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19. Januar 2013

Smog in China: China redet offen über Luftverschmutzung

 Von 
Mann mit Atemschutz.  Foto: Getty Images

Die Smogglocke über Peking und anderen nordchinesischen Städten macht Luftverschmutzung in China zu einem Thema, das sich nicht länger kleinreden lässt. Erste Lehren aus dem Smog-Alarm werden bereits gezogen.

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Peking –  

Ein Mann im grauen Anzug steht in einer grauen Schuttlandschaft, das Gesicht von einer Gasmaske verdeckt. Im Hintergrund pusten Fabrikschlote dreckigen Rauch in den Himmel. „Der Weg ist noch lang. Deine Gesundheit entscheidet, wie weit du kommst“, lautet der dazugehörige Text, mit dem die chinesische Firma Yuanda im Internet ihre Luftreiniger bewirbt.

Yuanda ist für solch spektakuläre Werbungen bekannt: Im vergangenen Jahr gelang Yuanda ein PR-Coup mit der Erklärung, man habe 200 dieser Geräte im Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai installiert. Die Parteiführung lässt sich ihre Atemluft reinigen, während sie gegenüber ihrem Volk das Ausmaß der Luftverschmutzung herunterspielt – diese Behauptung löste im Internet einen Sturm der Entrüstung aus. Yuanda machte es weithin noch bekannter.

Derzeit verkaufen sich Luftreiniger jedoch ohne Werbung. Die Smogglocke, die in den vergangenen Tagen auf Peking und anderen nordchinesischen Städten lag, hat Luftverschmutzung zu einem Thema gemacht, das sich nicht länger kleinreden lässt.

Unbemerkter Fabrikbrand

Am 18. Januar stieg der von der US-Botschaft veröffentlichte Index für gesundheitsgefährlichen Feinstaub mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer wieder auf 537 und sprengte damit erneut die auf 500 Mikrometer begrenzte Messlatte. Vergangenes Wochenende waren sogar über 900 gemessen worden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Werte unter 25 – ein Standard, den weniger als ein Prozent der 500 größten Städte in China erreicht. Das ergab eine aktuelle Studie der Pekinger Tsinghua-Universität und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). In Südchina konnte diese Woche sogar eine Fabrik drei Stunden lang unbemerkt brennen, weil der schwarze Rauch wegen des Smog niemandem auffiel.

Nachdem in der vergangenen Woche Millionen Chinesen im Internet über die giftige Luft klagten, können nun auch die staatlichen Medien nicht anders, als ausführlich über das Problem zu berichten. Auf Sonderseiten informieren sie neuerdings über die gesundheitlichen Gefahren schlechter Luft, die von Lungenkrankheiten bis zu Krebs reichen können.

Am Dienstag meldete sich Vize-Premier Li Keqiang und damit ein Spitzenpolitiker zu Wort. Luftverschmutzung sei ein „langfristiges Thema und es wird lange dauern, bis es gelöst ist“, erklärte er. „Aber wir müssen etwas tun.“ Damit setzte Li, der im März das Amt des Regierungschefs übernehmen soll, einen Schlusspunkt unter die Pekinger Beruhigungsrhetorik. Die schlechte Luft gehört nun neben der Korruption und dem hohen Wohlstandsgefälle offiziell zu den Schlüsselproblemen, an deren Lösung sich Chinas Zukunft entscheidet.

Kampf gegen schwindendes Vertrauen

Wie bei allen großen sozialen Baustellen kämpft die Partei aber auch bei diesem Thema gegen schwindendes Vertrauen. Die Chinesen machen sich darüber schon lange Sorgen und fühlen sich damit allein gelassen. Wenn sich Du Jicai zum Beispiel über die aktuellen Luftwerte informieren will, geht er wie selbstverständlich auf die Internetseite der US-Botschaft. Der Webseite des chinesischen Umweltministeriums glaubt der 35-jährige Pekinger nicht.

„Die chinesischen Werte sind geschönt“, ist er sich sicher. Für seine Familie hat er einen Luftreiniger gekauft, der umgerechnet 600 Euro gekostet hat. Das ist ein durchschnittlicher Monatslohn. „Wenn wir uns gegen die Verschmutzung schützen wollen, müssen wir selbst etwas unternehmen“, sagt Du. „Die Fenster machen wir jedenfalls nicht mehr auf, es sei denn, der Himmel ist strahlend blau.

Wohlhabendere Hauptstädter sind inzwischen dazu übergegangen, sich im Umland von Peking Ferienhäuser zu mieten – in besserer Luft. Immer mehr Chinesen auch ziehen ins Ausland ziehen und immer weniger Ausländer nach China. Aus da ist zum Teil die Umweltverschmutzung ein Grund.

In einer Umfrage der Amerikanischen Handelskammer gaben vergangenes Jahr 36 Prozent der Unternehmen an, die schlechte Luft mache es für sie schwieriger, internationales Personal nach Peking zu locken. Zwei Jahre zuvor hatten nur 19 Prozent der Firmen dieses Problem. Europäer berichten über ähnliche Sorgen.

Noch keine konkreten Schritte angekündigt

Umweltschützer werten positiv, dass Premier-in-spe Li Keqiang das Problem nun auch offiziell ernst nimmt. Konkrete Schritte hat die Regierung jedoch noch nicht angekündigt. Das wird auch schwer fallen, denn das Thema rührt an eines der Grundprobleme des chinesischen Systems. Die Gesetze sind zwar gut, doch die Umsetzung scheitert häufig an Korruption und Lokalinteressen.

Der Physiker Wang Yuesi, Mitglied einer offiziellen Pekinger Arbeitsgruppe zur Luftverschmutzung, forderte deshalb kürzlich in einem Interview: Nur mit einer Reform der politischen Strukturen könne das Problem angepackt werden. Chinas System funktioniere einfach nicht gut.

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