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06. Januar 2016

Saudi-Arabien: Strippenzieher im Palast

 Von Martin Gehlen
Wie viel bekommt der oberste Herrscher noch mit? Der saudische König Salman leidet wohl an Demenz.  Foto: REUTERS

Inwieweit König Salman in Saudi-Arabien noch die Zügel der Macht in der Hand hält, darüber wird heftig spekuliert. Klar ist: Die beiden Kronprinzen Mohammed bin Nayef und Mohammed bin Salman sind längst die treibenden Kräfte im Konflikt mit dem Iran. Ein Porträt.

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Was sich hinter den Türen der fürstlichen Gemächer in Riad abspielt, weiß momentan niemand. Der 80-jährige König Salman zeigt sich nur noch selten. Die Gerüchte, der greise Monarch leide an zunehmender Demenz, wollen nicht verstummen. Inwieweit er noch die Zügel der Macht in der Hand hält, darüber spekulieren Millionen seiner Untertanen auf Twitter und Facebook. Im Oktober musste Salman für einige Zeit ins Krankenhaus, offenbar auch auf die Intensivstation. Er könne noch zusammenhängend sprechen, vergesse aber bisweilen, was er Minuten zuvor gesagt habe oder erkenne langjährige Mitarbeiter nicht, berichten arabische Medien. Ob er an Neujahr das Todesurteil gegen den schiitischen Prediger Nimr al-Nimr selbst unterzeichnete, darüber schweigt sich seine Umgebung aus.

Und so sind die treibenden Kräfte der neuen Politik Saudi-Arabiens im Inneren und Äußeren „die beiden Mohammeds“, wie sie im Volksmund heißen – Kronprinz und Innenminister Mohammed bin Nayef sowie Vizekronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman. Erstmals in der modernen Geschichte des Landes wurden damit zwei Mitglieder der dritten Generation des Königsclans zu Thronfolgern ernannt. Und beide sind gleichermaßen besessen von der Vorstellung, ihre sunnitische Heimat werde von den Schiiten und deren iranischer Schutzmacht immer mehr eingekreist und stranguliert.

Ehrgeizig und skrupellos: Verteidigungsminister Mohammed bin Salman.  Foto: REUTERS

Kronprinz Mohammed bin Nayef gilt als „Terroristenfresser“ und Verfechter einer harten Faust im Inneren – gegen Extremisten, Bürgerrechtler, Kritiker des Königshauses und schiitischen Aktivisten gleichermaßen. Die Zahl der öffentlichen Enthauptungen stieg 2015 drastisch an. Auch die spektakuläre Massenexekution am letzten Wochenende geht auf das Konto Nayefs, dessen 2012 verstorbener Vater das Innenministerium zuvor vier Jahrzehnte lang mit so harter Hand regierte, dass ihn seine Landsleute „den schwarzen Prinzen“ nannten. „Er wird gefressen werden von den Würmern und die Qualen der Hölle erleiden“, rief ihm der jetzt hingerichtete Scheich Nimr al-Nimr damals nach ins Grab. Unter der Regie der Nayef-Dynastie wurde Mitte der neunziger Jahre Al-Kaida in Saudi-Arabien entscheidend geschwächt und in den benachbarten Jemen abgedrängt. Umgekehrt legte der 56-jährige Kronprinz, der in den USA studierte, ein kostspieliges Programm mit fünf Rehazentren auf, in denen umkehrwillige Dschihadisten mit Islamunterricht, psychologischer Betreuung und großzügiger Sozialhilfe eine Rückkehr in die Gesellschaft geebnet werden soll.

Der „Terroristenfresser“: Innenminister: Mohammed bin Nayef bin Abdul Aziz.  Foto: REUTERS

Vizekronprinz Mohammed bin Salman, der Lieblingssohn des Königs, ist mit seinen 30 Jahren der jüngste saudische Verteidigungsminister aller Zeiten und gilt inzwischen als einer der mächtigsten Männer des Nahen Ostens. Beim Krieg gegen die Houthi-Rebellen im Jemen, der bisher mehr als 6000 Tote und 20 000 Verletzte forderte, spielt er eine zentrale Rolle. In politischen Kreisen Riads ist wenig Gutes zu hören über den Aufsteiger, der als einziger der Führungsriege nicht im Ausland studierte. Er gilt als ehrgeizig, skrupellos und arrogant. Auf ihn war auch die ungewöhnliche Warnung des Bundesnachrichtendienstes gemünzt, Saudi-Arabien betreibe eine „impulsive Interventionspolitik“, die die Stabilität der Golfregion gefährde. Gegenüber seinen jungen Landsleuten versucht sich der Thronfolger als Reformer zu profilieren. So ließ er kürzlich ein „Manifest für Wandel“ veröffentlichen, in dem er eine umfassende wirtschaftliche Modernisierung seines Landes und mehr Rechte für Frauen forderte, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Saudi-Arabien werde gebremst durch „das überkommene Erbe und populäre Traditionen“, hieß es in dem Text, der allerdings über Demokratisierung und Menschenrechte kein einziges Wort verliert.

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