Auf die Meinung international anerkannter moralischer Instanzen kommt es der Regierung Irans offensichtlich ebenso wenig an wie auf die Haltung von Staaten. Sonst hätte sie den Safe, in dem die Rechtsanwältin Schirin Ebadi ihre Nobelpreis-Medaille nebst Urkunde aufbewahrt, nicht so einfach öffnen und den Inhalt beschlagnahmen lassen.
Offiziell teilte das Außenministerium in Teheran am Freitag laut Nachrichtenagentur Mehr mit, bei Ebadi habe eine gerichtlich angeordnete Beschlagnahmeaktion stattgefunden, wie bei Steuerangelegenheiten im Iran üblich. Der Sprecher ließ offen, was die Behörden genau sichergestellt haben. Nach Informationen der Londoner Times bestätigte Ebadi die Beschlagnahme. Man werfe ihr vor, dass sie Steuerschulden von umgerechnet etwa 270.000 Euro habe. Das sei "aber eine vollkommene Lüge", da iranische Steuergesetze das Preisgeld ausschlössen.
Norwegens Außenminister Jonas Gahr Støre hatte am Donnerstag in Oslo erklärt, die iranische Behörden hätten Ebadis Nobelpreis-Medaille von 2003 und die dazugehörige Urkunde beschlagnahmt. Norwegen habe deshalb bei Teherans diplomatischem Vertreter protestiert. Neben der Medaille und dem Diplom hatte Ebadi 2003 in Oslo auch die Dotierung des Nobelpreises von zehn Millionen Kronen (knapp eine Million Euro) in Empfang genommen.
Ebadi finanziert nach eigenen Angaben mit einem Teil des Preisgeldes mehrere Nichtregierungsorganisationen, die politische Gefangene verteidigen, sich für Frauenrechte und den Schutz Minderjähriger vor der Todesstrafe einsetzen. Sie selbst ist seit längerem im Ausland.
Nach einem Besuch in Frankfurt a.M., wo sie Ende Oktober für den "besonderen Einsatz für Recht und Gerechtigkeit" den Humanitätspreis der örtlichen Rechtsanwaltskammer entgegennahm, wollte sie den Dalai Lama in Indien besuchen und dann nach Dubai weiterreisen.
Die Beschlagnahme in Teheran bestätigt, was die Menschenrechtsaktivistin kürzlich in Frankfurt geschildert hatte: Die Behörden des Iran versuchen mit allen Mitteln, sie bei ihrer Arbeit zu behindern. Schlägertrupps randalieren vor ihrem Büro, das Schild wurde abgerissen.
Von den 20 Anwälten, die freiwillig für Ebadis NGOs arbeiten, wurden drei festgenommen. Eine Büroleiterin saß 55 Tage im Gefängnis.
Angehende Rechtsanwälte, die mit Ebadi kooperierten, wurden aus der Anwaltskammer ausgeschlossen, Studierende von den Universitäten verwiesen. Alle Bankkonten Ebadis im Iran sind gesperrt.
"Sie können unsere Büros schließen, unsere Münder aber nicht", kommentierte Ebadi die Repressionen. Sie sieht in den zunehmenden Unterdrückungsmaßnahmen seit den Protesten gegen Wahlfälschung, die immer wieder aufflammen, ein Zeichen der Schwäche der Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad.
"Mit Bajonetten kann man alles tun, außer sich darauf zu setzen", beschrieb sie ihre Überzeugung, dass Gewalt keine Basis für die Regierung sein kann. Sie selbst ruft immer wieder zur Gewaltlosigkeit auf. "Wir versuchen dafür zu sorgen, dass die Menschen friedlich und ruhig bleiben".
Auf die Frage, wie man ihre Arbeit unterstützen könne, regte sie an, ihre Dreimonats-Berichte über Menschenrechte im Iran, die auf Persisch erscheinen, zu übersetzen.
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