Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

13. März 2016

Sachsen-Anhalt : AfD holt 24,2 Prozent

 Von Alexander Schierholz
Bejubeln gemeinsam das gute Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: AfD-Spitzenkandidat André Poggenburg und AfD-Sprecher Björn Höcke.  Foto: dpa

Aus dem Stand wird die AfD zur zweitstärkste Partei in Sachsen-Anhalt. Spitzenkandidat André Poggenburg gilt als enger Verbündeter von Rechtsausleger Björn Höcke.

Drucken per Mail

André Poggenburg hat sich Verstärkung mitgebracht: Mit dem brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Kalbitz und Thüringens Partei- und Fraktionschef Björn Höcke posiert der AfD-Spitzenkandidat am späten Nachmittag vor dem Landtagsgebäude für ein Foto. Eigentlich hat er solche Unterstützung gar nicht nötig: Poggenburg ist der neue starke Mann, in seiner Partei, aber auch im Landtag. 24 Prozent aus dem Stand - das ist Platz zwei hinter der CDU. Das ist ein Erdbeben. Und ein neuer Rekord.  Bisher war die AfD mit 12,2 Prozent und elf Sitzen in Brandenburg am stärksten.

Nun also Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis der AfD übertrifft alle Prognosen, sogar die der Partei selbst, die immer von „20 plus x“ gesprochen hatte. „Wir sind nicht überrascht, aber sehr dankbar“, kommentiert Poggenburg das Ergebnis, bevor er im Landtag von TV-Studio zu TV-Studio eilt. Für ihn ist der Einzug in den Landtag die Krönung einer beispiellosen Parteikarriere. Erst im Herbst 2013 tritt er der AfD bei, er baut den Kreisverband Burgenlandkreis mit auf. Im Juni 2014 wird er Landesvorsitzender, der vierte in knapp drei Jahren.

Der Landeschef ist kein großer Redner, er wirkt zuweilen unbedarft. Doch die Partei hat er fest im Griff - und auf einen strammen Rechtskurs geführt. Fast ein Jahr ist es her, da verabschiedete ein Parteitag in der Altmark mit großer Mehrheit ein nationalkonservatives Positionspapier mit dem Titel „Erfurter Resolution“. Initiiert worden war es von  Poggenburg und Höcke. Beide gelten als enge Verbündete.  In dem Papier heißt es, zahllose Mitglieder verstünden die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Die Richtung ist klar: Heimat, Volk und Vaterland. Gestern Abend im Landtag betont Poggenburg, er stehe weiter zu dem Papier.

Die Hochrechnung stimmt mit dem Ergebnis der Wahl überein.  Foto: dpa-infografik

Nun wird sich zeigen, wie die AfD ihren Kurs im Landtag umsetzen kann. Die Partei ist jung, ihre Kandidaten - und künftigen Abgeordneten - sind so gut wie unbekannt. Politische Erfahrung haben die wenigsten, wenn, dann in Kommunalparlamenten. Poggenburg stört das nicht. „Sicher fehlt es uns an Kompetenz“, räumt der Spitzenkandidat ein, das könne aber durch „Politik für den Bürger“ wieder wett gemacht werden. Doch wie soll die aussehen? Verkündet Poggenburg doch auf der anderen Seite, die AfD wolle eine „starke Opposition“ sein. „Das haben wir den Wählern versprochen.“

Gegen diese „starke Opposisition“ formiert sich am Abend spontan eine Demonstration auf dem Magdeburger Domplatz, unweit vom Landtag. Rund 100 Menschen demonstrieren friedlich für offene Grenzen, gegen Rechtspopulismus und die AfD. Doch die bekommt davon gar nichts mit.  Poggenburg zieht im Landtag immer noch von einem TV-Interview zum nächsten. Seine Anhänger feiern ihre Wahlparty derweil in einem Kongresszentrum weit weg von der Magdeburger Innenstadt.

Als bei der 18-Uhr-Prognose der AfD-Balken nach oben schießt, gibt es dort kein Halten mehr. „AfD! AfD AfD!“ schallt es durch die Halle.  Sekunden später, noch im Jubel, sagt Frank Pasemann, Direktkandidat  in Magdeburg, einen Satz, den viele Parteianhänger  am Abend wiederholen werden: „Die Politik in diesem Land wird sich verändern.“ Unfein, undemokratisch sei die Kampagne der „Altparteien“ und Medien in den Wochen vor der Wahl gewesen.

Später tritt dann auch Spitzenmann Poggenburg auf die Bühne: „Dieser Tag ist unser Tag“, ruft er in die Menge, „wir haben etwas geschafft, das die etablierten Parteien seit Jahren nicht mehr schaffen: Wir haben Politik wieder interessant gemacht.“  So euphorisch ist Poggenburg, dass er schon  „das Entstehen einer neuen, wahrhaften Volkspartei“ sieht.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Auch junge Parteianhänger sind unter den rund 100 Gästen der Wahlparty – auch Mitglieder der Identitären Bewegung Österreich, die von Experten als völkisch und klar rechtsorientiert eingestuft wird. Am Eingang des Kongresszentrums hat das rechte Compact-Magazin ein Fernsehstudio eingerichtet, Security-Männer versperren während der gesamten Zeit die Glastüren.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Leitartikel

Holt euch das Spiel zurück

Von Paul Linke |

Das Hochglanzprodukt Fußball ist nur zu retten, wenn es wie ein Unternehmen funktionieren würde. Dafür müsste der Weltverband Fifa eine Aktiengesellschaft werden. Mehr...

Mordfall in Freiburg

Sprechverbote helfen nicht

Von  |
Trauer in Freiburg um die ermordete Studentin.

Die Debatte über den Mordfall in Freiburg zeigt: Straftaten können in diesen Zeiten schnell zu einem Politikum werden. Weglassen und Ausblenden ist keine Option. Der Leitartikel.  Mehr...

 

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung