Düsseldorf. Im Prozess gegen die Sauerland-Gruppe hat Atilla Selek, einer der Terrorverdächtigen, den Türken Mevlüt K. belastet. Selek soll laut Anklage die Zünder für die Sprengsätze in der Türkei beschafft haben. "Ich habe die Aufgabe mit den Zündern übernommen, dann habe ich Deutschland verlassen", bekennt der 24-jährige Autolackierer und betont: "Zünder sind ja das A und O."
Später bekräftigt er seine Aussage vor dem BKA, dass er sich bei dem Transport der Zünder auf die Zusammenarbeit mit Mevlüt K. verlassen habe, der seit wenigen Tagen per Haftbefehl als Unterstützer der Sauerland-Zelle gesucht wird. "K. hatte hinreichende Kontakte,die ich benutzen musste, um die Sprengstoffzünder nach Deutschland zu transportieren," heißt es in dem Protokoll, das Selek bestätigt. Auch den Satz bejaht er: "K. macht ganz gefährliche Sachen mit Geheimdiensten. Er macht das nicht für Allah, sonder seine eigenen Interessen."
Die Informationen von Mevlüt K. seien "sehr nützlich" gewesen, sagt Selek am Donnerstag vor Gericht. K. habe der Sauerland-Gruppe im Jahr 2007 auch Hinweise gegeben, dass ihre Anschlagsplanungen bereits aufgeflogen seien. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling belehrt den Angeklagten Selek: "Sie wollten doch auch, dass der Anschlag funktioniert." Selek antwortet mit einem klaren Ja. So eindeutig wie diese Aussage sind die übrigen des Atilla Selek nicht, er weicht immer wieder aus.
Selek kämpft offenkundig darum, nur als Unterstützer und nicht als Mitglied einer terroristischen Vereinigung verurteilt zu werden. Richter Breidling moniert: "Am Anfang haben Sie nur reduziert Ihre Beteiligung dargestellt", und ein Ankläger bemängelt: "Sie versuchen, Ihre eigene Beteiligung herunterzuspielen." Was Selek aussagt, ist in Passagen noch widersprüchlicher als die Aussagen seiner Komplizen.
Breidling und die drei Vertreter der Anklage versuchen immer wieder, mit ihren Fragen Selek klare Antworten zu entlocken. Der Angeklagte behauptet, nach seiner Ausbildung in einem pakistanischen Terror-Camp nicht gewusst zu haben, dass in Deutschland Anschläge geplant seien. Er spricht von Zweifeln, aber er habe sowohl einem Führer der Dschihad Union als auch seinem Mitangeklagten Fritz Gelowicz die "Mitwirkung" versprochen: "Da gibt es keinen Ausstieg mehr." Aber einen Treueschwur will er nicht geleistet haben. (mit dpa und rtr)
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