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17. November 2010

Seuche: Cholera erreicht die USA

Ein dominikanischer Soldat an der Grenze zu Haiti. Foto: dpa

Vier Wochen nach dem Ausbruch der Cholera in Haiti ist die Epidemie auch in den USA aufgetreten. Zuvor war schon ein Fall in der Dominikanischen Republik bekannt geworden. Dort beginnt im Dezember die Hauptreisezeit.

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Vier Wochen nach dem Ausbruch der Cholera in Haiti ist die Epidemie auch in den USA aufgetreten. Zuvor war schon ein Fall in der Dominikanischen Republik bekannt geworden. Dort beginnt im Dezember die Hauptreisezeit.

Miami/Santo Domingo –  

Erster bekannt gewordener Fall einer Infektion in den USA ist nach einem Bericht der Zeitung The Miami Herald vom Mittwoch eine Frau, die von einem Verwandtenbesuch aus Haiti nach Florida zurückgekehrt war. „Es geht ihr recht gut“ sagte dér Arzt Thomas Torok vom Gesundheitsbüro für Seuchenforschung. Weitere Fälle in anderen Gebieten Floridas würden untersucht, sagte der Arzt. Die infizierte Frau war bereits vor einer Woche mit Cholera-Symptomen aus Haiti zurückgekehrt.

In Florida werden nach den Angaben der Zeitung weitere Fälle erwartet. Mehr als 240 000 Haitianer leben in dem US-Bundesstaat. Zwischen Haiti und Miami verkehren täglich mehrere Flüge.

Wie das Gesundheitsministerium in der dominikanischen Hauptstadt Santo Domingo am Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte, ist ein aus Haiti stammender Gastarbeiter an der Cholera erkrankt. Der 32-Jährige, der eine Arbeitsgenehmigung für die Dominikanische Republik habe, sei in einem Krankenhaus der Stadt Higüey im Osten des Landes isoliert worden, nachdem die Erkrankung nachgewiesen worden sei, berichtete die Zeitung El Nacional. Das Gesundheitsministerium betonte, dass es keinen Grund zur Besorgnis gebe, da der Infizierte von den Gesundheitsbehörden überwacht werde.

Cholera

Die Cholera verursacht lebensgefährliche Durchfälle. Die meisten Menschen infizieren sich über Trinkwasser, das mit Fäkalien verschmutzt ist, oder über verunreinigte Lebensmittel. Bei schneller Diagnose und Behandlung - vor allem mit sauberem Wasser, Elektrolyten und Antibiotika - ist die Prognose aber gut.

Im bettelarmen Haiti leben rund 80 Prozent der zehn Millionen Einwohner von weniger als zwei US-Dollar täglich. Selbst Grundnahrungsmittel sind für viele schier unbezahlbar.

Der Haitianer war vor wenigen Tagen von einem Besuch in der Heimat zurückgekehrt, wo er sich offensichtlich angesteckt hatte. Die Dominikanische Republik und Haiti teilen sich die Insel Hispaniola in der Karibik östlich Kubas. Die Cholera war am 19. Oktober im zentralen haitianischen Department Artibonite ausgebrochen. Mehr als 1000 Menschen sind mittlerweile gestorben, rund 16 000 haben sich infiziert.

Die gefährliche, aber heilbare Krankheit wird hauptsächlich durch bakterienverseuchtes Wasser übertragen. In Haiti trinken viele Menschen vor allem auf dem Lande ungereinigtes Flusswasser. An den Grenzübergängen zu Haiti hat die Dominikanische Republik strenge sanitäre Kontrollen eingeführt.

Die Dominkanische Republik wird jährlich von rund drei Millionen Touristen bereist. Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisewarnungen schon seit dem Ausbruch der Cholera in Haiti auf die Gefahr eines Ausbruchs auch im Nachbarland hin. Die Ansteckungsgefahr für Personen, die sich in den Touristengebieten (zum Beispiel Punta Cana, Puerto Plata) oder der Hauptstadt Santo Domingo aufhalten, sei aber gering.

In Haiti sind nach offiziellen Angaben zufolge bisher 1034 Menschen an der Cholera gestorben. Wie die Behörden am Dienstag (Ortszeit) mitteilten, erkrankten 16700 Menschen. Ein Schwerpunkt ist laut Gesundheitsministerium die Hauptstadt Port-au-Prince, wo seit dem Erdbeben vom Januar Hunderttausende Menschen in Obdachlosenlagern leben.

Am Dienstag protestierten in Haiti erneut Tausende Demonstranten gegen die UN-Friedenstruppen. Sie werfen den Blauhelmen vor, die Epidemie eingeschleppt zu haben. Bei gewalttätigen Protesten waren am Tag zuvor zwei Demonstranten getötet und viele verletzt worden. Präsident René Préval warf den Organisatoren der Demonstrationen vor, die Epidemie für eigene Zwecke zu missbrauchen: „Steinwürfe, Barrikaden und Schüsse töten nicht das Cholera-Bakterium“. (dpa/fr)


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