Berlin. Nein, den Bericht aus Horst Seehofers Heimatzeitung brauchte Michael Glos nicht. Auch ohne die Meldung des Ingolstädter Donaukurier, der CSU-Chef wolle einen alten Kumpel aus Schrobenhausen nicht nur zum Wahlkreisnachfolger, sondern gleich zum Wirtschaftsminister machen, wusste er: Da läuft was!
Mag Glos im Regierungsamt als tapsiger "Problembär" gelten - selbst ärgste Kritiker loben seine Fähigkeiten als Strippenzieher. Und dass "der Horst" an Fallstricken für ihn knüpfte, meldete sein fein gesponnenes Netzwerk aus fast 40 Jahren CSU schon länger.
Geahnt hatte Glos es ohnehin. Deshalb, darauf legt der 64-Jährige heute Wert, hat er Seehofer gleich nach dessen Wahl zum Parteichef im vorigen Herbst unter vier Augen gesagt: Wenn Du zum Zeichen der Erneuerung auch einen neuen Wirtschaftsminister brauchst - bitteschön! Ich häng' nicht dran. Der neue starke Mann der CSU lehnte ab, zumal sich eine Alternative nicht so recht aufdrängte. Also blieb Glos im Amt. Aber dem Minister blieb auch nicht verborgen, dass er in Seehofers bundespolitischer Profilierungsoffensive keine Rolle spielte.
Der Doppelhausherr von Staatskanzlei und CSU-Zentrale in München registrierte mit wachsendem Missbehagen, dass Glos in Berlin auf dem aktuellen Profilierungsschauplatz Nummer eins - in der Wirtschafts- und Finanzkrise - über eine Nebenrolle nicht hinauskam. Bei der Suche nach einem Nachfolger im Wahlkreis 218 (Ingolstadt) kam er dann offenbar auf einen alten Bekannten: Thomas Bauer (53), Bauunternehmer mit über 8000 Beschäftigten, im Nebenamt seit 2003 CSU-Schatzmeister. Ein Mann mit Selbstbewusstsein, der Seehofers Angebot mit dem Satz quittierte: "Nur für ein Mandat im Bundestag würde ich die Firma nicht verlassen." Konkreter sei man nicht geworden.
Man kann sich leicht vorstellen, wie gerne die stolzen "Nur"- Abgeordneten der CSU-Landesgruppe im Bundestag das lesen werden. Die waren schon auf die Extratouren des Ingolstädter Abgeordneten Horst Seehofer nicht gut zu sprechen. Ob der in seiner neuen Rolle wirklich den überregional unbekannten Unternehmer, der bereits für das bayerische Kabinett keine Berücksichtigung fand, als Wirtschaftsminister präsentieren wollte? Oder ist da der Gerüchtetopf nur ein paar Bläschen zu viel übergekocht?
Egal, Glos mochte so nicht mit sich umspringen lassen. Bei einer öffentlichen Veranstaltung sagte er am vorigen Freitag über sein Amt: "Ich habe es mir nicht gewünscht, ich habe es mir nicht ausgesucht." Einen Tag drauf gab Bild am Sonntag, ein Blatt zu dem er stets beste Kontakte pflegte, die Meldung über sein parteiinternes "Rücktrittsgesuch" an Seehofer an die Nachrichtenagenturen: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden."
Dass der Satz, wäre er ernst gemeint, an die Kanzlerin hätte gerichtet sein müssen - Glos weiß das. Er hat Angela Merkel seinen Schritt kurz vor der Veröffentlichung erläutert und versichert, er sei nicht gegen sie gerichtet. Er wollte damit Seehofer zur öffentlichen Loyalitätsbekundung nötigen. Oder ihn wenigstens als den hinterhältigen Intriganten entlarven, der er aus seiner Sicht ist. Beides ist gelungen. Das Amt hat es ihm dennoch nicht gerettet.
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