kalaydo.de Anzeigen

Somalia: Neue Keimzelle des Terrorismus

Boote voller Waffen, Munition und Handgranaten: Jemens El Kaida beliefert die militanten somalischen Brüder. Von Dagmar Wittek

Somalia: Frisch ausgebildete Gotteskrieger präsentierten am 1. Januar ihre Waffen.
Somalia: Frisch ausgebildete Gotteskrieger präsentierten am 1. Januar ihre Waffen.
Foto: afp/Intelcenter

Jemenitische El-Kaida-Zellen schicken Waffen an militante Islamisten in Somalia. Das räumte der somalische Verteidigungsminister Siad Indha Adde jetzt ein und bestätigt damit eine lang gehegte Vermutung von Beobachtern. Adde berichtete von Bootsladungen, die an Somalias Küste anlanden, voll mit Waffen, Munition und Handgranaten. Diese seien, so Adde, für al-Shabab gedacht. Al-Shabab, die für Somalia einen streng islamistischen Staat erzwingen will, kontrolliert weite Teile von Südsomalia. Sie bekämpft die von UN und Afrikanischer Union unterstützte Übergangsregierung. In den von al-Shabab kontrollierten Landesteilen wurden unter anderem Frauen wegen angeblichen Ehebruchs gesteinigt und Männern die Hände wegen Diebstahls amputiert. Öffentliche Hinrichtungen und Auspeitschungen gehören ebenfalls zur al-Shabab-Auslegung der Scharia.

Die Waffenlieferungen aus dem Jemen könnten ein Grund dafür sein, dass al-Shabab mehr und mehr Regionen vereinnahmt. Zuletzt sollen die Islamisten am Montag nach Berichten der lokalen Menschenrechtsorganisation Elman die Stadt Dhuusa Marreeb angegriffen und nach heftigen Kämpfen mit dortigen Milizen eingenommen haben. Dabei, so Elman-Sprecher Ali Sheik Yasin habe es 53 Tote und rund 150 Verletzte gegeben - vornehmlich Soldaten. Die meisten Alten, Frauen und Kinder seien aus der Stadt geflohen.

Somalia fordert Hilfe an

Unterdessen patrouillieren al-Shabab-Truppen die rund 500 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Mogadischu gelegene Stadt. Ein Regierungssprecher appellierte in einem Interview mit BBC an die internationale Gemeinschaft und forderte mehr Unterstützung, denn El Kaida nahestehende Gruppen wie al-Shabab würden in Somalia mehr und mehr Einfluss gewinnen.

Al-Shababs Anführer Mukhtar Robow hatte kürzlich seine Bereitschaft signalisiert, Verstärkung in den Jemen zu schicken, um El Kaida im Kampf gegen die Regierung zu unterstützen. Eine Anti-Terror-Einheit durchsuchte dort am Montag ein Dorf in der Nähe der Hauptstadt Sanaa und tötete zwei mutmaßliche islamistische Kämpfer. Ein dritter Mann, der dem Terrornetzwerk angehören soll, wurde 30 Kilometer nördlich von Sanaa verhaftet.

Botschaften geschlossen

Nach den USA und Großbritannien haben am Montag auch Frankreich und Tschechien ihre Botschaften im Jemen wegen Sicherheitsbedenken geschlossen. Die japanische Botschaft in Sanaa schloss vorübergehend ihre Visa-Abteilung, die deutsche Botschaft hingegen setzte ihren Geschäftsbetrieb fort.

Die US-Botschaft werde ihre Pforten vorerst nicht wieder öffnen, teilte ein für Sicherheitsfragen zuständiger Mitarbeiter der Vertretung in Sanaa. Aus westlichen Diplomatenkreisen verlautete, auch die britische Botschaft bleibe geschlossen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, die deutsche Botschaft habe bislang keine Terrordrohung erhalten, der Dienstbetrieb werde fortgesetzt. Die Sicherheitsvorkehrungen seien aber verstärkt worden und die Sicherheitslage werde täglich geprüft.

Im Jemen kam es bei Protesten gegen das Verbot einer Zeitung am Montag zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Dabei wurden nach Angaben der Behörden in Aden ein Polizist getötet und drei weitere verletzt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" der Polizei vor, unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terror die Menschenrechte zu verletzen.

Die Lage im Jemen stellt nach Ansicht von US-Außenministerin Hillary Clinton eine Bedrohung für die ganze Welt dar. Es müsse verhindert werden, dass El Kaida das südarabische Land weiterhin als Basis für Terrorattacken nutzt. Dabei müsse die internationale Gemeinschaft die Regierung in Sanaa stärker als bisher unterstützen. "Die Instabilität im Jemen ist eine Bedrohung der regionalen Stabilität und sogar der globalen Stabilität", sagte Clinton am Montag in Washington. (mit dpa)

Autor:  Dagmar Wittek
Datum:  5 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Zeitgeschichte

Deutschland 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: Die FR beschreibt das Land anhand der Lebensgeschichten ihrer Einwohner.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!