kalaydo.de Anzeigen

Schadenersatzklage: Wenn das Finanzabenteuer schiefgeht

Ein hessischer Steuersünder will 7,3 Millionen Euro Schadenersatz. Die Liechtensteiner Bank habe ihn nicht rechtzeitig gewarnt, nachdem ihr Daten verloren gegangen waren. Von Matthias Thieme

Steuerfahnder nicht willkommen: Filiale der Liechtensteiner LGT Bank in Berlin.
Steuerfahnder nicht willkommen: Filiale der Liechtensteiner LGT Bank in Berlin.
Foto: dpa

Elmar S. muss die Aufregung um Steuersünder bekannt vorkommen. Er weiß wie es ist, wenn im Ausland verstecktes Vermögen plötzlich vom deutschen Staat entdeckt wird. Elmar S. hatte der noblen LGT Treuhand vertraut, die dem liechtensteinischen Fürsten gehört und Diskretion zu ihren obersten Tugenden zählt.

Doch das Finanzabenteuer im Fürstentum ging schief für den Bad Homburger Unternehmer. Sein Name befand sich wie 770 andere Namen auf einer CD-Rom, die der LGT-Mitarbeiter Heinrich Kieber aus der Bank gestohlen und dann 2007 an den Bundesnachrichtendienst verkauft hatte - zahlreiche Verfahren gegen Steuersünder in Deutschland waren die Folge. Elmar S. wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die gegen Zahlung von 7,5 Millionen Euro zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem musste er 11,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen.

So schlimm hätte es nicht kommen müssen, meint der Unternehmer und verklagte die LGT-Bank auf Schadenersatz. Hätte die Bank ihn gewarnt, hätte er sich selbst früher anzeigen können und eine geringere Strafe bekommen, so die Argumentation des hessischen Geschäftsmannes.

Das Landgericht des Fürstentums Liechtenstein gab dem Mann nun teilweise recht und verurteilte die Rechtsnachfolgerin der LGT Treuhand zu einer Zahlung von 7,3 Millionen Euro. Zwar habe Elmar S. keinen Anspruch auf Ersatz seiner Steuernachzahlungen, so das Gericht. Aber die Bewährungsstrafe hätte er bei rechtzeitiger Warnung und Selbstanzeige vermeiden können - deshalb liege ein von der Bank verursachter Schaden vor.

Beide Parteien wollen in Berufung gehen

"Das ist uns zu kurz gesprungen", sagte der Anwalt des Unternehmers, Bernhard Gimple der FR. Es gehe auch um Beratungsfehler der Bank, deshalb gehe man in die zweite Instanz. Auch die beklagte Rechtsnachfolgerin der LGT-Treuhand will in die Berufung gehen. Das Gericht habe bestätigt, dass Steuerschulden und Strafsteuern kein ersatzfähiger Schaden seien, so die Bank. Deshalb könne man "nicht nachvollziehen", dass individuelle Bußen und Strafen schadensersatzfähig sein sollen.

Obwohl das Urteil noch lange keine Rechtskraft erlangen dürfte, frohlocken schon die Anwälte, die weitere verurteilte Steuerhinterzieher vertreten. "Das ist eine sehr gute Richtung", sagt der Liechtensteiner Anwalt Helmut Schwärzler. "Wir haben schon eine weitere Klage eingereicht." Man habe bereits 30 Mandanten in der Sache und rechne mit dreistelligen Millionenschäden.

Doch der Anwalt des Klägers aus Bad Homburg, sieht "keinen Präzedenzfall" in dem Urteil. Und in der fürstlichen LGT-Bank hält man die Erwartungen des Anwalts Schwärzler für weit übertrieben und rechnet vor: Bei den 191 Verfahren, die von der Steuerfahndung Bochum abgeschlossen wurden, seien 178 Millionen Euro Steuern nachgezahlt, aber nur 8,5 Millionen Euro Geldstrafen verhängt worden. Nur diese Geldstrafen könne man zurückfordern, falls das jüngste Urteil Bestand habe, heißt es aus der LGT.

In einem sind sich die Anwälte einig: Das Modell Liechtenstein als Steuerhinterziehungsinsel ist zu Ende. "Dieser Platz ist für die Marktteilnehmer mittlerweile uninteressant", sagt Schwärzler. Liechtenstein stehe vor einem "Paradigmenwechsel". Die Schweiz hinke der Entwicklung noch etwas hinterher. Und die neuen Oasen heißen Singapur und Mauritius.

Autor:  Matthias Thieme
Datum:  8 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!