenministerium sprach von 100.000 Teilnehmern allein bei der Pro-Putin-Aktion. Die Zahl der Demonstranten bei der Oppositionskundgebung gaben die Behörden dagegen mit 34.000 an. Das seien noch mehr Regierungsgegner gewesen als bei den vorherigen Oppositionsprotesten am 10. und 24. Dezember. Die Organisatoren der oppositionellen Demonstration sprachen von mindestens 100.000 Teilnehmern.Die Behörden hatten erstmals einen Protestzug der Opposition durch das Zentrum zugelassen.
Putins Gegner fürchten, dass der Regierungschef bei einer gefälschten Wahl zum dritten Mal in den Kreml einzieht. Er war bereits von 2000 bis 2008 Präsident.
In der Hauptstadt waren 9.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen Städten Kundgebungen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern. (dpa/dapd)
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