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22. August 2014

Salafist Pierre Vogel: Perfider Aufruf an Jesiden

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Einst ein Boxer, heute ein Verführer: Pierre Vogel.  Foto: dpa

Der deutsche Salafistenprediger Pierre Vogel ruft in zynischer Weise die verfolgten Jesiden dazu auf, zum Islam zu konvertieren. CDU-Politiker Wolfgang Bosbach regt an, Vogel öffentliche Auftritte zu verbieten.

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Während die politische Öffentlichkeit in Deutschland intensiv darüber diskutiert, wie den von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) brutal bedrängten Jesiden im Nordirak geholfen werden kann, geht der Salafisten-Prediger Pierre Vogel einen anderen Weg. Bei Facebook postete der deutsche Ex-Boxer einen Aufruf an die um ihr Leben fürchtenden Menschen: Sie sollen doch einfach konvertieren.

Am Mittwoch schrieb Vogel alias Abu Hamza: „Für unsere lieben jesidischen Mitbürger haben wir nun aus Liebe eine Jesiden-Hotline eingerichtet. Unter dieser Nummer könnt ihr gerne anrufen und zum Islam übertreten, um vor der Hölle gerettet zu sein. Eine junge Frau hat den Islam bereits angenommen.“ Es folgte eine Handy-Nummer und der Aufruf: „Traut euch!!!! Habt keine Angst vor euren Familien!!! Werdet noch heute Muslime!!!!! Werdet heute noch Anhänger der einzig wahren Religion!!!“

Am Donnerstag meldete der 2001 selbst Konvertierte, der seit einiger Zeit in Hamburg lebt: „Die Jesiden-Hotline war bisher ein voller Erfolg. Das Telefon stand nicht mehr still, und es kam zu vielen schönen Gesprächen (...) Vielen Dank auch an die Jesiden, die dies möglich gemacht haben und kommuniziert haben, ohne zu beleidigen.“

„Wertvolle Gespräche“

Natürlich habe es „auch wieder Morddrohungen, Beleidigungen und unsachliche Vorwürfe“ gegeben. „Aber die positiven Gespräche waren wertvoller.“

Vogel gilt als bekannte Figur der deutschen Szene, hat aber zuletzt an Einfluss verloren. Immer wieder versucht er, mit provokanten Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Bekannt ist, dass aus der Szene jene rekrutiert werden, die nach Syrien und auch in den Irak in den Krieg ziehen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezifferte sie zuletzt auf 400; 25 seien bisher zurückgekehrt. Erst kürzlich sollen Islamisten in Herford Jesiden angegriffen haben.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der FR mit Blick auf den Aufruf: „Strafrechtlich dürfte das nicht relevant sein. Denn es ist ja keine Drohung oder Nötigung. Aber der Vorgang zeigt, wessen Geistes Kind Pierre Vogel ist. Zwischen den Zeilen steht: Ihr könnte euer Leben retten, wenn ihr zum Islam übertretet. Das ist perfide.“ Noch erschreckender finde er die Zustimmung, so Bosbach. 845 Frauen und Männer quittierten die beiden Vogel-Posts bis Freitag mit „Gefällt mir“, 284 teilten die Inhalte. Der CDU-Politiker mahnte: „Man sollte erneut prüfen, ob öffentliche Kundgebungen mit Pierre Vogel nicht verboten werden können.“ (mit han)

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