Die Geschichte klingt wie eine Verschwörungstheorie oder ein Endzeit-Thriller. Es geht um das Internet. Es geht um sieben Menschen. Es geht um sieben Schlüssel, mit denen die Hüter das World Wide Web retten können. Der Plot geht so: Im Falle eines Cyberangriffs kommen die Bewahrer an einem geheimen Ort in den USA zusammen, um dort das Internet neu zu starten. So fiktiv es sich anhört: Seit vergangener Woche, mit Einführung des Online-Sicherheitssystems DNSSEC (Domain Name System Security), gibt es dieses geheimnisvolle Team tatsächlich.
Das Internet ist ein verführerisches Ziel für Attacken. Mehr als zwei Drittel aller Deutschen sind online, weltweit jeder Fünfte. Online-Banking, Internetauktionen, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter – ein großer Teil unseres Lebens spielt sich in der virtuellen Welt ab. „Wenn das Internet weltweit lahm gelegt ist, ist die Welt lahm gelegt“, sagt Isabell Unseld vom Anti-Viren-Spezialisten McAfee. Kaum vorstellbar, wenn Kriminelle diese Schwäche ausnutzen könnten.
An diesem Punkt der Geschichte kommen die sieben Herrscher über das Internet wieder ins Spiel. Sie leben in Tschechien, Kanada, China, Trinidad Tobago, Burkina Faso, USA und Großbritannien. Einer von ihnen hat sich jetzt verraten. Paul Kane, ein Engländer, hat erzählt, dass er seinen Schlüssel in einer bombensicheren Tasche in einem Tresor aufbewahre.
Dass es die sieben Retter tatsächlich gibt, sagt auch Costin Raiu, Chef des weltweiten Virenanalystenteams der Internet-Sicherheitsfirma Kaspersky: „Das ist kein Märchen, das ist wirklich so. Ich habe zwar noch keinen persönlich kennen gelernt, weil sie im Verborgenen agieren. Aber dass es sie gibt, ist bestätigt.“
Sollte einmal das Netz beschädigt werden müssen fünf der sieben Auserwählten zusammenkommen, um mit ihren Freischalt-Karten gemeinsam die Cyberattacke abzuwehren. Das hat die Non-Profit-Organisation ICANN bekanntgegeben, die als eine Art Weltregierung des Netzes gilt.
Dass es technisch gar nicht so kompliziert ist, das Internet grundlegend zu stören, weiß man seit rund zwei Jahren, als Sicherheitsexperten ein kritisches Problem beim so genannten Domain Name System (DNS) ausmachten. Das DNS ist dafür zuständig, die Ziffern-Adresse einer Internetseite mit einem für den Nutzer leicht merkbaren Namen zu verknüpfen. „Bislang war es Kriminellen möglich, sich bei diesem Schritt dazwischen zu schalten, um damit Firmen auszuspionieren oder im einfachsten Fall Suchanfragen auf eine Seite lenken, um damit Aufmerksamkeit zur erregen“, sagt Jürgen Kuri, Internetexperte der Computer-Fachzeitschrift CT.
Mit der Einführung des Online-Sicherheitssystems DNSSEC am 15. Juli, soll gewährleistet werden, dass sich bei der Eingabe einer Adresse tatsächlich nur der angesteuerte Server meldet. Jeder Server erhält einen digitalen Ausweis. Die Namen werden auf 13 Servern auf der Welt verwaltet. Was das alles mit den sieben Schlüsselträgern zu tun hat? Sie kämen zum Einsatz, wenn der Masterschlüssel, der die Namen codiert, geknackt wird. Durch das Zusammenführen ihrer Schlüssel können sie einen neuen Mastercode erzeugen.
Gegen eine physische Zerstörung kann aber auch der Geheimbund nichts tun. Sollten die wichtigsten Server zerstört oder Tiefseekabel gekappt werden, wären sie machtlos. Dass es Terroristen aber gelingt alle wichtigen Server und Kabel auf einmal auszuschalten, ist sehr unwahrscheinlich.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten
13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.