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Politik
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12. Dezember 2008

Skandal bei der LBB: Gigantisches Datenleck

 Von MATTHIAS THIEME
Diese Mikrofilme mit Kontodaten wurden der FR gleich stapelweise zugespielt.  Foto: Kraus/FR

Zehntausende Kreditkarten-Daten verschiedenster deutscher Banken sind anonym bei der FR eingegangen. Das ist ein Datenverlust in bisher nicht erreichter Dimension. Von Matthias Thieme

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Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist die Landesbank Berlin (LBB) von einem gigantischen Datenverlust betroffen. Weil es sich bei der LBB um den größten Kreditkarten-Vergeber Deutschlands handelt, sind auch viele Kunden anderer Banken in Mitleidenschaft gezogen.

So liegen der FR detaillierte Kreditkartenabrechnungen Zehntausender Kunden verschiedener Geldinstitute quer durch die Republik vor. Lesbar sind Vor- und Nachname der Kunden, Adresse, Kreditkartennummer, Kontonummer und jede einzelne Bezahl-Aktion mit dazugehörigem Betrag.

Auch Auslandsbuchungen, Rücküberweisungen und die kompletten Zahlungsabwicklungen zwischen Firmen und Banken sind nachvollziehbar. Die Daten stammen aus diesem Jahr, viele Auflistungen bilden die Einkäufe der Kunden im August 2008 ab.

Die LBB gibt auch Kreditkarten für andere Banken aus. Die Bankleitzahlen der Institute liegen der FR ebenfalls vor. Da es sich um eine Art Hyper-Datensatz der Landesbank handelt, sind verschiedenste Kreditkartentypen betroffen.

Unter anderem die Karten ADAC Gold-Mobil-Doppel, Amazon Visa, White Lable Premium, ADAC Classic Mobile Master, ADAC Classic mobile Visa, Schmetterling Premium, Visa Geschenkkarte, ADAC Gold Mobile Master ADAC Gold Doppel, LBB Classic Eurocard, LBB WBI Classic Card, Xbox Classic Card, ADAC Einstieg Visa.

Aufgezeichnet sind die Daten, die der FR anonym per Post zugespielt wurden, auf Mikrofiches - durchsichtigen Folien, die je Tausende Daten speichern können. Hunderte dieser Mikrofilme liegen der FR vor, ebenso Geheimnummern (Pin) für Kreditkarten von Kunden.

"Das ist ein Skandal erheblichen Ausmaßes", sagte der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix der FR. "Die Ermittlungsbehörden müssen tätig werden." Dass Mikrofiches durch die Gegend geschickt würden, halte er für "äußerst ungewöhnlich", sagte Dix. "Das ist eine Speichertechnologie des vergangenen Jahrhunderts."


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Ob Sicherheitsvorschriften verletzt wurden, müsse jetzt geklärt werden. "Sollte sich hier strafbares Verhalten herausstellen, werden wir die Landesbank einer Prüfung unterziehen", so Dix. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um das aufzuklären."

Auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, ist alarmiert. "Die Vielfältigkeit und Aktualität der Datensätze ist unvorstellbar", sagte sein Sprecher am Freitag. "So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten." Jetzt stelle sich die Frage, wo die Daten noch gelandet sein könnten. "Denkbar ist, dass das gleiche Paket jemandem zum Verkauf angeboten wurde", so der Sprecher.

Schaar sei überrascht, dass die Landesbank solche Datenmengen auf Mikrofiches speichere. "Das ist ein starkes Stück", so der Sprecher. "Das entspricht nicht den aktuellen Sicherheitsvorschriften."

Nach FR-Informationen stammen die Mikrofiches von der Firma AtosWorldline, die für die Landesbank die Abrechnungen erstellt und eine Filiale in Frankfurt hat. "Wir arbeiten mit diesem Unternehmen zusammen", bestätigte ein LBB-Sprecher. "Von dem Datenverlust ist bislang nichts bekannt. Wir nehmen das aber sehr ernst." Eine Atos-Sprecherin sagte: "Das überrascht mich, wir prüfen, was passiert ist."

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