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08. Februar 2013

Samenspende-Urteil: Schwierige Suche nach passendem Vater

 Von Andrea Beyerlein
In einem Zentrum für Reproduktionsmedizin: Die Erfüllung des Kinderwunsches mit verschiedenen Methoden wie der In-vitro-Fertilisation ist zu einem auch wirtschaftlich bedeutenden Bereich geworden.  Foto: Imago/Tack

So neu ist die Situation für Samenspender nach dem aktuellen Urteil nicht: Schon bisher mussten Männer nach einer Samenspende auf Kontaktwünsche ihrer Nachfahren gefasst sein.

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So neu ist die Situation für Samenspender nach dem aktuellen Urteil nicht: Schon bisher mussten Männer nach einer Samenspende auf Kontaktwünsche ihrer Nachfahren gefasst sein.

Ann-Kathrin Hosenfeld versteht die Aufregung nicht so ganz. „Unsere Spender wissen natürlich, dass die mit ihren Samen gezeugten Kinder Kontakt zu ihnen aufnehmen und eventuell sogar Erbschaftsansprüche stellen könnten“, sagt die Laborleiterin der Samenbank Berlin. Selbstverständlich würden sie darüber zuvor aufgeklärt. Deswegen geht Hosenfeld auch nicht davon aus, dass ihr Unternehmen nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm größere Probleme mit dem Nachschub bekommt. Das Finden geeigneter Spender sei aber auch jetzt schon ziemlich kompliziert.

Die Samenbank in der Berliner Friedrichstraße ist eine von zweien in der Hauptstadt, bundesweit gibt es mittlerweile 14 solcher Einrichtungen. Die Zahl der Arztpraxen und Universitätskliniken, die künstliche Befruchtungen vornehmen, wird auf etwa 120 geschätzt. Ein wachsender Markt.

Derzeit verfügt die Samenbank Berlin über rund 70 Spender. Und an die werden wesentlich höhere Anforderungen gestellt, als an jeden natürlichen Vater. Nicht allein, was ihre biologischen Voraussetzungen und ihren Gesundheitszustand angeht.

Seit 1970 akzeptiert

Medizinisch möglich sind Samenspenden seit rund 100 Jahren. Verboten waren sie nie, gesetzliche Grundlagen dafür gab es aber auch nicht. Unter Ärzten galten Samenspenden lange als sittenwidrig. Erst der 73. Deutsche Ärztetag 1970 und der 65. Deutsche Juristentag 1986 entschieden sich mehrheitlich für eine standesrechtliche und berufsethische Akzeptanz. Samenspenden kosten rund 500 bis 700 Euro pro Zyklus. Die Kassen übernehmen die Kosten nicht.
In Anspruch nehmen können Samenspenden heute sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare. Samenspenden an Singles und gleichgeschlechtliche Paare gelten als Graubereich, sind aber nicht verboten.

Auch die äußeren Erscheinungsmerkmale – Größe, Gewicht, Haar- und Augenfarbe – müssen zu den Empfängerpaaren passen. Das Höchstalter der Spender liegt bei 38 Jahren. Die Kartei, in der auch Hobbys, Neigungen und der Beruf aufgeführt sind, können die Paare mit Kinderwunsch einsehen. „Viele wollen Akademiker“, sagt Ann-Kathrin Hosenfeld. Spender ohne Berufsabschluss seien weniger gefragt.

Nicht jeder kann spenden

Nach dieser Vorauswahl kämen nur noch rund zehn Prozent der an Samenspenden interessierten Bewerber in Frage. „Und viele schrecken auch nach der Informationen über mögliche Kontaktwünsche der gezeugten Kinder zurück“, sagt die Laborleiterin der Samenbank Berlin.

Die im Arbeitskreis Donogene Insemination zusammen geschlossenen Fachärzte haben sich darauf verständigt, dass von jedem Samenspender nicht mehr als 15 Kinder gezeugt werden sollen. „Diese Begrenzung ist sinnvoll, um dem Risiko der unwissentlichen sexuellen Beziehung von Halbgeschwistern vorzubeugen“, heißt es dort in einem Informationsblatt für Samenspender. „Die Zahl sollte auch begrenzt sein, um die Anzahl eventueller Kontaktanfragen an den Spender einzuschränken.“


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Nach den aufwendigen und teuren Voruntersuchungen, die rund ein halbes Jahr dauern, erhalten die Samenspender in Berlin 105 Euro pro Spende. Etwa anderthalb Jahre lang kommen sie dann möglichst ein Mal pro Woche, bis 100 ihrer Samenproben eingefroren sind. Die Bezahlung und das Prozedere ist bundesweit in etwa gleich. Entsprechend können gesunde Spermien und eine attraktive Herkunft dem Spender etwa 10 000 Euro einbringen.

Gesundheit und Geld

„Aber den meisten geht es nicht um das schnelle Geld“, sagt Petra Thorn von Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland, BKiD e.V.. Das ist ein Zusammenschluss psychosozialer Berater für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und ungewollter Kinderlosigkeit. Die Familientherapeutin Thorn hat 2008 selbst eine Studie veröffentlicht, in der die Motive von Männern untersucht wurden, die ihre Spermien für die Fortpflanzung Unbekannter spenden. Danach ging es 42 Prozent der 63 Befragten um finanzielle Aspekte. Aber genauso viele gaben an, kinderlosen Paaren helfen zu wollen. Für 31 Prozent standen die eingehenden gesundheitlichen Untersuchungen im Mittelpunkt, einschließlich der Frage ihrer Fruchtbarkeit.

43 Prozent der Spender sagten, sie seien offen für den Kontakt zu den von ihren Spermien gezeugten Kindern. Petra Thorn glaubt nicht, dass das jüngste Urteil einen Einfluss auf die Bereitschaft zu Samenspenden hat.

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