kalaydo.de Anzeigen

Skandalprojekt "Nürburgring 2009": Crashtest für Beck

Stolpert auch Ministerpräsident Kurt beck über die dubiose Privatfinanzierung für das "Nürburgring 2009"-Projekt? Gab es wirklich einen Investor? Und noch eine Frage: Wo sind die Millionen vom Land?

Zumindest äußerlich gelassen: Kurt Beck am Nürburgring.
Zumindest äußerlich gelassen: Kurt Beck am Nürburgring.
Foto: ddp

Der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck (SPD) kommt wegen der gekippten Privatfinanzierung für das 250 Millionen Euro schwere Nürburgring-Freizeitprojekt unter Druck. Ein Untersuchungsausschuss soll die dubiosen Vorgänge aufklären, die vorigen Dienstag zum Rücktritt von Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) führten.

CDU-Fraktionschef Christian Baldauf kündigte am Freitag im Landtag an, er werde den Ausschuss in einer Sondersitzung beantragen. Der Ausbau der Rennstrecke sei ein "zweifelhaftes Projekt mit zweifelhafter Rentabilität". Er griff zudem Beck persönlich an, der die Privatfinanzierung der "Erlebniswelt" verteidigt hatte. "Die Verantwortung tragen Sie. Sie ganz alleine", sagte Baldauf.

Unterdessen kommen neue Details des geplatzten Deals ans Licht. Sie zeigen, dass das Finanzministerium in Mainz offenbar einem Betrüger aufgesessen ist. Der US-Geschäftsmann Pierre S. DuPont, der angeblich in das Projekt investieren wollte, bestreitet jedes Interesse daran und auch, überhaupt Kontakt mit dem Finanzvermittler Urs Barandun gehabt zu haben. Barandun hatte angeblichen Deal konzipiert.

"Alle Behauptungen, dass ich Anleger oder potentieller Anleger bin oder einmal war, sind völlig falsch und unbegründet", schreibt der Amerikaner in einer Erklärung, die der Südwestrundfunk veröffentlichte. Beck hatte am Mittwoch DuPont, ein Mitglied der US-Chemieindustrie-Dynastie, erstmals namentlich genannt - vorher war immer nur von einem "US-Investor" die Rede gewesen.

Wo sind die Millionen?

Der Schweizer Barandun hatte DuPont der Landesregierung als Geldgeber empfohlen und einen angeblichen DuPont-Kontoauszug über 138 Millionen Dollar sowie zwei Schecks über zusammen 100 Millionen Dollar präsentiert. Die Frage, ob die Schecks gedeckt und die Unterschrift gefälscht waren, soll nun von der Staatsanwaltschaft geprüft werden. DuPont schrieb dazu: "Ich kenne Herrn Baradun nicht und habe weder mit ihm noch mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung irgendetwas zu tun gehabt."

Beck zollte Deubel noch einmal seinen Respekt, schob ihm aber auch die volle Verantwortung zu: Aufgrund von Deubels Berichten habe es "keinen Grund" gegeben, den Finanzierungsweg infrage zu stellen. Am Freitag blieb spannend, ob 95 Millionen Euro, die das Land zur Absicherung des dubiosen Projekt bereits vor Wochen auf einem Schweizer Konto der Nürburgring GmbH hinterlegt hatte, auch wieder in der Staatskasse gelandet waren. Beck teilte mit, die Rücküberweisung von der UBS-Bank St. Gallen auf ein Konto der Nürburgring-Firma bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sei am Mittwoch veranlasst worden.

Der CDU-Politiker Baldauf hatte Beck aufgefordert, "gegenüber dem Landtag den Eingang des Geldes auf einem Konto des Landes" nachzuweisen. Angeblich waren zwei Mitarbeiter der Nürburgring GmbH in die Schweiz gereist, um das Geld "zurückzuholen". Dies lasse "im Zeitalter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs das Schlimmste befürchten".

Die Opposition fordert weitere personelle Konsequenzen

Beck verteidigte das "Nürburgring 2009" Projekt, das er am Donnerstag selbst vor Ort in der Eifel mit eröffnet hatte und das nun über staatlich abgesicherte Kredite finanziert wird. Es sei ein "für die Region und weit darüber hinaus zentrales Zukunftsprojekt". Die Nürburgring GmbH erwartet ein Umsatzplus von 50 Millionen und hofft, bereits 2010 in den schwarzen Zahlen zu sein. Kritiker bezweifeln die Rentabilität. Bisher ist im Winterhalbjahr wetterbedingt kaum Betrieb am Ring.

Die Opposition forderte weitere personelle Konsequenzen. Baldauf sagte, das Management der Nürburgring-Gesellschaft müsse ausgewechselt werden. FDP-Fraktionschef Herbert Mertin forderte zudem, die Rolle der Firma Mediinvest des Geschäftsmanns Kai Richter zu beleuchten, die unter anderem die neuen Hotels gebaut hat und "am Land" schmarotze.

Nach Informationen der Eifel-Zeitung hat eine Tochter der landeseigenen Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz dem Privatinvestor Mediinvest bereits vor zwei Monaten wegen Liquiditätsproblemen mit einer zweistelligen Millionensumme unter die Arme gegriffen. Er habe Handwerkerrechnungen nicht mehr bezahlen können. Von der Bank waren am Freitag keine Auskünfte zu erhalten.

Autor:  JOACHIM WILLE
Datum:  10 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


Neuste Bildergalerien Politik
Pro-Tibet-Proteste in Washington
Sieben Lastwagen und 15 Autos sind in der Nacht auf der A 57 bei Dormagen ineinandergerast. Foto: Oliver Berg
Toter und 13 Verletzte bei Massenkarambolage auf A 57
Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.
Was die Deutschen verdienen
Menschen formen auf dem Neumarkt in Dresden aus lauter brennenden Kerzen eine Riesenkerze.
Friedliche Anti-Nazi-Demo in Dresden
Ein Zettel mit dem Aufruf "Naziaufmärsche stoppen" von Gegnern einer Neonazi-Demonstration liegt in Dresden auf der Straße
Dresden wehrt sich gegen Neonazis
Sicherheitsleute begutachten ein beschädigtes Auto vor der israelischen Botschaft in Neu Delhi.
Anschläge auf israelische Diplomaten
Kolumne

Unser Autor Stephan Hebel macht launische Bemerkungen über die doppelte Merkel, den griechischen Unmut über Spar-Kommissare - und, natürlich, den Sylt-Urlaub unseres Staatsoberhaupts.

Spezial
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe im Spezial zum Neonazi-Terror.

Interaktiv

Hier finden Sie alle Termine und aktuellen Ergebnisse der Vorwahlen der Republikaner, sowie Informationen zu den Präsidentschaftskandidaten.

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Fotostrecke
Fotostrecke
Politiker-Pannen 2011 (14 Bilder)
Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Fotostrecke
Plaßmanns Welt (241 Bilder)

Anzeige

Spezial
Rechte Proteste gegen den Bau der Kölner Zentralmoschee (Archivbild).

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager. Das Spezial zur Neuen Rechten.

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Videos
Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Meistgeklickt
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Bayer Leverkusen Boss Holzhäuser 
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!