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13. Januar 2016

Saudi-Arabien: Druck auf Samar Badawi

 Von 
Offenbar wieder auf freiem Fuß: Samar Badawi.  Foto: Katharina Eglau

Das saudische Königreich geht gegen die Schwester des Bloggers Raif Badawi vor. Die Meldungen gehen auseinander. Laut saudischem Innenministerium wurde Badawis Schwester lediglich befragt. Andere Quellen sprechen von einer Festnahme.

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Die saudische Führung lässt nicht locker. Ungeachtet der massiven internationalen Kritik an ihrem repressiven Kurs gegen Andersdenkende geht das Königreich jetzt auch gegen die Frauenrechtlerin Samar Badawi vor, die Schwester des Bloggers Raif Badawi. Der Meldung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International jedoch, die 34-Jährige sei zusammen mit ihrer zweijährigen Tochter Joud festgenommen worden, widersprach der Sprecher des saudischen Innenministeriums, General Mansour al-Turki, gegenüber der FR.

„Sie ist nicht verhaftet, sondern wird von der Kommission für Ermittlung und Strafverfolgung verhört“, erklärte er per SMS. Saudi-Arabiens Botschaft in Berlin ergänzte, Samar Badawi habe lediglich einen Termin bei der Staatsanwaltschaft gehabt und nach dem Informationsgespräch die Staatsanwaltschaft wieder verlassen. Alle anderen Informationen seien falsch.

Dagegen berichtete Amnesty International, die sich auf örtliche Aktivisten berief, Samar Badawi sei am Dienstagmorgen zu Hause abgeholt worden, vier Stunden lang im Polizeipräsidium befragt und anschließend zusammen mit ihrer Tochter in das Dhahran-Gefängnis gebracht worden, wo ihr Bruder Raif Badawi seit 2012 seine zehnjährige Haftstrafe verbüßt. Nach Angaben der Organisation Zentrum für Menschenrechte und des Twitter-Accounts ihres Ex-Mannes sei Samar Badawi nun wieder auf freiem Fuß.

Der Fall von Badawis Bruder erregte im letzten Jahr weltweit Aufsehen und brachte Saudi-Arabien tief in Misskredit, auch weil die Justiz den Blogger im Januar 2015 in Jeddah öffentlich auspeitschen ließ. Erst vor zwei Wochen am Tag nach Neujahr entfachte das Königreich erneut internationale Empörung, als es im Zuge einer Massenhinrichtung von 46 Terrorverurteilten auch den schiitischen Prediger Nimr al-Nimr hinrichten ließ.

„Samar Badawi wurde ausschließlich festgenommen, weil sie auf friedliche Art und Weise von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat“, erklärte Amnesty und sprach von „einem neuen alarmierenden Rückschlag für die Menschenrechte in Saudi-Arabien“. Vorgeworfen wird der Aktivistin unter anderem, das Twitter-Konto @WaleedAbulkhair zu führen, welches für die Freilassung ihres geschiedenen Mannes aus dem Gefängnis wirbt, wo der Menschenrechtsaktivist sich die Zelle mit sieben Kriminellen teilt.

Samar Badawi wurde 1981 geboren und stammt wie ihr drei Jahre jüngerer Bruder Raif aus zerrütteten Familienverhältnissen, die jahrelang auch die Gerichte und Sozialämter in Jeddah beschäftigten. Die Mutter war Libanesin und starb früh an Krebs. Nach dem Tod seiner Frau begann der Vater, der als wahabitischer Religionspolizist arbeitete, die halbwüchsige Tochter zu missbrauchen und zu tyrannisieren. 2008 flüchtete sie sich in ein Frauenhaus in Jeddah, woraufhin ihr Vater sie wegen „Ungehorsam gegen die Eltern“ verklagte.

Samar Badawi wurde verhaftet und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Durch die Erfahrungen entwickelte sie sich zu einer entschiedenen Vorkämpferin für mehr Frauenrechte in Saudi-Arabien, wo die weibliche Bevölkerung nicht Autofahren darf sowie lebenslang ihre männlichen Vormünder um alles und jedes um Erlaubnis bitten muss.


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Bereits im Jahre 2012 zeichnete das US-Außenministerium sie in Washington mit dem „International Woman of Courage Award“ aus. Die damals amtierende Außenministerin Hillary Clinton pries die Preisträgerin in ihrer Laudatio als „kraftvolle Stimme“ und erklärte: „Samar Badawi setzt sich für die beiden wichtigsten Frauenziele in Saudi-Arabien ein – das Wahlrecht für Frauen und den Kampf gegen ein System, in dem Frauen nicht heiraten können, wen sie wollen, nicht einem Job ihrer Wahl nachgehen können oder irgendwohin verreisen, ohne dass ein Mann dies vorher erlaubt.“

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