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25. Januar 2013

Sinus-Studie katholische Kirche: Katholiken leiden an ihrer Kirche

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Die Katholiken sehen ihre Kirche inzwischen in einer desolaten Lage.  Foto: dpa/Oliver Berg

Der Verlust der katholischen Kirche an Vertrauen, Relevanz und Lebensnähe schlägt in Deutschland jetzt auch massiv auf den harten Kern ihrer Mitgliedschaft durch. Das ist das Ergebnis der jüngsten Milieu-Studie, die das Sinus-Institut in kirchlichem Auftrag erstellt hat.

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Im Vergleich zu den Ergebnissen der acht Jahre alten Vorgänger-Studie hat sich das Bild zum Teil deutlich verschlechtert. Die Katholiken sehen ihre Kirche inzwischen in einer desolaten Lage. Zwei Motive bestimmen laut Studie diese Sicht: Auch unter den treuesten Anhängern, die sich nur noch auf wenige – eher konservativ-traditionelle – Milieus konzentrieren, „hat die Glaubwürdigkeit der Institution unter der Aufdeckung und dem Umgang mit Missbrauchsfällen durch katholische Geistliche und Mitarbeiter massiv gelitten“. Die Empörung sei durchweg groß, das Ansehen der Kirche massiv beschädigt, ihr Modernisierungsdefizit erwiesen.

In dieser Einschätzung treffen sich die kirchennahen mit den fernstehenden Katholiken. Überdies lösten Strukturreformen und Pfarreifusionen als Folge des Priestermangels Unsicherheit und Unmut aus, speziell in den Kernmilieus. Grundlage der qualitativen Erhebung sind 100 Einzelfallstudien mit langen Interviews, die trotz der kleinen Stichprobe ein gültiges Bild der Gesellschaft zeichnen will. Befragt wurden ausschließlich Mitglieder der katholischen Kirche.

Massiv kritisieren diese eine als „weltfremd, reaktionär und obstruktiv“ beschriebene Kirchenleitung, namentlich Papst Benedikt XVI. mit einer „rückwärts gewandten Kirchenpolitik“.

Keine Bindung in armen Schichten

Der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann, Fachberater der Studie, sprach von vertiefter Spaltung zwischen der Wahrnehmung der Kirche als Apparat und als tragfähiges lokales Beziehungsnetz. Gerade an ihrer verlässlichen Präsenz vor Ort aber habe die Kirche selbst Zweifel gesät, sagte Sellmann dieser Zeitung.

Spiegelbildlich dazu sind die Erwartungen an die Kirche nach wie vor hoch. Allerdings messen ausgerechnet die jungen und unterschichtigen Milieus der Kirche kaum noch Bedeutung bei: Verschwände die Kirche, wäre das im Alltag dieser Menschen „ohne Bedeutung“, schreiben die Verfasser der Studie. Dieser Befund ist alarmierend, weil darin sowohl der Abbruch kirchlicher Bindung in der Generationenfolge sichtbar wird und besonders auch bei den Schwächeren in der Gesellschaft.

Die Studie verzeichnet überdies eine wachsende Bereitschaft zum offenen Widerstand gegen „nicht lebensdienliche Kirchenregeln oder Dogmen“. Die Verfasser nennen exemplarisch die Diskriminierung von Frauen, den Pflichtzölibat der Priester, die Ächtung von Homosexualität, Empfängnisverhütung und unehelichem Sex. Jede Form von Ausgrenzung werde „als unchristliches Verhalten missbilligt“.


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Nur vor der letzten Konsequenz schrecken die meisten Kirchenmitglieder dann doch zurück – aus ganz pragmatischem Grund: Der Kirchenaustritt sei schwer rückgängig zu machen, falls man die Dienste der Kirche bei familiären Anlässen oder in Notlagen doch einmal brauchen sollte. Aus „Angst, einfach verscharrt zu werden“, blieben somit auch solche Katholiken in der Kirche, die sonst am liebsten austräten.

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