Es war zu schön, um wahr zu sein: Kurz vor Weihnachten verkaufte das Land Sachsen-Anhalt seine drei maroden Spielbanken an die Sybil-Group, eine israelische Investorengruppe mit Sitz auf Zypern. Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) atmete auf: 90 Arbeitsplätze gerettet. Und er war einen Klotz am Bein los: Die Spielbanken in seinem Land werfen keine Gewinne ab. Sachsen-Anhalt schießt jährlich rund drei Millionen Euro aus Steuergeldern zu.
Und es kam noch doller. Der Käufer machte gigantische Versprechen: Rund 300 Millionen Euro wolle man in ein ehemaliges Braunkohlekraftwerk Vockerode stecken und aus der Brache ein Spieler- und Entertainmentparadies mit Luxushotels, schicken Läden und einem Yachthafen an der Elbe zaubern, ein "Las Vegas des Ostens".
Soweit die Worte. Taten blieben aus. Vockerode ist immer noch Vockerode, Las Vegas nirgends in Sicht. Nun droht das seltsame Geschäft endgültig zu platzen: Das Unternehmen hat zwar Sicherheiten von 2,3 Millionen Euro hinterlegt. Aber das Land wartet immer noch auf die Kaufsumme von einer Million Euro. Die war im Januar fällig. Ist das Geld nicht bis kommenden Montag auf dem Konto, will Finanzminister Bullerjahn dem Käufer die Spiellizenz wieder entziehen.
"Die Regierung hat die Leute im Land für dumm verkauft", meint der Landtagsabgeordnete Gerald Grünert (Linke). Der Investor habe nur die Spiellizenz haben wollen und die schwarz-rote Landesregierung "auf Teufel komm raus" noch vor Jahresende eine "schnelle Erfolgsmeldung". Was danach passierte, habe sie nicht mehr interessiert. Nun habe man den Salat.
Nach Einschätzung der Opposition im Magdeburger Parlament ist das ganze Verfahren "unseriös" gelaufen. "Vockerode wird platzen und die Gemeinde auf ihrer Immobilie sitzen bleiben", schätzt Grünert die Lage ein.
Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung hat der neue Investor nicht nur nicht den Kaufpreis überwiesen. Es fehlt angeblich sogar Geld in den Spielbanken. In den Casinos Halle, Magdeburg und Wernigerode soll die Bargeldreserve von 600.000 Euro auf 300.000 Euro verringert worden sein. Das Geld muss vorgehalten werden, falls jemand den Jackpott abräumt. Die Spielbankenaufsicht Sachsen-Anhalts wartet jetzt auf Antworten des Investors.
Ein Unternehmenssprecher bestritt, Geld abgezogen zu haben und kündigte an, man werde die Kaufsumme bis Montag begleichen. Doch offensichtlich glaubt auch Finanzminister Bullerjahn nicht mehr daran. Wenn bis Montag nicht gezahlt werde, stelle sich die Frage, "wie seriös" der Käufer sei, meinte Bullerjahn.
Die Opposition könnte prima ohne die bislang subventionierten Spielbanken leben. Sie würde die Casino-Zuschüsse sowieso lieber für die Renovierung von Schulen oder Kindertagesstätten ausgeben
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