Berlin. Christian Wulff ist ein vorsichtiger Mann, der gern weiß, woran er ist. So, wie er am Vortag lange vor Beginn des ersten Wahlgangs der Bundesversammlung den Plenarsaal inspiziert hat, so hat er sich gestern schon einmal in seinem neuen Amtssitz, dem Schloss Bellevue, umgeschaut. Es sei ein inoffizieller Besuch gewesen, hieß es diskret aus dem Präsidialamt. Gegen elf Uhr fuhr der neue Hausherr vor, der am Mittwochabend im dritten Wahlgang zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. Er schaute sich seine künftigen Arbeitsräume an und begrüßte einige Mitarbeiter, von denen sich manche fragen, ob sie auf ihren Posten bleiben werden.
In der Regel kommt mit einem neuen Präsidenten wenig neues Personal. Es sind dies vor allem der Staatssekretär, der zugleich Chef des Präsidialamtes ist, der Pressesprecher und die Mitarbeiter des persönlichen Büros, zu denen das Staatsoberhaupt ein besonderes Vertrauensverhältnis benötigt. Wen Wulff zum neuen Staatssekretär berufen wird, ist noch offen. Als sicher gilt, dass Olaf Glaeseker auch in Berlin weiterhin die Aufgabe des Sprechers wahrnehmen wird.
Offiziell wird er erst heute im Präsidialamt erwartet - und zwar mit allen militärischen Ehren. Er wird begleitet von Bundesratspräsident Jens Böhrnsen, der seit dem Rücktritt Köhlers die Amtsgeschäfte geführt hat. Und auch Köhler kommt und nimmt ein letztes Mal Abschied. Am Abend übernimmt Wulff dann das erste Mal die Rolle des Gastgebers - mehrere tausend Besucher werden zum Sommerfest im Schloss Bellevue erwartet. Mit dabei auch Joachim Gauck, der unterlegene Kandidat. Und während für Wulff die Arbeit nun beginnt, wird Gauck sich erst einmal zur Erholung an die Ostsee zurückziehen.
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