Viktor Janukowitsch ist mit einer knappen Mehrheit zum neuen Präsidenten der Ukraine gewählt worden. Der Nato-Gegner erhielt am Sonntag einer Prognose des Fernsehsenders ICTV zufolge 48,28 Prozent der Stimmen. Damit landete der pro-russische Oppositionsführer knapp vor seiner Rivalin, der pro-westlichen Regierungschefin Julia Timoschenko, die auf 46,11 Prozent kam.Tausende Anhänger des Oppositionsführers feierten das Ergebnis am Abend in Kiew.
Die pro-europäische Timoschenko will aber offenbar das Ergebnis nicht akzeptieren. Ihr Wahlstab warf Janukowitsch vor, die Abstimmung manipuliert zu haben. Seine Anhänger hätten Wahlbeobachter vor allem im Osten des Landes daran gehindert, die Stimmabgabe zu überwachen. Zudem habe Janukowitsch auch massiv Stimmen gekauft.
Timoschenko selbst rief ihre Anhänger gestern noch einmal auf, nach der Wahl in Kiew gegen die Fälschungen zu demonstrieren. Ein Sprecher der offiziellen internationalen Wahlbeobachtergruppe erklärte allerdings in Kiew, dass sie keine massiven Verstöße registriert hätten. Die Wahlen seien insgesamt ruhig und relativ fair verlaufen, erklärte Wlodymyr Mayewsky, Sprecher des ukrainischen Innenministeriums. Insgesamt seien 52 kleinere Verstöße registriert worden.
Amtsinhaber Viktor Juschtschenko war in der ersten Runde am 17. Januar als großer Verlierer aus dem Rennen ausgeschieden. Nur etwa fünf Prozent der Ukrainer wollten für ihn eine zweite Amtszeit. Juschtschenko hatte sich vor fünf Jahren nach einem Skandal um Wahlfälschungen mit seiner pro-westlichen Reformbewegung gegen Janukowitsch durchgesetzt. Die 46 Millionen Ukrainer beklagen aber, dass das Land nach wie vor sozial zerrüttet und extrem korrupt sei.
Auch im Westen wurde die Wahl mit Interesse verfolgt. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland der Europäischen Union für russisches Gas. In den vergangenen Wintern kam es zwischen Kiew und Moskau wegen der Energielieferungen immer wieder zu Streit. 2006 hatte Russland für einige Tage den Gashahn abgedreht, was zum Energienotstand in weiten Teilen Europas führte.
Für Unruhe sorgten Gerüchte um geplante Anschläge. Nach Angaben der Polizei wurden in der Innenstadt von Kiew am Wochenende zwei Männer festgenommen. Einer sei aus der Region Donetzk und habe fast ein halbes Kilo Sprengstoff bei sich getragen. Zudem soll ein 42-jähriger Georgier Sprengstoff und andere Materialien zum Bau einer Bombe bei sich getragen haben, teilten die Sicherheitskräfte mit. (mit dpa)
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