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Simbabwe: Blutiges Gold für das Regime

Das Land zu Grunde gerichtet, die Bevölkerung unterdrückt - und Robert Mugabes Vize-Präsidentin versucht illegal 3,7 Tonnen Edelmetall in Europa zu verkaufen. Von Matthias Thieme

Ausbeutung und Elend zur Finanzierung von Kriegen: Goldminen-Arbeiter im Nordosten Kongos.
Ausbeutung und Elend zur Finanzierung von Kriegen: Goldminen-Arbeiter im Nordosten Kongos.
Foto: rtr

Während Simbabwes Präsident Robert Mugabe die Bevölkerung unterdrückt und sein Land wirtschaftlich zu Grunde richtet, versucht der Herrscher des südafrikanischen Landes nach FR-Informationen gleichzeitig, auf illegalen Wegen und mit europäischen Helfern an Devisen zukommen.

Der FR vorliegende Verträge und Schriftwechsel dokumentieren detailliert den Plan des Mugabe-Regimes, durch einen Verkauf von 3,7 Tonnen Gold in Europa an Devisen in Höhe von rund 80 Millionen Dollar zu gelangen. Der verzweifelte Versuch eines Despoten, seine private Kasse noch mehr zu füllen, oder die gängige Praxis eines bankrotten und völlig isolierten Staates?

Am Freitag rief Mugabe die Bevölkerung seines Landes auf, auf den Westen mehr Druck auszuüben, um eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen - die er zu privaten Zwecken offenbar eifrig zu unterlaufen versucht.

Mugabes katastrophale Politik hat Simbabwe eine Arbeitslosenquote von 90 Prozent beschert, eine Hyperinflation von zuletzt 230 Millionen Prozent mit totaler Geldentwertung und Abschaffung der einheimischen Währung. Doch um seine eigenen ausschweifenden Bedürfnisse zu finanzieren - jüngst kaufte er eine pompöse Luxusvilla in Hongkong für rund fünf Millionen Dollar - scheint dem 85-jährigen Despoten jedes Mittel recht zu sein.

Doch wie funktioniert der Ausverkauf der Landesressourcen konkret? Die Dokumente zeigen: Die Geldbeschaffungsaktion lief über die Vize-Präsidentin Simbabwes, Joyce Mujuru. Deren Tochter, Nyasha del Campo, trat in Europa als Verkäuferin der riesigen Goldmenge auf. Mit Hilfe von Anwälten versuchte del Campo, das Gold an die international tätige Rohstoffhandelsgesellschaft Firstar zu verkaufen.

Die Firma erhielt Echtheitszertifikate, Fotos der Gold-Nuggets, Ausfuhrgenehmigungen und detaillierte Übergabeverträge kenianischer Anwälte, welche die Zahlungsmodalitäten der immensen Dollar-Summe regeln sollten und über die auf keinen Fall gegenüber Medien gesprochen werden sollte.

In der Schweiz, so der Plan des Mugabe-Regimes, sollte das Gold eingeschmolzen und vom Rohstoffbroker Firstar weiterverkauft werden. Doch dazu kam es nicht. Weil Vize-Präsidententochter del Campo ausgerechnet die Republik Kongo als Herkunftsort des Goldes angab, wurde die Firma hellhörig.

Sanktionslisten der EU und der USA verbieten den Handel mit Gold und Diamanten aus dem Kongo, der die finanzielle Grundlage für schwerste Menschenrechtsverletzungen sein soll. Firstar konfrontierte Mugabes Mittlerin del Campo mit diesen Vorwürfen.

Ihre sinngemäße Antwort: "Kein Problem, dann kommt das Gold eben aus einem anderen Land - wir ändern das." So berichtet es der VizePräsident von Firstar Europe, Bernd Hagemann. Seine Firma ging nicht auf das krumme Geschäft ein, sondern machte den Vorgang öffentlich.

Unter der Internetadresse www.firstar.eu/BLACKLIST/mujuru-del-campo.htm kann nun jeder nachlesen, wie der abenteuerliche Gold-Deal platzte. Eine gefährliche Sache für Bernd Hagemann: Kurz danach bekam er einen Anruf der simbabwischen Vize-Präsidentin Mujuru höchstpersönlich. "Sie hat mich bedroht", sagt Hagemann. "Sie sagte, wenn ich sie nicht von unserer Blackliste nehme, werde ich demnächst Besuch bekommen, der mir nicht gefallen wird - das war eine glatte Drohung."

Laut Branchen-Kennern ist Vize-Präsidentin Mujuru in mehrere Geschäfte mit Gold- und Diamantenminen im Kongo involviert, die jeweils über kenianische Anwälte abgewickelt werden. Auch in einem weiteren Fall?

Vor drei Tagen bekam Firstar ein neues Angebot. Wieder ging es um Gold, wieder war das Herkunftsland Kongo, die lokalen Vermittler saßen wieder in Kenia. Nur in Europa trat laut Dokumenten ein neuer Mann als Verkäufer auf: Hans L., Manager der österreichischen Kapitalanlage-Gesellschaft "Erste Sparinvest" mit Sitz in Wien versuchte, 520 Kilo Gold-Staub aus dem Kongo zu verkaufen.

Obwohl die Firma Firstar dem umtriebigen Manager der Sparinvest mitteilte, dass sie Gold aus dem Kongo wegen der dortigen Verletzung von Menschenrechten nicht ankauft, versucht L. sein Geschäft weiter zu treiben - das belegen Schriftwechsel von L. mit offizieller Sparinvest-Adresse.

Die Bank ist alarmiert: "Wir halten den Handel mit solchen Produkten für unethisch und unmoralisch", sagte Michael Mauritz, Sprecher der "Erste Bank", Mutter der Sparinvest auf FR-Anfrage. Man habe die Revision und die Behörden eingeschaltet. "Die Vorwürfe werden untersucht und es werden Konsequenzen gezogen", versprach Mauritz.

Autor:  MATTHIAS THIEME
Datum:  17 | 4 | 2009
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