Carl Paladino, Kandidat für das Amt des Gouverneurs von New York aus dem Tea-Party-Lager, war noch nie für sein Fingerspitzengefühl bekannt. In der Vergangenheit verschickte er E-Mails mit rassistischen Witzen über Obama, er teilt gerne Pornos, die ihm gefallen, per Internet mit seinem Stab und in der vergangenen Woche lieferte er sich sogar eine Prügelei mit einem Reporter.
Seinen bislang unsensibelsten Moment hatte Paladino, der erste Gouverneurskandidat der Tea Party in den USA, bei einer Rede vor orthodoxen Juden. Dort erging er sich gegen Homosexuelle. „Ich will nicht, dass ihre und meine Kinder aufwachsen und glauben, dass eine gleichgeschlechtliche Verbindung eine legitime Option ist“, kommentierte er die Debatte. „Es ist einfach keine Option.“ Um die Schwulenehe wird derzeit vor mehreren Staatsgerichten gerungen.
Das Timing der Bemerkung war denkbar unglücklich. New York, einst neben San Francisco die Hochburg der Toleranz schlechthin, wird derzeit von einer Welle anti-homosexueller Gewalt heimgesucht. Am Wochenende wurden neun Angehörige einer Straßengang einem Richter vorgeführt, die in der Bronx schwule Teenager in einer leeren Wohnung stundenlang gefoltert und misshandelt hatten. Die Teenager wurden mit Teppichmessern schwer verletzt, mit Baseballschlägern geprügelt; man drückte ihnen Zigaretten auf den Geschlechtsteilen aus und vergewaltigte sie schließlich mit dem Stil eines Toilettenpümpels.
Gewalt gegen Homosexuelle
Eine Woche zuvor wurde in einer Schwulenbar auf der Christopher Street, dem Geburtsort der amerikanischen Schwulenbewegung, ein Mann in einer Toilette zusammengeschlagen. Die Angreifer hatten ihn vorher gefragt, ob dies eine Homosexuellen-Kneipe sei. Als er Ja sagte, prügelten sie auf ihn los.
Die Vorfälle zeigen ein Ausmaß der Homophobie, das man in den USA und speziell in New York seit langem überwunden glaubte. Tea-Party-Kandidaten wie Paladino scheinen sich diese Stimmung zunutze machen zu wollen und sanktionieren derartige Ausbrüche implizit durch ihre Äußerungen. Proteste aus der republikanischen Partei, die derzeit vom Erfolg ihrer Teepartei-Mitglieder profitiert, gab es gegen Paladinos Bemerkungen nicht. Lediglich eine Gruppierung homosexueller Konservativer verurteilte dessen Haltung.
In Washington harrt derweil ein Gesetzesentwurf der Obama-Regierung, der Homosexuelle im Militär gleichstellen würde, der Verabschiedung. Im derzeitigen politischen Klima, stehen die Chancen für dieses Gesetz allerdings nicht sonderlich gut.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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