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Politik
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17. Dezember 2012

Selbstverbrennungen in Tibet: "Schreckliche Form des Protestes"

Protest von Tibetern in New York.  Foto: Reuters

In Tibet haben sich in den vergangen zwei Jahren 94 Menschen selbst angezündet. Nadine Baumann von der Tibet Initiative Deutschland erklärt, warum so viele Tibeter sich für diese schreckliche Form des Protestes gegen die chinesische Besetzung entscheiden.

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Frau Baumann, welche Informationsquellen haben Sie in Tibet? Wie erfahren Sie von den Selbstverbrennungen?

Die Nachrichten, die uns aus Tibet erreichen, kommen vor allem von tibetischen Exilanten in Indien, die enge Kontakte nach Tibet unterhalten und die Selbstverbrennungen dokumentieren. So wissen wir, dass es seit März 2011 mindestens 94 Selbstverbrennungen gab. Über 80 Menschen starben. Das ist eine schreckliche Zahl. Wer überlebte, befindet sich vermutlich in Polizeigewahrsam. Allein seit Anfang November haben sich 32 Tibeter selbst angezündet. Zuletzt ein 16-jähriges Mädchen.

Warum wählen sie dieses verzweifelte Mittel?

Es ist eine neue politische Protestform. Menschen entscheiden sich für diesen letzten und sehr grausamen Schritt, weil sie in ihrem eigenen Land massiv unterdrückt werden und keinen anderen Ausweg mehr sehen. Sie dürfen ihre Sprache nicht sprechen, ihre Religion nicht ausüben, nicht über ihre eigenen Ressourcen verfügen. Tibet befindet sich im Belagerungszustand, überall sind Überwachungskameras. Es ist eine Atmosphäre der Angst, in der die Tibeter leben müssen. Und sie fühlen sich von der Welt im Stich gelassen. Da erscheinen ihnen Selbstverbrennungen als die einzige Möglichkeit, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

Welche Wirkung haben die Selbstverbrennungen?

Die Bundesregierung hat sich besorgt geäußert, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und auch US-Regierung. Mehrere Regierungen haben die chinesische Führung aufgefordert, die Menschenrechte in Tibet einzuhalten. Das sind wichtige Signale, aber es ändert an der Situation in Tibet nichts. Wir fordern dringend eine einheitliche Tibet-Politik der EU, damit China sich hier nicht länger seiner Verantwortung entziehen kann.

Wie reagieren die chinesischen Besatzer auf die Selbstverbrennungen?

Die chinesische Regierung hat bisher keine andere Antwort darauf gefunden, als noch brutaler und noch gewalttätiger gegen die Tibeter vorzugehen. Wenn die Chinesen mitbekommen, dass ein Tibeter sich selbst anzünden will, schreiten sie ein und versuchen das zu verhindern. Was mit den Menschen geschieht, die dann festgenommen werden, wissen wir nicht.

Wie steht der Dalai Lama zu den Selbstverbrennungen?

Der Dalai Lama hat mehrfach an seine Landsleute appelliert, auf diese schreckliche Form des Protestes zu verzichten. Auch der Sondergesandte des Dalai Lama für Europa, Kelsang Gyaltsen, wird über die Selbstverbrennungen sprechen, wenn er am Mittwoch zu politischen Gesprächen nach Berlin kommt. Wir hoffen, dass Berlin auf die neue chinesische Führung einwirkt, in Tibet die Menschenrechte zu wahren und den Dialog mit den Tibetern zu suchen.

Setzt sich die Bundesregierung nachdrücklich genug für die Tibeter ein?

Als politische Nicht-Regierungsorganisation dürfen wir mit der Bundesregierung eigentlich nie zufrieden sein. Aber im internationalen Vergleich stellen wir fest, dass es von Seiten der deutschen Politik viel Unterstützung gibt, auch aus unterschiedlichen Parteien. Die Bundesregierung spricht das Thema Tibet auch in den Gesprächen mit der chinesischen Führung immer wieder an. Aber wir müssen weiter daran arbeiten, dass dies zu konkreten Verbesserungen führt, die die Tibeter in Tibet tatsächlich spüren.

Was erwarten Sie für 2013?

Wir müssen jeden Tag damit rechnen, dass wir von neuen Fällen von Selbstverbrennungen hören. Solange sich die Lage in Tibet nicht bessert, können wir keine große Hoffnung haben, dass das aufhört.

Das Gespräch führte Bettina Vestring

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