Die Saudis sind auf großer Einkaufstour in den USA. Seit Monaten verhandelt Riad mit Washington, jetzt sind sich beide Seiten wohl einig. Umgerechnet rund 48 Milliarden Euro will das arabische Königreich für neue Kampfjets und -hubschrauber ausgeben. Nach Informationen des Wall Street Journal wird die US-Regierung in dieser oder der kommenden Woche den Kongress offiziell über das geplante Abkommen informieren – eines der größten Rüstungsgeschäfte in der US-Geschichte.
84 neue F-15-Kampfjets sowie 178 Hubschrauber verschiedenen Typs sind die größten Posten. Außerdem sollen 70 ältere Düsenjäger auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Verbindlich wollen die Saudis zunächst Waffen im Wert von 24 Milliarden Euro ordern, den Rest später. Geliefert werden soll in den kommenden fünf bis zehn Jahren – abhängig von den Produktionskapazitäten und dem Trainingsprogramm für die Piloten. Zusätzlich sind Gespräche über eine Modernisierung der saudischen Marine geplant, die ein Volumen von weiteren 24 Milliarden Euro haben könnte.
Washington will mit dem Waffen-Geschäft den Einfluss Teherans eindämmen
Die Vereinigten Staaten schlagen damit drei Fliegen mit einer Klappe. Sie machen ein gutes Geschäft, sichern nach Angaben der Hersteller bis zu 77000 heimische Arbeitsplätze und können gleichzeitig den iranischen Einfluss mit Hilfe der reichen Ölstaaten weiter eindämmen. Denn die militärischen und politischen Gelüste Teherans, aber auch seine demonstrativen Tests mit Mittelstrecken-Raketen lösen in der Region zunehmend Besorgnis aus. Neben Saudi-Arabien wollen auch Golfstaaten wie Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Qatar in den USA bestellen. Damit setzen sie fort, was sie in den vergangenen Jahren bereits gemacht haben.
Die Golfstaaten haben sich bereits im Sommer auf ihrem Territorium acht Batterien von Patriot-Abwehrraketen aufstellen lassen. Die Saudis wollen nicht nur ihre Patriot-Systeme modernisieren lassen, sie denken nach Angaben des Wall Street Journal auch darüber nach, die nächste Generation amerikanischer Raketenabwehr vom Typ „Terminal High Altitude Defense“ (THAAD) anzuschaffen.
Die saudischen Öl-Felder sind nur wenige Flugminuten von iranischem Boden entfernt
Denn allen Monarchen und Emiren der Region ist klar: Kommt es zu einer militärischen Konfrontation mit Teheran, könnte sich die Islamische Republik als Erstes an ihre wertvollen Ölförderanlagen halten – oft nur wenige Flugminuten von persischem Boden entfernt. Setzt sich Iran gar mit dem Bau einer Atombombe gegen den UN-Sicherheitsrat durch, stiege es zur regionalen Supermacht auf und könnte den arabischen Nachbarn bald seinen Willen aufzwingen.
Am klarsten sprach vor einigen Wochen der VAE-Botschafter in Washington aus, was am Golf viele Potentaten denken. „Wir können nicht mit einem nuklearen Iran leben“, sagte der Diplomat und fügte im Blick auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung sibyllinisch hinzu, sein Land sei bereit, die Konsequenzen zu absorbieren. Schon Stunden später ließ das VAE-Außenministerium verbreiten, man lehne den Einsatz von Gewalt zur Lösung der iranischen Atomfrage total ab – bekräftigte aber gleichzeitig, die Golfregion müsse auch in Zukunft atomwaffenfrei bleiben.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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