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Somalia: Humanitäre Katastrophe mit Namen

Ununterbrochen terrorisieren Islamisten das Land am Horn von Afrika. Es wird gekämpft wie nie zuvor. Somalia steuert auf eine humanitäre Katastrophe zu, glauben die UN. Von Johannes Dieterich

Alltag in Somalias Hauptstadt Mogadischu: Kämpfer der islamistischen Al-Shabab-Miliz liefern sich Gefechte mit anderen Milizionären.
Alltag in Somalias Hauptstadt Mogadischu: Kämpfer der islamistischen Al-Shabab-Miliz liefern sich Gefechte mit anderen Milizionären.
Foto: afp

Auch am Pfingstmontag wurde in Somalias Hauptstadt Mogadischu wieder heftig gekämpft. "Es ist so schlimm wie nie zuvor", sagt Abdullahi Schirwa, Sprecher einer Dachorganisation somalischer Nichtregierungsorganisationen, der schon seit Jahren in der zerstörten Stadt ausharrt.

In den vergangenen Tagen griffen die radikalen islamistischen Milizionäre der "al Schabab" (die Jungs) wieder einmal den Präsidentenpalast in Süd-Mogadischu an. Unterstützt von den im Auftrag der Afrikanischen Union in der Stadt stationierten ugandischen und burundischen Soldaten erwiderten die Truppen der Übergangsregierung mit Mörsern das Feuer, wobei zahlreiche Zivilisten ums Leben kamen. Eine fünfköpfige Familie sei nach dem Volltreffer einer Granate auf ihr Haus getötet worden, hieß es.

Regierung ohne Siegchance

Die Übergangsregierung kämpfe einen aussichtslosen Kampf, meint Abdullahi Schirwa: 90 Prozent Zentralsomalias würden von den radikalen Islamisten kontrolliert. Aus der immer wieder angekündigten Großoffensive der Regierung ist bislang nichts geworden; und von dem kürzlich begonnenen Unterfangen der EU, in Uganda somalische Sicherheitskräfte auszubilden, hält der NGO-Sprecher auch nicht viel.

Weil die Regierung ihren Soldaten nicht einmal den Sold bezahlen könne, liefen diese scharenweise mitsamt Waffen zum Feind über. Nur wenn die internationale Gemeinschaft ein Konzept zur Unterstützung der Übergangsregierung von Präsident Ahmed Scheich Scharif ausarbeite und diesen zu einer deutlichen Reduzierung seines aufgeblähten Kabinetts und des nicht minder übervölkerten Parlamentes zwinge, sei eine Verbesserung der derzeitigen "katastrophalen Lage" möglich, meint Schirwa.

Bei der internationalen Somaliakonferenz, die am Wochenende in der Türkei stattfand, sei jedoch erneut nichts Greifbares und eine "in typischem Diplomaten-Jargon gehaltene Erklärung" herausgekommen. Dass der sich als somalischer Präsident ausgebende "halbseidene Geschäftsmann" Abdinur Ahmad Darman mit den angeblich von ihm angeheuerten deutschen Söldnern etwas ausrichten könne, hält Schirwa für völlig ausgeschlossen: "Ich glaube, dass das alles eine Lüge ist."

Von den angeblich bereits als Vorauskommando ans Horn von Afrika gereisten deutschen Söldnern habe er bisher "weder etwas gesehen noch etwas vernommen": Und "große blonde Deutsche" könnten sich in Somalia "nun einmal schlecht verstecken". Der über beste Beziehungen verfügende NGO-Chef meint ohnehin, dass Darman in Somalia keinen nennenswerten Einfluss hat: "Der lebt ja auch schon seit Jahren nicht mehr hier."

Somalia steure auf eine humanitäre Katastrophe zu, glauben die UN. Hunderttausende Einwohner sind aus Mogadischu geflohen, werden von Hilfsorganisationen aber nur schlecht erreicht. Westliche Hilfswerke werden von al Schabab nach Kräften behindert. Erst vergangene Woche stürmten islamistische Milizionäre die südsomalische Niederlassung von World Vision und zwangen die Mitarbeiter der Organisation zur Einstellung ihrer Arbeit.

Autor:  Johannes Dieterich
Datum:  25 | 5 | 2010
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