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So schlimm sind wir doch gar nicht

Wie die Deutschen über die Demokratie denken

Ein Drittel der Deutschen demokratiefern? Eine "Tartarenmeldung", meinte Manfred Güllner am Donnerstag zu jener Umfrage, die vor Wochen für Aufregung sorgte, "gefährlicher Unfug". So schlimm sind die Deutschen nämlich gar nicht.

Zusammen mit den Politikwissenschaftlern Richard Stöss und Oskar Niedermayer stellte der Chef des Sozialforschungsinstituts Forsa in Berlin eine Umfrage unter 6005 Deutschen vor, denen im Sommer der politische Puls gefühlt wurde. Ergebnis: Die Deutschen sind Demokraten. 92 Prozent halten diese Gesellschafts- und Regierungsform prinzipiell für die richtige. Nur fünf Prozent sind echte Anti-Demokraten.

Offensichtlich hängt die Einstellung mit dem Bildungsgrad und dem sozialem Status zusammen: "Die Unterschicht ist eindeutig demokratiekritischer", sagte Niedermayer. Außerdem: "Je geringer das Interesse, desto kritischer die Haltung." Eine andere Frage sei allerdings, was die Deutschen davon halten, wie und von wem in dieser Demokratie gerade die Politik gemacht wird. An der "Performance" hätten die meisten einiges auszusetzen. Nur eine Minderheit, so Niedermayer, sei zufrieden mit dem, was Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Bütikofer, Lafontaine und Co. gerade böten.

Im Kern ging es bei der Umfrage um rechtsextreme Einstellungen im Volke. Dabei kam heraus: Sie haben insgesamt leicht abgenommen. Jeder zehnte Befragte sympathisiert mit solchen Ideen, bei einer Umfrage vor drei Jahren waren es noch zwölf Prozent. Die Umfrager hatten Deutschland in vier Regionen aufgeteilt und stellten fest: Im Norden eher wenig Rechtes (neun Prozent), im Westen noch weniger (acht Prozent), im Süden und im Osten etwas mehr (elf Prozent). Süd- und Ostdeutschland, so Richard Stöss, hätten Gleichstand erreicht. Der Osten sei nicht mehr allein Vorreiter.

Bei einem Teil der Umfrage, der sich nur auf Berlin und Brandenburg bezog, fanden die Forscher heraus: "Rechtsextremes Gedankengut gedeiht vor allem in der Unterschicht, in Berlin besonders bei der weiblichen Unterschicht." Die DDR-Generation neige häufiger dazu, gefolgt von der gesamtdeutschen und erst dann der altbundesrepubikanischen Generation. Ursächlich sei aber nicht nur der "geringe soziale Status", sondern auch eine allgemeine Unzufriedenheit mit den Verhältnissen.

Autor:  BERNHARD HONNIGFORT
Datum:  26 | 9 | 2008
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