Das Zugeständnis kam vom Präsidenten selbst. "Unsere Regierung steht kurz vor dem Kollaps", räumte Somalias Übergangspräsident Abdullahi Jusuf jüngst in Nairobi ein. "Die islamistischen Milizionäre haben fast das gesamte Land unter ihre Kontrolle gebracht." Tatsächlich standen die Gotteskrieger zu diesem Zeitpunkt bereits vor den Toren Mogadischus: Hätte die äthiopische Besatzungsmacht die Islamisten nicht noch einmal aus ihren vordersten Stützpunkten vertrieben, wäre die Hauptstadt heute wieder in der Hand von al-Schabab, der "Jungen", wie der militante Flügel der Islamisten heißt.
Die meisten Hauptstadtbewohner hätten dagegen gar nichts einzuwenden. Wehmütig denken viele in Mogadischu an die goldene Zeit vor zwei Jahren zurück, als die Islamisten für sechs Monate Somalia beherrschten. Erstmals seit dem Kollaps der Regierung vor 18 Jahren herrschte in dem Chaosland am Horn von Afrika wieder Ruhe. Schnell aber wurden die Islamisten auf Geheiß der USA von einer äthiopischen Besatzungstruppe vertrieben - seitdem herrscht wieder Krieg, Anarchie und Hunger in Somalia.
Die Hälfte der Bevölkerung hat Mogadischu wegen der Kämpfe zwischen den Islamisten, den äthiopischen Besatzungstruppen und Soldaten der Übergangsregierung den Rücken gekehrt: Sie hungern jetzt in den Provinzen, die zunehmend unter die Kontrolle der Gotteskrieger fallen.
Hoffnung keimte auf, als im August Vertreter der Übergangsregierung im Nachbarland Dschibuti einen Waffenstillstand mit einer gemäßigten Gruppierung der Islamisten aushandelte. Hätte sich die neue Allianz behauptet, wäre sowohl der Abzug der äthiopischen Besatzungstruppen wie eine Isolierung der radikalen al-Schabab möglich gewesen. Doch die junge Allianz zerbrach - vor allem, weil sich die Mitglieder der Übergangsregierung zerfleischen.
Außerdem mehren sich die Anzeichen, dass Äthiopien auch angesichts des bevorstehenden Regierungswechsels in Washington seine Truppen bald aus dem Nachbarland holt. Schon am nächsten Tag wäre Jusuf ein ehemaliger Übergangspräsident und würde Somalia wieder von den Islamisten regiert. Es liegt an den Somaliern dafür zu sorgen, dass die gemäßigten Gottesmänner und nicht "Die Jungs" die Oberhand gewinnen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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