kalaydo.de Anzeigen

Schäuble gegen Schröder: Das große Feilschen

Aus der Bundeskasse würden einige Minister gern noch was rausnehmen - Wolfgang Schäuble wehrt sich und mahnt Sparvorschläge an. Der Streit zwischen den Ministerien läutet eine Diskussion um Einsparungen ein.


Foto: FR

Berlin. In der Koalition hat angesichts massiver Etatnöte das Feilschen um neue Ausgaben begonnen. Haushaltspolitiker riefen zu mehr Sparwillen auf und kritisierten die teuren Wünsche in den Ministerien. "Aus allen Ecken kommen neue Ausgabenforderungen statt Einsparvorschlägen", sagte Unions-Haushälter Norbert Barthle der FR. Ausdrücklich stellte er sich hinter Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Der hatte das Lieblingsprojekt der Familienministerin Kristina Schröder (ebenfalls CDU) gestoppt, die gerne das Elterngeld ausweiten würde und dafür zusätzliche Kosten von 250 Millionen Euro veranschlagt. In einem Brief an das Familienressort habe das Finanzministerium klar gestellt, dass es diesem Vorhaben nicht zustimmen könne, erklärte Schäubles Sprecher Michael Offer und bestätigte damit einen Bericht des Spiegel.

"Wir sind der Auffassung, dass alle politischen Zielsetzungen auf den Prüfstand gestellt werden müssen", bekräftigte Barthle. "Dies gilt auch für die Familienpolitik." Priorität müsse die Einhaltung der Schuldenbremse im Grundgesetz haben, wie dies auch der Koalitionsvertrag vorsehe.

Damit nimmt der Streit über die Konsolidierung schon im frühen Stadium der Haushaltsberatungen und noch vor der Steuerschätzung Anfang Mai an Fahrt auf. Denn die CSU definiert die Prioritäten ganz anders, jedenfalls die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär. Sie unterstützte das Vorhaben von Familienministerin Schröder, das Elterngeld durch zwei zusätzliche Vätermonate von 14 Monaten auf 16 Monate auszudehnen und den Eltern mehr Flexibilität bei der Kinderbetreuung einzuräumen. "Familienpolitik ist Zukunftspolitik. Dass muss Priorität haben", sagte Bär dem Handelsblatt. Die Mehrausgaben müssten an anderer Stelle eingespart werden.

Schon bei diesem vergleichsweise kleinen Projekt zeigt sich, vor welch gigantischer Aufgabe die Koalition in den nächsten Monaten steht. Sie muss nach offizieller Planung des Finanzministeriums im Haushalt 2011 mindestens zehn Milliarden Euro einsparen, um die Vorgaben der Schuldenbremse im Grundgesetz einhalten zu können. Wenn neue Ausgaben oder Steuersenkungen hinzu kommen, steigt der Konsolidierungsbedarf entsprechend. Ernstzunehmende Sparvorschläge liegen aber bislang nicht vor. Konkret sind Union und FDP ausschließlich mit Ideen für zusätzliche Belastungen für den Haushalt geworden. So verärgerte Wirtschaftsminster Rainer Brüderle (FDP) die Haushälter mit dem Ansinnen, im Zuge der Gemeindefinanzreform die Gewerbesteuer abzuschaffen und den Kommunen dafür einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer anzubieten.

Denn der Freidemokrat verriet nicht, wie dies Bund und Länder als Leidtragende einer solchen Umverteilung finanzieren sollen. Nicht vom Tisch sind auch die Steuersenkungspläne. Auch wenn die FDP zunehmend zurück rudert und sich nach und nach der Realität annähert, will die Koaltion weiter über Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe verhandeln.

Grüne gegen Schröder

Die Grünen kritisierte das Eltengeld-Konzept von Schröder als familienpolitisch unsinnig. Viel wichtiger als eine Ausweitung des Elterngeldes wäre eine Qualitätsoffensive in der Kinderbetreuung, sagte Katja Dörner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik. Eine Erhöhung der Vätermonate von zwei auf vier sei innerhalb der 14 Monate möglich.

Dörner warf Schwarz-Gelb zudem vor, mit den Steuersenkungen den familienpolitischen Gestaltungsspielraum selbst eingeschränkt zu haben. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig meinte, Schröder fehle es an Durchsetzungskraft.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  1 | 4 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!